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ISO 13.849 Neue Norm für funktionale Sicherheit verunsichert Maschinenbauer

| Redakteur: Stéphane Itasse

Funktionale Sicherheit bei Werkzeugmaschinen lässt sich nicht unter einen normengerechten, globalen Hut bringen. Auf der Metav 2014 vom 11. bis 15 März in Düsseldorf widmet der VDW deshalb diesem Thema einen Technologietag. Er soll aufzeigen, wie weit die Umsetzung der neuen ISO 13.849 gediehen ist und wo die neuen Bewertungsmethoden den Herstellern Schwierigkeiten bereiten.

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Das neue Regelwerk nach ISO 13.849 stellt hohe Anforderungen an das Werkstückspannen.
Das neue Regelwerk nach ISO 13.849 stellt hohe Anforderungen an das Werkstückspannen.
(Bild: Monforts)

Die funktionale Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt von Werkzeugmaschinen, beispielsweise bei der Absicherung von Tätigkeiten bei geöffneten Schutztüren, wie der VDW weiter mitteilt. Strittig unter Praktikern seien Risikobeurteilung und deren Reproduzierbarkeit, wie sie von der neuen Steuerungsnorm ISO 13.849 gefordert werden. Denn die neuen wahrscheinlichkeitstheoretischen Berechnungen – in der Fachsprache probabilistische Methoden – stellten die bisherige Betriebsbewährtheit in Frage und führten zu Unterbewertungen.

Praktische Anwendung der ISO 13.849 wirft Fragen zur Sicherheitspraxis auf

Werkzeugmaschinenbauer sind laut Verband schon aus Haftungsgründen (Produkthaftung wie persönliche Haftung) seit jeher um Einhaltung gängiger Sicherheitsvorschriften und Normen bemüht und stecken erhebliche Aufwände in das Erreichen normkonformer Sicherheitsstandards. Dabei könne das neue Regelwerk, so eine weit verbreitete Expertenmeinung, gar nicht in allen Bereichen erfolgreich angewendet werden, weil die geforderte rechnerische Ausfallsicherheit bewährter technischer Lösungen auf dem Papier nicht nachgewiesen werden könne.

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Die Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis in der Risikobeurteilung bringt laut Mitteilung Prof. Dominic Deutges von der Hochschule Niederrhein, Krefeld, und Technologieberater der A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH, Mönchengladbach, so auf den Punkt: „In der praktischen Anwendung der ISO 13.849 zeigt sich in Teilbereichen, dass aktuelle und sicherheitsbewährte Schaltungen der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie den neuen Rechenregeln nicht genügen. Gerade im Bereich der hydraulischen Spanntechnik zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen der Bewährtheit von vielen tausend Maschinen im Feld und der nach ISO 13.849 berechneten Sicherheit. Wir haben schon seit Jahren ein sehr geringes Unfallgeschehen und Untersuchungen der deutschen Berufsgenossenschaft zeigen, dass das größte Problem heute die Manipulation von Sicherheitseinrichtungen ist.“

Probabilistischer Ansatz der ISO 13.849 bedeutet hohen Aufwand

Kritisch sei aber auch die Risikobeurteilung mit dem so genannten Risikographen der ISO 13.849, da hier die geforderten Werte ohne Begründung aus dem Unfallgeschehen häufig höher lägen, als dies bisher der Fall war. Die ISO 13.849 „hätte vor der Veröffentlichung an realen, aber schwierigen Schaltungen aus dem Werkzeugmaschinenbau geprüft werden sollen, was leider nicht erfolgt ist“.

Die ISO 13.849 ist nach Angaben des VDW ein vereinfachender Ansatz, der die Sicherheit mit probabilistischen Methoden beschreiben möchte – im Gegensatz zum deterministischen Ansatz der Vorgängernorm EN 954. Dabei baue die Norm auf den Methoden der ISO 61508 auf und erfordere umfangreiche Ausfallsicherheitsberechnungen.

Die hierbei generierten Berechnungsunterlagen umfassten beispielsweise schon bei einfachen Standard-Drehmaschinen etwa 200 Seiten, dazu komme noch eine Risikobeurteilung nach ISO 12100 mit etwa 80 Seiten – ein immenser Aufwand, der sich „ohne die Unterstützung durch geeignete Tools nicht mehr praxisgerecht bewältigen lässt“, wie Deutges meint.

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