E-Mobilität

Neuer Antrieb – neue Wege

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Mit der Automobilbranche in die Entwicklung gehen

Auch Grob zählt zu den Unternehmen, die sich bereits früh auf den Wandel eingestellt haben, und hat vor vier Jahren ein Forschungs- und Entwicklungsteam gegründet, das sich ausnahmslos mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt. Im Zuge dessen wurde am Standort Mindelheim ein hochmodernes Entwicklungs- und Anwenderzentrum für den Bereich Elektromobilität aufgebaut. Auf über 2500 m² werden dort – in enger Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie und deren Zulieferern – Prozesse und Verfahren in Maschinen und Anlagen für die Serienproduktion von Elektromotoren und kompakten Batteriemodulen und -zellen entwickelt oder erprobt. Um das technische Fachwissen entsprechend zu bündeln, konzentrieren sich die Grob-Werke in Mindelheim auf die Hairpin-Technologie und die Wellenwicklung mit Rechteckdraht, während sich das Tochterwerk Grob Italy auf die Verarbeitung des Runddrahtes mithilfe der Einzugs- und Nadelwickeltechnik fokussiert. Dazu investiert Grob insgesamt 10 Mio. Euro für ein neues Produktionswerk im italienischen Pianezza. Grob erwirtschaftet bereits heute ein Viertel seines Umsatzes im Bereich Elektromobilität und wurde im Juli erstmalig und als einziges Unternehmen mit dem VW Group Award als bester Lieferant im Bereich Elektromobilität ausgezeichnet.

Das Ziel zur Effizienzsteigerung der Verbrenner nicht aus den Augen verlieren

Die Liste an Beispielen, wie sich zerspanende Unternehmen erfolgreich auf die Elektromobilität eingestellt haben, lässt sich mühelos fortführen. Dabei verlieren Unternehmen nicht das Ziel zur Effizienzsteigerung der Verbrenner aus den Augen. „In der Automobilindustrie ist neben der Stückzahlentwicklung der Wandel zu hocheffizienten Motoren und Hybridkonzepten ein wesentlicher Aspekt“, sagt Lothar Horn, Geschäftsführer der Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn GmbH.

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Zur Effizienzsteigerung kommen oft Turbolader zum Einsatz, die zumeist aus sehr zähen und schwer zu zerspanenden Materialien bestehen. „Grundsätzlich macht es Sinn, zu prüfen, ob man durch kundenspezifische Sonderwerkzeuge Leistungssprünge im Herstellungsprozess erreicht“, ergänzt Horn. Bei der Herstellung von Elektromotoren kommen neue Möglichkeiten des Zerspanens zum Tragen, wie die des Wälzschälens. Für dieses Verfahren stellte Horn auf der EMO Hannover neue Werkzeuge vor, die nun mit Wechselschneidplatten ausgestattet sind und dadurch nun kleine, mittlere und große Module abdecken. Horn bietet zudem Werkzeuglösungen für die Bearbeitung bisheriger wie auch neuer beziehungsweise künftiger Komponenten und darüber hinaus die entsprechende Beratungskompetenz, um im Dialog die richtige Lösung zu finden. Dennoch findet Horn klare Worte zum Thema: „Dass sich etwas ändern muss, steht außer Frage. Allerdings ist Elektromobilität meiner Meinung nach nicht die Lösung. Fehler von der Industrie waren ganz klar die aufgedeckten Betrügereien, die absolut zu verurteilen sind. Auch gab es schlicht zu wenig brauchbare Alternativkonzepte. Viele Prototypen waren eher Prestigeobjekt anstelle von breit umsetzbarer Technologie. Aber die Politik sollte die Lösung nicht diktieren, sondern die Technologie entscheiden lassen.“

Unsicherheit über die Zukunft

Wenngleich sich das Gros der Unternehmen auf neue Themen wie die der Elektromobilität mal mehr, mal weniger intensiv eingestellt hat, bleibt bei vielen – vor allem kleineren Unternehmen – noch die Unsicherheit über die zukünftige Ausrichtung. „Die Zeiten sind so unsicher und Investitionen daher schwierig“, sagt Hermann Rumpel, Vorstand des Verbands der Deutschen Drehteile-Industrie. „Jeder will eine saubere Umwelt, jedoch muss man bei der Umsetzung realistisch bleiben.“ Ihm fehlt aktuell ein politisches und in sich schlüssiges Gesamtkonzept und ein Ziel, auf das langfristig und gemeinsam hingearbeitet wird. Vorausschauend könne man so nicht arbeiten, „da man noch gar nicht weiß, wie die Teile zukünftig aussehen werden“. Auch wenn davon ausgegangen werden kann, dass die Komponenten komplizierter und anspruchsvoller werden, so vertraut Rumpel auf das, wofür Deutschland steht: „Wir haben eine sehr gute Facharbeiterausbildung, wie kaum ein zweites Land auf der Welt, daher bin ich mir sicher, dass wir uns bei komplizierteren Teilen leichter tun werden als manch anderer, und darin sehe ich unsere Chance.“ Rumpel führt selbst ein Zerspanungsunternehmen mit 70 Mitarbeitern und macht bereits seit knapp einem Jahr Umsatz mit Gehäuseteilen für Brennstoffzellen. „Der Verbrennungsmotor ist noch lange nicht tot!“, sagt Rumpel und sieht ein ganz anderes Problem auf uns zukommen. Der Karlsruher Lehrstuhl für Verbrennungsmotoren bekommt kaum noch Studenten – in Zukunft werden Ingenieure für den Verbrenner einfach fehlen. Sein Fazit: „Die Verbrennertechnologie muss sich weiterentwickeln. Man darf die Forschung am Verbrenner auf gar keinen Fall einstellen! Die momentane Konzentration auf rein elektrische Antriebe ist ein Irrweg.“

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