Digitale Fabrik/PLM Produktentwicklung von der Wiege bis zur Bahre

Redakteur: Dietmar Kuhn

Bei der Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb neuer Produkte macht das Schlagwort PLM (Product Lifecycle Management oder gut deutsch Produkt Lebenszyklus Management) die Runde. Ziel der...

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Bei der Entwicklung, Herstellung un dem Vertrieb neuer Produkte macht das Schlagwort PLM (Product Lifecycle Management oder gut deutsch Produkt Lebenszyklus Management) die Runde. Ziel der PLM-Anbieter ist die mittelständische Fertigungsindustrie. Dort kennt man zwar den Begriff PLM, doch was sich dahinter verbirgt ist oft nicht so ganz klar. Dies geht als Ergebnis aus einer entsprechenden Studie hervor.Wenn Klaus Erdrich, Vorstandsmitglied der BCT Technology AG in Willstätt, über PLM spricht, dann macht er immer deutlich, dass von diesem Managementinstrument die Zukunft vieler, gerade mittelständischer Fertigungsunternehmen abhängt. „Aber vor allem in der mittelständischen Industrie wird der Begriff PLM noch ganz selten benutzt und wir haben als Beratungsunternehmen dafür eine Menge Aufklärungsarbeit zu leisten“, meint Erdrich.

PLM wird vielerorts mit dem Begriff CAD/CAM gleichgesetzt. Dabei ist PLM mehr als nur Engineering und beinhaltet nach Meinung der Fachleute den gesamten Produktlebenszyklus – von der ersten Idee bis hin zum Recycling. Betrachtet man die internen Prozesse wie sie sich bei der Fertigung beliebiger Produkte darstellen, dann stellt man fest, dass sie der ständigen Anpassung an neue Anforderungen des Marktes unterliegen. Somit ist es eine enorme Herausforderung für die Verantwortlichen in Management und Technik, permanent die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen zu müssen.

In diese Überlegungen spielt das optimieren und globalisieren der Fertigungsprozesse hinein. An dieser Stelle kommen PLM-Konzepte ins Spiel die versuchen, alle notwendigen Aspekte einer verteilten Fertigungsstrategie auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.Dabei wird deutlich, dass PLM kein Produkt im Sinne von Software oder Hardware ist, sondern eine konzeptionelle Lösung oder eine Strategie, die den Produkt Lebenszyklus digital begleitet und – richtig angewandt – die Unternehmen in ihren Wettbewerbsbemühungen unterstützen soll.

Nun hat Ulrich Sendler, der sich als Berater, Journalist und Gründer des „Sendler Circle“ intensiv mit der Thematik des PLM auseinandersetzt, im Frühjahr 2003 zusammen mit der TechConsult GmbH in Kassel eine umfangreiche Marktstudie durchgeführt. Die Studie belegt - was auch Erdrich von BCT konstatiert - dass sich ein Großteil der Fertigungsindustrie unter dem Oberbegriff PLM in den nächsten Jahren auf die Integration der Prozesse und Lösungen rund um die Produktentwicklung und Produktion konzentrieren muss und dies auch tun wird.

Kostensenkung und eine reibungslose Zusammenarbeit mit externen Partnern scheinen dabei die größten Motivatoren für die Einführung von PLM zu sein.Zum Verständnis von PLM besagt die Sendler-Studie, dass bereits 32% der Befragten den Begriff PLM schon kennen. Überdurchschnittlich hoch ist die Bekanntheit in den Branchen des Maschinen- und Anlagenbau (44%), bei den Herstellern von elektronischen, feinmechanischen und optischen Produkten (39%) sowie im Fahrzeugbau (39%).Tendenziell, so die Studie, steigt die Bekanntheit von PLM mit der Unternehmensgröße. Besonders hoch sei die Bekanntheit von PLM in Betrieben mit 200 bis 500 Mitarbeitern.Wie wenig die Unternehmen jedoch mit PLM anfangen können, geht daraus hervor, dass gut jedes dritte untersuchte Unternehmen (36%) immer nur Teile der genannten Funktionen im Sinne einer PLM-Lösung integriert hat.

Eine vollständige Integration haben nach eigenen Angaben nur 6% vollzogen. Eine Vorreiterrolle übernehmen auch hier der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Fahrzeugindustrie. Unternehmen, die PLM planen oder bereits im Einsatz haben, verstehen darunter ein das gesamte Unternehmen einbeziehendes Konzept. Dabei wird fast allen vorgegebenen Unternehmensbereichen wie Produktentwicklung, Konstruktion, Einkauf, Warenwirtschaft, Logistik, Produktion, Marketing, Vertrieb und Kundendienst im Zusammenhang mit PLM eine hohe Bedeutung beigemessen.Neben vielen anderen Antworten auf die Implementierung und den Nutzen von PLM, gibt die Sendler-Studie auch einen Ausblick auf die Zukunft und die Marktentwicklung. Demnach wird für den PLM-Markt in Deutschland innerhalb der nächsten zwei Jahre ein durchschnittliches Wachstum von 16% prognostiziert. Zwei Drittel der befragten Unternehmen wollen über das Jahr 2004 hinaus zunehmend in PLM-Lösungen investieren.

Besonders hoch soll dabei die Investitionsbereitschaft bei den Herstellern von Möbeln, Schmuck, Musikinstrumenten, Sportgeräten und Spielwaren sowie in der elektronischen und optischen Industrie sein. Vor allem sind es auch Unternehmen mit 500 bis 999 Mitarbeitern die besonders häufig steigende PLM-Ausgaben planen.Diese - doch recht - positiven Aussichten erfreuen natürlich die PLM-Anbieter. Allen voran sind es die Großen wie Autodesk und IBM.

So ist gerade Autodesk in einer Phase in der PLM neu definiert wird. Unter Berücksichtigung der oft schmalen Budgets von kleinen und mittleren Unternehmen will Autodesk Lösungen anbieten, die einfach zu implementieren sind und einen schnellen Nutzen bringen. PLM wird dabei mit aufgabenbezogenen Lösungen und vordefinierten Tools angeboten, um die Produktinformationen vom Konzept bis hin zur Entsorgung zu transportieren. Wie von Autodesk zu hören ist, erfüllen bereits Standardlösungen etwa 80% der Aufgaben. Für tiefergehende Ansprüche besteht eine Offenheit um die fehlenden 20% auch danach noch problemlos ergänzen zu können. Damit werden auch Schnittstellen bereitgestellt um bestehende PDM (Produkt Daten Management) - oder ERP (Enterprise Ressource Planning) - Systeme integrieren zu können. Auch IBM setzt auf die Zukunft des PLM.

Dies bewiesen die Soft- und Hadwarespezialisten IBM und Dassault Systèmes mit der Initiierung eines Trainingsprogramms für Studenten. So können sich an der schwedischen Hochschule Linköpping Institut of Technology die Studenten der modernsten Lehrmittel erfreuen, die sie bereits sehr früh mit PLM vertraut machen. „Inzwischen haben wir zusammen mit Dassault Systèmes mehr als 100 Millionen Euro in das weltweite Heat-Programm (Higher Education and Training) investiert, das sind gut 40 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant“, sagt Harald Robok, Leiter IBM PLM, Central Region. „Mit diesem Beitrag wollen wir Ingenieure besser auf ihr künftiges Berufsleben vorbereiten und mit jenem PLM-Wissen ausstatten, das von ihnen in allen Industriezweigen mit moderner digitaler Produktentwicklung erwartet wird“, so Robok weiter.

Doch nicht zuletzt sind es auch die Berater wie Klaus Erdrich von BCT, die den mittelständischen Fertigungsunternehmen wertvolle Hilfe leisten können. Dort kann man die Beratung paketweise und zudem noch herstellerneutral einkaufen. In ähnlicher Mission betreibt auch das amerikanische Unternehmen Eigner mit europäischem Hauptsitz in Karlsruhe seine Beratung. Als internationaler Anbieter spricht Eigner vom so genannten Product Record und meint mit PLM die Gesamtheit der produktbezogenen Informationen und Prozesse eines Unternehmens die genutzt werden müssen.

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