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Stammdaten-Management

Ohne Stammdaten kein vernetztes Business

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KMU beschäftigen sich mit dem Management der Stammdaten

Orientierung gibt auch ein Whitepaper zum Stammdatenmanagement (SDM), das der VDMA im Februar veröffentlicht hat. Es informiert über Datenquellen und Tools und listet wesentliche Parameter für die Bereiche Artikel und Logistik auf. „Das Papier wurde innerhalb von wenigen Tagen 100fach heruntergeladen,“ sagt Schnittler. Für ihn ein Indiz, dass immer mehr KMU der Branche wissen, dass sie dem ungeliebten Thema nicht länger aus dem Weg gehen können.

SDM muss keine teure und hochkomplizierte Angelegenheit sein. „Viele Systeme, die von Dienstleistern angeboten werden, sind für kleine und mittlere Betriebe zu überladen und zu komplex“, konstatiert Wolfgang Grzywa, Maschinenbauingenieur und Datenverantwortlicher beim Glasschmelzanlagenbauer Sorg im unterfränkischen Lohr. „Wir verwenden daher nur die Datenebenen, die wir wirklich brauchen und orientieren das System eng am Mitarbeiter.“

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Ähnlich agiert auch Dr.-Ing. Marcel Scheibmayer, der sich im 25-Mann-Betrieb Scheibinox in Kamp-Lintfort seit rund zwei Jahren um die Datenqualität kümmert. Der Informatiker überführte die vorhandenen Excel-Dateien in eine strukturierte Datenbank mit automatischer Plausibilitätskontrolle.

Das hat die Produktion rostfreier Edelstahlbewehrungen verbessert. „Seither passieren so gut wie keine Fehler mehr,“ sagt Scheibmayer. Sein Rat an andere kleine Betriebe: Wer nicht viel Mittel und Kapazitäten frei hat, dem helfen oft ganz einfache Maßnahmen: „Das Vier-Augen-Prinzip, vorgegebene einheitliche Formulare und regelmäßige Kontrolle der verwendeten Informationen können schon viel bewirken.“

Stammdaten beim Werkzeugmaschinenbauer

Unbestritten gilt: Beim SDM geht es nicht nur um Datenkonsistenz und Speicherhierarchie, sondern vor allem auch um die richtige operative Verankerung im Unternehmen. „Stammdaten sind kein Thema, das sich an den Informatiker im Betrieb abschieben lässt,“ bestätigt Silke Bartsch, Leiterin Administration beim Werkzeugmaschinenbauer Hegenscheidt MFD in Erkelenz. Die Industriekauffrau beschäftigt sich bereits seit zehn Jahren mit den Produktstammdaten im Betrieb. Früher konnte jeder bei Hegenscheid ohne Prüfung Daten anlegen und verändern. Die Folge waren Dubletten en masse, langwierige und oft erfolglose Recherchen und viele individuelle Infopools.

Heute ist das ganz anders. Die Produktstammdaten hat Bartsch mitterweile für 50 Prozent der rund 180.000 Artikel von Hegenscheidt harmonisiert und bereinigt. „Dabei konnte ich etwa die Hälfte der alten Daten schlichtweg aussortieren.“ Außerdem gibt es jetzt eine zentrale Terminologie und einheitliche Eingabemasken. Neue Eingaben werden zentral geprüft, die Übergabe von Daten an das ERP erfolgt automatisch. Entscheidend über all die Jahre war, dass Geschäftsführung und mittleres Management genauso mitziehen wie der operative Bereich. Bartsch: „Da kann es schon mal mehr Mühe bereiten, Kollegen vom neuen System zu überzeugen als alle technischen Neuerungen.“

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