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Risikobeurteilungen müssten auch Betriebsbewährtheit berücksichtigen
Deutges fordert deshalb: „Wir brauchen eine Risikobeurteilung, die das gesamte, von einer Maschine ausgehende Risiko über die Betriebsdauer bilanziert und zu absoluten Richtwerten ins Verhältnis setzt. Hiermit liegt dann automatisch ein Fokus auf manipulierten Betriebszuständen, die – so zeigen Studien der Berufsgenossenschaft – durchaus sehr verbreitet sind.“
Wesentlich sei auch ein alternatives Risikomodell, das die Sicherheit von Maschinen oder deren Sicherheitsfunktionen aus der Betriebsbewährtheit nachweist. Damit verbunden sei ein Fortbestand von bewährten Sicherheitsschaltungen, die in den vergangenen Jahren eingesetzt wurden.
Normativer Rahmen für Sonderbetriebsarten fehlt noch
Das neue Regelwerk, sagt Deutges, „wird für die Maschinenhersteller an den Stellen kritisch, an denen aktuelle sicherheitstechnische Lösungen den Berechnungskriterien nicht genügen. Oft stellt sich hier die Frage nach dem technisch Machbaren, nicht nur nach erhöhten Kosten“. Darüber hinaus hätten Maschinenhersteller heute nach der neuen Maschinenrichtlinie die Verpflichtung, Maßnahmen gegen die Manipulation von Schutzeinrichtungen zu ergreifen.
Ein praxisgerechter Ansatz dazu seien funktional eingeschränkte Sonderbetriebsarten. Das aktuelle Problem dabei sei der bei vielen Maschinentypen hierzu noch fehlende normative Rahmen: „Die Hersteller operieren bei diesem Thema in einer Grauzone.“
Der VDW und seine Mitgliedsfirmen arbeiteten seit Jahren an der Umsetzung der ISO 13.849 und der Entwicklung alternativer Ansätze. Daran beteiligt seien überdurchschnittlich viele Hersteller, allerdings überfordere die derzeitige Häufung von internationalen Normungsvorhaben viele der mittelständischen Unternehmen.
Sicherheitsnorm ISO 13.849 wird in Asien oft nur wenig beachtet
Ein wunder Punkt, sagt Deutges, sei der Unterschied in der funktionalen Sicherheit zwischen deutschen und asiatischen Herstellern: „Die ISO 13.849 ist eine weltweit gültige Norm, also sollte das zu Grunde liegende Sicherheitskonzept auch in Asien beherzigt werden. Allerdings – so zeigt meine persönliche Beobachtung – geht die Schere der Sicherheitstechnik derzeit weiter auseinander. Führende Hersteller aus Europa und Japan sind sehr um die Umsetzung bemüht, während gerade in Ländern wie China und Taiwan noch kaum Aktivitäten zu erkennen sind, normkonforme Lösungen zu entwickeln. Hier besteht ohnehin noch eine deutliche Diskrepanz im Sicherheitsniveau – schon vor Einführung der ISO 13.849.“
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