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E-Mobilität

Neuer Antrieb – neue Wege

| Autor/ Redakteur: Victoria Sonnenberg / Mag. Victoria Sonnenberg

Während reumütige Automobilisten den Turbo Richtung E-Mobilität angeschmissen haben, tippt die Politik vom Beifahrersitz aus die vermeintlich schnellste Route ins Navi und lässt die deutsche Industrie ungefragt am Straßenrand zurück. Im Gegensatz zur deutschen Automobilbranche haben Zerspaner den Zukunftstrend nicht verschlafen.

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Das Bild zeigt eine beispielhafte Bearbeitung einer Innenverzahnung für Planetengetriebe, die auch bei Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen.
Das Bild zeigt eine beispielhafte Bearbeitung einer Innenverzahnung für Planetengetriebe, die auch bei Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen.
(Bild: Horn/Sauermann)

Die Konjunktur schwächelt. Irgendwo kriselt es immer. Jedoch treffen derzeit Handelskonflikte, Protektionismus und insbesondere die hausgemachte politische Krise rund um den Verbrennungsmotor geballt die Industrie.

Schummeleien in der Dieselkrise mündeten letztendlich im Unvermeidlichen: vorauseilendem Gehorsam bei den Schummlern und kompromissloser Reglementierung seitens der Politik. „Der Diesel muss weg“, skandiert es in vielen Köpfen. Dass der Diesel trotzdem nicht ausstirbt, darin ist man sich in der Zerspanungsbranche dennoch einig, aber auch darin, dass sich etwas ändern muss und auch ändern wird.

BEV-Anteil bleibt unter 20 %

Analysten gehen davon aus, dass der BEV-Anteil (Battery Electric Vehicle) in den kommenden 15 Jahren nicht mehr als 20 % betragen wird, dennoch wird dieser Anteil die Branche massiv verändern, denn von knapp 1500 Metallkomponenten bleiben im Elektromotor nicht mehr als 200 übrig. Hört sich auf den ersten Blick bedrohlich wenig an – auch auf den zweiten, bedenkt man, dass die Automobilindustrie zu den stärksten Kunden der Zerspanungsunternehmen zählt. Das Stimmungsbarometer der Branche steht allerdings auf Zuversicht, die vielleicht darin begründet sein mag, dass man die Zukunft nicht im reinen Elektromotor, sondern im Hybrid vermutet, der den konventionellen mit dem elektrischen Antrieb vereint.

Vielleicht aber auch darin, dass Werkzeugmaschinen- und Werkzeughersteller nicht nur abwarten und beobachten, sondern auch ihre Hausaufgaben gemacht haben. „Da es heute unmöglich ist, den Entwicklungstrend der Elektromobilität genau vorherzusagen, ist es aus unserer Sicht ratsam, sich einen gewissen Grad an Flexibilität offenzuhalten und die Entwicklung des Marktes genau zu beobachten“, sagt Dr. Dennis Korff, Head of R&D Europe Development bei Hyundai WIA. Deshalb behält man den hohen Stellenwert der klassischen Verbrennertechnologie bei und treibt parallel die Entwicklung neuer Komponenten für die Elektromobilität voran. Auf übertriebenen Aktionismus verzichtet auch Werkzeughersteller Mapal, der sich als Unternehmen so aufgestellt hat, dass für alle am E-Antrieb zerspanten Bauteile umfassende Lösungen angeboten werden, ohne dabei den konventionellen Antrieb außer Acht zu lassen.

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„Für alle Bauteile, die noch zerspant werden, ist allerdings höchste Genauigkeit gefragt. Darauf haben wir uns vorbereitet und bieten entsprechende Werkzeug- und Prozesslösungen, beispielsweise zur Bearbeitung von Statorgehäuse, Batteriewanne oder elektrischen Nebenaggregaten“, so Dr. Jochen Kress, geschäftsführender Gesellschafter der Mapal Dr. Kress KG. Der Partner vieler Automobilhersteller, OEM und Maschinenhersteller konnte jahrzehntelang in der Automobilbranche Erfahrungen bei elektrisch angetriebene Fahrzeugen sammeln und auf entsprechende Werkzeugkonzepte und Bearbeitungsprozesse übertragen.

China ist dort, wo die Elektromobilität passiert

Der Werkzeugmaschinenhersteller Chiron wiederum entschied, sich direkt dort vor Ort zu sein, wo die Elektromobilität passiert – in China. Auf chinesischem Boden rollt etwa die Hälfte aller Elektroautos weltweit. „Speziell China treibt die Elektrifizierung des Straßenverkehrs massiv voran, sodass wir der Ansicht sind, dass speziell dieser Markt in Zukunft noch viel wichtiger sein wird, als es bisher der Fall war“, erklärt Stefan Birzle, Leiter Global Account Management Automotive bei Chiron, den Schritt, ein neues Werk im chinesischen Taicang zu eröffnen. Neben vollelektrischen Antrieben sind auch Hybridantriebe weiter auf dem Vormarsch. Hier werden Verbrennungsmotoren mit elektrischen Antriebseinheiten kombiniert oder so weit elektrifiziert, dass Nebenaggregate bedarfsgerecht und unabhängig vom Motor betrieben werden können. Auf der doppelspindligen DZ 08 Precision+ von Chiron wird beispielsweise der Scroll, eine Hauptkomponente des elektrischen Kältemittelverdichters, gefertigt.

„Bei diesem hochpräzisen Bauteil kommt unser Maschinenkonzept mit vertikal angeordneten Motorspindeln und Linearantrieben zugute, da nur so die geforderten Genauigkeiten im einstelligen Mikrometerbereich prozesssicher gefertigt werden können“, ergänzt Birzle. Bei der Fertigung von Fahrwerks- und Strukturbauteilen konnte sich die Unternehmensgruppe bereits entsprechend etablieren. Auf den Langbettmaschinen der Mill-Baureihe lassen sich vom Federbeindom bis hin zum Batteriekasten eines vollelektrischen Fahrzeugs sämtliche aktuelle Strukturbauteile wirtschaftlich fertigen. Auf der EMO Hannover zeigt Chiron unter anderem mit der DZ 25 P five axis eine Weltneuheit. Die doppelspindlige Maschine wurde speziell für die produktive Bearbeitung großer Teile in der Automobil- und Luftfahrtindustrie konzipiert. „Mit einem Spindelabstand von 800 mm begeben wir uns in eine neue Dimension der 5-Achs-Simultanbearbeitung von Fahrwerks- und Strukturbauteilen aus Aluminium“, führt Birzle weiter aus.

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