Boom-Markt China

Mit schlauen Köpfen und fleißigen Robotern neue Märkte erobern

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Regionale Produktentwicklung und Ausbildung

Um einen weltweiten einheitlichen Standard zu sichern und künftig mehr und mehr individuell zugeschnittene Lösungen und Anwendungen auch aus China heraus anbieten zu können, muss auch in Ausbildung, Forschung und Entwicklung investiert werden. Noch einmal zurück zum Beispiel Festo: Die Konzernleitung um Vorstand Veit gründete nicht nur ein „Greater China Solution Engineering Centre“, das als Sparringspartner mit chinesischen Kunden gedacht ist, sondern investiert auch in die Ausbildung.

Das erste vollständige Schulungszentrum, das Festo außerhalb Deutschlands eröffnet hat, nimmt das deutsche System der dualen Ausbildung als Vorbild. Mitarbeiter werden im etwa eine Million Euro teuren und 1300 m² großen Schulungszentrum in Technik und Managementlehre geschult. Für die Qualifizierung anderer Zielgruppen wie zum Beispiel Teamleiter oder Ausbilder in Management, Qualität und Technologie wird ebenfalls analog zur heimatlichen Vorgehensweise mit Hochschulen und Instituten kooperiert.

Gemeinsam mit der Tongji University, der Zhejiang University, der Shanghai Jiaotong University und anderen wird Ausbildungsprogramme, die Vergabe von Stipendien und die Entwicklung besonderer Fähigkeiten investiert.

Auch das „Chinesisch-Deutsche Hochschulprogramm“ der Chinesisch-Deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften, die mit der Tongji University (CDHAW) verbunden ist, fördert Ingenieure mit einem multikulturellen Hintergrund. Nach Abschluss des Studiums an der CDHAW arbeiten die Studenten in ihrem Abschlussjahr an der Partneruniversität in Deutschland.

Gut ausgebildet in das internationale Netzwerk

Insgesamt haben 450 Studenten das Studium beendet, 80 % davon mit doppeltem Abschluss. Die Absolventen genießen ein hohes Ansehen bei den Industrieunternehmen in China und Deutschland.

Erst jüngst, am 18.10.2013, wurde in Shanghai ein neues Zentrum für Produktionstechnologie eröffnet (MM MaschinenMarkt berichtete). Das Institut für Produktionstechnik wbkl und das AMTC (Advanced Manufacturing Technology Center) werden künftig eng miteinander kooperieren, sodass insbesondere die chinesischen Aktivitäten der deutschen Industrie auch auf technologischem Gebiet vor Ort qualifiziert unterstützt werden können. Der Fokus des Zentrums wird erst einmal auf die Automobilproduktion gelegt: den Motorenbau die Zerspanungsprozesse und deren automatisierte Fertigungsanlagen für Zylinderkopf- und -block, Kurbelwellen und Nockenwellen.

In der Montage liegt der Fokus auf Roboteranwendungen im Karosserierohbau und im Innenausbau von Fahrzeugen. Ein Kompetenzschwerpunkt des Centers wird zudem die Applikationsentwicklung im Bereich der Industrierobotik sein. Die maschinelle Ausstattung des AMTC kann sich erst einmal sehen lassen:

  • 4-Achs-Bearbeitungszentrum (MAG Industrial Automation Systems)
  • Drehbearbeitungszentrum (Fives)
  • Koordinatenmessmaschine (Zeiss)
  • 6-Achs-Industrieroboter (ABB)
  • Montagesystem (Raymond)
  • 3-Achs-Hochgeschwindigkeitsfräsmaschine (DMG)
  • zwei Steuerungsumgebungen (Beckhoff und Siemens)
  • eine Montageinsel (Festo)
  • AGV als modernes Flurförderfahrzeug in die Ausstattung eingebracht.

Die Ausstattungsliste ist gleichzeitig ein Spiegel, zu sehen, welche Firmen sich intensiver beim Thema Ausbildung in China einbringen wollen. Auch bei der Eröffnungsfeier der Japanisch-Deutschen Produktion von DMG Mori am 18. Oktober in Tianjin betonte Präsident Dr. Masahiko Mori nicht den Wert der Investition (30 Millionen Euro) oder den geplanten Output der Produktion (100 Maschinen pro Monat), sondern zu Beginn seiner Rede legt er Wert auf die Feststellung, 200 junge, gut ausgebildete Mitarbeiter an Bord zu haben und betont, weiter intensiv an der Mitarbeiter-Entwicklung arbeiten zu wollen: „Das verlangt die gestiegene Nachfrage nach immer präziser arbeitenden Werkzeugmaschinen hier in China.“

Und auch im Fall von DMG Mori spielt die weltweite Vernetzung eine zentrale Rolle: Die Produktion in Tianjin produziert nicht ausschließlich horizontale Bearbeitungszentren für den chinesischen Markt, sondern auch Bauteile, die in Japan oder auf der anderen Seite der Erde in den USA verbaut werden.

Je mehr die Unternehmen die Vorteile der Globalisierung wie reduzierte Logistik-Kosten und kürzere Lieferzeiten ausschöpfen, desto klarer wird, dass die Zeiten der verlängerten billigen Werkbänke endlich sind. Und der Weg zu besseren Produkten und Engineering-Dienstleistungen führt über fleßige Roboter und gut ausgebildete Köpfe.

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