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Harrison: Das ist schon ein Thema, das wir sehr ernst nehmen. Wir haben etwas über 5000 Mitarbeiter weltweit, knapp 2000 von ihnen arbeiten in der F&E, wobei ein Teil der F&E-Mitarbeiter in China, Indien und Israel sitzt. Aber wir sind sehr fortschrittlich, was den Schutz geistigen Eigentums angeht. Zum einen pflegen wir innerhalb der Firewall auf unserer Windchill-Plattform einen mehrstufigen Sicherheitsmechanismus, zum Beispiel durch die Zuweisung/Beschränkung von Nutzungsrechten.
Darüber hinaus haben wir in Pro Engineer Wildfire 4.0 ein spezielles Modul integriert, Pro Engineer RMX (Rights Management Extension) das das erste digitale Rechtemanagement für MCAD-Daten regelt. Dieses Modul schützt geistiges Eigentum außerhalb des sicheren PLM-Systems. Und was wir unseren Kunden zum Schutz vor Produktpiraterie bieten, nutzen wir natürlich auch in unserer eigenen Entwicklung.
Ist die Nachfrage nach diesen Schutzmodulen von westlichen Unternehmen, die in China produzieren lassen größer, als von solchen, die ihre Produktion in Europa oder Nordamerika haben?
Harrison: Das ist kein spezielles Problem in China. Die Auslagerung von Konstruktion und Fertigung nimmt allgemein zu, dadurch erhöht sich der Bedarf an zuverlässigem Schutz geistigen Eigentums. Denn wenn man Daten nach Außen gibt, egal ob nach Amerika, Asien oder sonst wohin, geht man immer ein Risiko ein, weil man nicht kontrollieren kann, was dort mit den Daten passiert. Dafür bieten wir dieses Schutzmodul an, aber wir stellen keine geographischen Unterschiede in der Nachfrage fest.
Wie funktioniert Pro Engineer RMX genau?
Harrison: PLM-Systeme schützen Daten innerhalb einer Datenbank, nach dem Herunterladen ist allerdings kein Datenschutz mehr vorhanden. Pro Engineer RMX schützt durch die Verwaltung von digitalen Rechten die Daten innerhalb der Datei, unabhängig davon, wo die Datei verwendet wird. Ermöglicht wird dies durch eine dynamische Zugangskontrolle. Durch die Vergabe von Zugriffsrechten, Legitimierungen und digitale Verschlüsselungen legt man fest, wer Zugriff auf eine Datei hat und was er damit machen kann – sowohl intern als auch extern. Außerdem kann festgelegt werden, wie lange die Regelung in Kraft ist. Wird eine Datei von einer unautorisierten Person verwendet oder sind die Nutzungsrechte abgelaufen wird die Datei automatisch gelöscht.
Wie werden sich Ihrer Meinung nach PLM-Lösungen in den nächsten Jahren entwickeln?
Harrison: In den nächsten Jahren wird es wesentlich umfassendere PLM-Systeme mit mehr Funktionalitäten geben. Wir sind dem Wettbewerb hier um Jahre voraus, da wir mit unserer Windchill-Technologie bereits heute eine integrale PLM-Plattform haben, die sowohl die Verwaltung der Produktinformationen als auch die globale Zusammenarbeit ermöglicht. Der Wettbewerb benötigt hierfür in der Regel mindestens zwei verschiedene Lösungen, so dass sich wieder das Problem der Schnittstellenkomplexität ergibt und nicht richtig klar ist, welche der Lösungen das führende System ist und wo die Daten liegen.
Das war mit ein Grund, warum die EADS letztes Jahr nach einem intensiven, zwölf-monatigen Benchmark beschlossen hat, Windchill als unternehmensweite Plattform einzuführen. Zudem beobachten wir immer mehr, dass wir von den Kunden als Entwicklungspartner wahrgenommen werden, weil wir unsere Technologie exakt an den Bedürfnissen der Fertigungsindustrie ausrichten. Ich denke, dass das auch ein anhaltender Trend sein wird.
Wir haben über die vergangenen zwanzig Jahre ein sehr tiefes Prozess-Know-how aufgebaut und können unsere Kunden hierbei exakt für ihre Branche einschlägig beraten. Darüber hinaus stellen wir eine zunehmende Konsolidierung des PLM-Marktes fest, also weniger Anbieter mit größerem Leistungsangebot. In gewisser Weise wiederholt sich eine Entwicklung, die der ERP-Markt Mitte der 80er Jahre vorgemacht hat, als aus hunderten von Einzelanwendungen sukzessive komplexe ERP-Lösungen entstanden.
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