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Mit dem Bau des Logistikzentrums 2016 und 2017 am Standort wird die Energiezentrale durch ein weiteres BHKW erweitert, um das Versandzentrum mit Energie zu versorgen. Für EBM-Papst fügen sich die BHKW sinnvoll in das Energiekonzept ein, doch die Energieerzeugung rechnet sich nur, wenn die Laufzeit hoch ist. Um die Laufzeit und Effektivität weiter zu erhöhen, werden zusätzlich die Wasch- und Reinigungsanlagen im Werk, die vorher elektrisch beheizt wurden, nun über das Warmwasser aus den BHKW beheizt. „Das Ganze rechnet sich in vier Jahren“, berichtet Mettler – eine Amortisationszeit, die für andere Unternehmen zu lange ist. „Wir haben keine strikten Vorgaben, was Amortisationszeiten betrifft, aber die Investition muss sinnvoll sein. Wenn in einem Gebäude die Heizung 15 oder 20 Jahre betrieben wird, dann sind vier Jahre eine gute Zeit für uns.“
Neubau des Logistikzentrums: Energiekonzept erweitert
Für das neue Versandzentrum (Bild 9), das im Frühjahr 2017 eröffnet wurde, war nun das energetische Grobkonzept schon vorgegeben, es wurde nur auf die über 40.000 m² zusätzliche Fläche erweitert. Doch auch diese Investition basierte auf Überlegungen, effizienter zu agieren, CO2 einzusparen und Frachtkosten zu reduzieren. Bisher hatte EBM-Papst 31.000 m² Außenlager im Umkreis angemietet. Alleine zwischen diesen Lagerstandorten summierten sich lange Transportstrecken auf – mit oft nicht voll beladenen Lkw. Diese Außenflächen wurden am Werk Hollenbach konzentriert; das Versandzentrum wird jetzt direkt von 13 Werken beliefert, um von hier mit voll beladenen Lkw die montierten Produkte an die Kunden zu senden. Insgesamt werden so jährlich 507.500 gefahrene Kilometer eingespart.
Auch energetisch ist man wieder weit unter den gesetzlichen Anforderungen. Im Vergleich zu 2007 hat die Politik zwar den Verbrauch für die Neubauten von 482,4 auf 113,6 kWh/m²·a gesenkt, doch das Versandzentrum benötigt lediglich 18,3 kWh/m²·a. Im Unterschied zum Bauabschnitt von 2007 kommen außerdem in der Produktionserweiterung und im aktuellen Neubau statt der T5-Hallenbeleuchtung LED-Leuchten (Bild 6) zum Einsatz, die etwa 585.000 kWh/a Strom im 2-Schicht-Betrieb beziehungsweise 877.000 kWh/a im 3-Schicht-Betrieb einsparen.
Auf unserem Weg durch die Hallen des Werks haben wir inzwischen zahlreiche Möglichkeiten gesehen, wie sich Energie in einem Industrieunternehmen einsparen und sinnvoll nutzen lässt. Manchmal sind es „unsichtbare“ Dinge wie die Photovoltaikanlagen auf dem Dach oder die energieeffizienten Antriebe für die Förderbänder zum Logistikzentrum. Manchmal sind es im wahrsten Sinne des Wortes sichtbare Maßnahmen, wenn die Beleuchtung in Gängen, Büros oder Besprechungsräumen mit Präsenzmeldern ausgestattet ist, die auf Bewegung reagieren (Bild 12). Und dann findet man auch Maßnahmen, die eigentlich selbstverständlich sein könnten: wenn beispielsweise die Lkw-Rampen am Warenein- und -ausgang nach außen verlegt sind, um eine Kältebrücke im Versandzentrum zu vermeiden (Bild 15).
EBM-Papst hat allerdings nicht nur energetisch die Gebäude optimiert. Als Energiescouts sind Azubis bereits seit fast sieben Jahren im Unternehmen unterwegs, um auch Energieverschwender in der Produktion aufzudecken – vorrangig Druckluftleckagen und Wärmeverlust. Bis heute war es damit möglich, etwa 1 Mio. Euro Energiekosten an den deutschen Standorten des Unternehmens einzusparen.
Das Selbstverständnis eines Anbieters effizienter Technik
Was hier anders ist in der Produktion, fällt zunächst kaum auf. Die Temperatur ist angenehm, der Lärmpegel ist normal. Ganz unbewusst bemerkt man allerdings: Hier liegt nicht der produktionstypische Geruch aus Schmutz, warmem Schmierstoff und Reinigungsmittel in der Luft.
Wie Markus Mettler erklärt, sorgt EBM-Papst nicht nur beim Gebäude für höchste Effizienz, sondern setzt dieses Bewusstsein auch in der Produktion und in den Produkten fort. So werden beispielsweise in der Dreherei die Drehmaschinen auf Trockenbearbeitung umgestellt. Das funktioniert, indem man sich mit dem Prozess intensiv beschäftigt und den Willen hat, neue Lösungen zu finden. Damit spart man sich zum einen das Waschen als weiteren Arbeitsschritt, zum anderen aber auch das Kühlschmiermittel und dessen Entsorgung.
Insgesamt spart EBM-Papst jährlich 2,58 MWh ein, hinzu kommt die Photovoltaikanlage. Dem gegenüber stehen die Investitionskosten alleine am Standort Hollenbach von 20 Mio. Euro für den Neubau des Werks 2007, 15 Mio. Euro für die Erweiterung 2013/14 und 40 Mio. Euro für den Bau des Logistikzentrums 2016/17. Warum baut man nicht günstiger? Es würde an den gefertigten Produkten schließlich nichts ändern.
„Unsere Greentech-Philosophie, die wir seit etwa 2009 haben, verpflichtet uns über alle Bereiche“, erklärt Mettler den Denkansatz, den Firmengründer Gerhard Sturm vorgegeben hat. „Zu Greentech gehören auch die Kunden, die von unseren Produkten einen Nutzen haben sollen. Eigentlich ist es dann selbstverständlich, dass wir ‚grüne’ Ventilatoren nicht in einer Halle, in der Energie verschwendet wird, produzieren können. Sonst macht man sich unglaubwürdig.“
Umweltgedanke als Wettbewerbsfaktor
Das Gesamtkonzept, das Greentech umfasst, ist aber auch ein Wettbewerbsfaktor, wenn es darum geht, neue Mitarbeiter zu finden. In einer Region, in der so gut wie Vollbeschäftigung herrscht, können sich die Bewerber fast aussuchen, wo sie arbeiten möchten. Dann spielen „weiche“ Faktoren eine Rolle, wie das Klima, der Schmutz und der Geruch in der Produktionshalle oder auch das Umweltbewusstsein des Unternehmens. Solche Dinge werden auch von den Mitarbeitern wieder nach außen getragen, sodass sich bereits heute Bewerber auf Greentech beziehen.
Dieses Handeln spiegelt eine klare Haltung wider, die ökologisches Bewusstsein sowohl im eigenen Handeln als auch in den Produkten einbindet – in dieser Konsequenz nicht alltäglich. Um die zu Beginn gestellte Frage, was bei EBM-Papst anders läuft, nochmals aufzugreifen: vieles. Ganz konkret sind es folgende Punkte, die dafür sorgen, dass Energie- und Ressourceneffizienz beim Ventilatorenhersteller Teil der Unternehmensphilosophie sind:
- sich Zeit für die Planung nehmen,
- schon in der Planungsphase die Hallennutzung kennen und
- sinnvolle Maßnahmen sind wichtiger als kurze Amortisationszeiten.
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