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Anhand der Traglastkurven lassen sich Rückschlüsse auf das Einsatzverhalten der Werkzeuge im Schmiedeprozess ziehen. Durch die Kenngröße Spk kann der Anteil hervorstehender Spitzen quantifiziert werden. Bei einem hohen Spk-Wert sind viele Spitzen vorhanden, die vor allem während der ersten Schmiedezyklen das Einsatzverhalten beeinflussen können.
Kernrauheit bestimmt Zustand nach Überwinden des Einlaufverhaltens
Die Spitzen der Topografie des gehärteten Werkzeugmaterials dringen während der Umformung in das vergleichsweise weiche Material des Bauteils ein. Dadurch einsetzende Mikrozerspanungen führen dann zu einer Oberflächenzerstörung des Bauteils und verstärken zudem die Reibung zwischen den Kontaktpartnern.
Nach einer bestimmten Zeit sind die Spitzen eingeebnet und das Einlaufverhalten ist überwunden. Es stellt sich ein vorerst stationärer Zustand ein. Die Dauer dieses Zustandes wird maßgeblich durch die Kernrauheit, welche mit der Kenngröße Sk quantifiziert wird, bestimmt.
Kernrauheit korreliert mit Belastbarkeit der Oberfläche
Eine große Steigung der Abbott-Kurve im Kernbereich führt zu einem hohen Sk-Wert und ein flacher Verlauf der Kurve zu einem niedrigen Sk-Wert. Die Kernrauheit kann mit der Belastbarkeit einer Oberfläche korreliert werden.
Niedrige Werte führen zu einer höheren Belastbarkeit, da mehr Material auf einer Ebene vorhanden ist und dadurch die lokale Flächenpressung einzelner Bereiche im Kontakt mit dem Werkstück reduziert wird. Es kann somit von einer höheren Maßhaltigkeit und damit von einer höheren Standmenge bei Werkzeugen mit einem niedrigen Sk-Wert der Oberfläche ausgegangen werden.
Eignung von Oberflächen zur Speicherung von Schmiermitteln
Unterhalb des Kernbereichs befindet sich der Bereich der reduzierten Riefen (Svk-Wert). Mit Hilfe des Svk-Wertes lässt sich zum Beispiel die Eignung einer Oberfläche zur Speicherung von Schmiermittel bewerten. Mit steigenden Svk-Werten kann mehr Schmiermittel auf der Oberfläche gespeichert werden.
Bei den gedrehten Proben kann aufgrund der niedrigen Spk- und Sk-Werte von einem sehr kurzen Einlaufverhalten mit niedrigen Reibwerten ausgegangen werden. Es sind mit einem Spk-Wert von 0,895 µm nahezu keine Spitzen vorhanden. Abrasive Effekte vom Werkzeug auf das Werkstück treten nicht auf.
Erodierte Massivumformwerkzeuge könnten geringere Maßhaltigkeit haben
Mit dem im Vergleich zu den erodierten Proben niedrigen Svk-Wert kann von vergleichsweise ungünstigen Schmiereigenschaften ausgegangen werden. Inwieweit sich diese Eigenschaft bei Prozessen mit einer kontinuierlichen Schmierung nach jedem Schmiedezyklus negativ auswirkt, wird in Serienschmiedeversuchen untersucht. Bei den erodierten Werkzeugen sind höhere Spk-, Sk- und Svk-Anteile zu erkennen, die mit steigender Stromstärke deutlich zunehmen. Es ist somit von einem schlechteren Einlaufverhalten und geringerer Maßhaltigkeit über den gesamten Prozess auszugehen.
Der höhere Wert an tiefen Riefen lässt günstige Schmierungseigenschaften der erodierten Oberflächen vermuten. Die geringe Maßhaltigkeit resultiert aus dem zu vermutenden stärkeren Verschleiß aufgrund höherer lokaler Belastung bei einem hohen Sk-Wert.
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