Normung

Normen in der Fluidtechnik

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China mit einer eigenen „Normenwelt“

Trotz der weltweit etablierten Normen gibt es Länder, die individuelle technische Produktanforderungen stellen. So hat China seine eigene „Normenwelt“ aufgebaut. Welche Lizenzierungen und Zertifikate erforderlich sind, um auf dem chinesischen Markt Fuß fassen zu können, schilderte Thomas Noll vom VDMA-Bereich Technik, Umwelt und Nachhaltigkeit. Er beklagte die Probleme für den deutschen Export: „Als Ausländer ist es nach wie vor sehr schwierig, an die entsprechenden Vorschriften zu kommen.“ Deshalb habe der VDMA für China ein Informationsangebot zu den technischen Regelwerken ausgearbeitet. Zu beachten seien verschiedene technische Bereiche wie Maschinensicherheit und Umweltbeeinflussung. Der VDMA-Leitfaden enthält Kurzbeschreibungen der jeweiligen Regelwerke und listet die zuständigen Ansprechpartner auf. Relevante Links oder die Dokumente selbst findet man im Anhang. Während die Gesetzestexte relativ leicht zugänglich seien, gestalte sich das Auffinden spezieller Normen deutlich schwieriger. Den international gültigen ISO-Normen stehe auch hinsichtlich der Fluidtechnik eine ganze Reihe spezifisch chinesischer Normen gegenüber, deren Gültigkeit auch außerhalb Chinas durchgesetzt werden solle.

Facts zum chinesischen Normungssystem Chinesische Normenstruktur:
  • A-Normen: Basisnormen, zum Beispiel ISO 12100 beziehungsweise GB/T 15706
  • B-Normen: Produktgruppe, zum Beispiel ISO 14120 beziehungsweise GB/T 8196
  • C-Normen: Produkt, zum Beispiel EN 1870 beziehungsweise GB 12557
  • Fünf Ebenen: National, Industrial, Regional, Association, Enterprise
  • Unterscheidung in verbindliche (meist sicherheitsrelevante) und freiwillige Normen
  • Rechtliche Grundlage: Chinesisches Normungsgesetz („Standardization Law of People’s Republic of China“)

Fünf Ebenen der Normen in China:
  • Nationale Normen (GB = Guo Biao): Technische Spezifikationen für alle Branchen und Regionen. Vorbild sind meist internationale oder ausländische nationale Normen. Es wird unterschieden in verbindliche Normen (GB), freiwillige Normen (GB/T) und nationale technische Anweisungen (GB/Z).
  • Industrie- oder Branchennormen: Landesweit gültige technische Spezifikationen einer Branche. Sie können verbindlich (JB) oder freiwillig (JB/T) sein und basieren selten auf internationalen Referenznormen.
  • Regionale und lokale Normen (DB = Di fang Biao + Region ##): Regional gültige, 100 % chinesische Anforderungen, die verbindlich (DB ##) oder freiwillig (DB ##/T) sein können.
  • Organisations- oder Verbandsnormen (Association standards)
  • Unternehmens-/Werksnormen (Enterprise standards)

Nur wenige gesetzliche Grundlagen in Nordamerika

Auch für den nordamerikanischen Markt ist eine spezielle Auslegung von Maschinen und Anlagen erforderlich, wobei regional gültige Standards und Zertifizierungen zu beachten sind. Die größten Unterschiede der europäischen Normen zu den in den USA und Kanada herrschenden Regeln sind laut Dirk Meyer vom Energiemanagement-Unternehmen Eaton Industries im Bereich der Elektrotechnik zu finden. „Wenn man sich die anderen Teile – Hydraulik, Pneumatik und mechanische Normen – anschaut, so stößt man auch auf sehr große Unterschiede, aber die sind nicht so gravierend in der Anwendung, weil es nur wenige gesetzliche Grundlagen gibt“, erklärte er. Besonders große Normendifferenzen würden bei Ausrüstungen existieren, die in das Gebiet des Brandschutzes fallen.

Was man in Nordamerika zusätzlich noch beachten müsse, seien die Marktgewohnheiten. Das fange schon bei den metrischen Einheiten an: Wenn ein Amerikaner in einer technischen Zeichnung eine Zahl sehe, so gehe er davon aus, dass dies eine Maßangabe in Zoll sei. Da könne es zu großen Missverständnissen mit europäischen Maschinenlieferanten kommen. Gerade bei der Hydraulik bestehe daher die Notwendigkeit, die Einheiten unverwechselbar zu definieren.

* Ulrich W. Schamari ist freier Journalist.

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