Vernetzte Maschinen

Produktivitätssteigerung durch digitale Vernetzung

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Umsetzung?

Rein technisch betrachtet geht schon viel – schnellere Datennetze wären hier oft hilfreich. Im Wesentlichen sehe ich aber zwei Herausforderungen, die für die Akzeptanz dieses großen Vorhabens entscheidend sind. Zum einen gibt es gesellschaftliche Vorbehalte gegen automatisierte Prozesse, egal ob hardware- oder softwareseitig. Stets ist damit die Furcht vor Arbeitsplatzvernichtung verbunden. Dem halten wir unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit entgegen: Durch Lean Management haben wir bei Trumpf die Produktivität extrem gesteigert und über zehn Jahre trotzdem mehr als eintausend zusätzliche Mitarbeiter in der Produktion eingestellt.

Zum anderen haben viele Kunden noch immer Vorbehalte bei der Nutzung von Cloud-Angeboten. Für die meisten sind Onlinebanking oder Web-Alben zwar eine Selbstverständlichkeit – aber für die Daten der Maschinen werden andere Maßstäbe angelegt. Deshalb ist es uns so wichtig, das Sicherste vom Sicheren zu bieten. Unsere Tochtergesellschaft Axoom ist Daten-Hoster und -auswerter für viele unserer eigenen Applikationen und zahlreiche Anwendungsfelder unserer Kunden. Dabei kommt mit dem Axoom Factory Gate ein neuartiges Kommunikationsmodul zum Einsatz, das als derzeit sicherster Übertragungsweg für Daten aus der Produktion gilt. Es ist in der Lage, die Sensor- und Maschinendaten aller angebundenen Geräte zu sammeln und mehrfach verschlüsselt zur Visualisierung an die Axoom-Plattform zu senden.

Welche Standards sind in der vernetzten Produktion wichtig?

Zu den wichtigsten Standards zählen sicherlich die Datensicherheit sowie Kommunikations- und Schnittstellenstandards. Die digitale Vernetzung unternehmensübergreifender Wertschöpfungsprozesse kann nur funktionieren, wenn die Hersteller der verschiedenen Komponenten sich auf gemeinsame Schnittstellen und Mechanismen der Zusammenarbeit einigen. In diesem Standardisierungsprozess befinden wir uns gerade, dafür werden Referenzarchitekturen definiert. Trumpf arbeitet seit Beginn der ersten Industrie-4.0-Initiativen intensiv an der Entwicklung und Ausformulierung dieser Anforderungen mit. Sehr engagiert sind wir beispielsweise in der Plattform Industrie 4.0.

Wo sehen Sie den Nutzwert einer konsequent vernetzten Produktion?

Aus vielen Gesprächen und Untersuchungen sowie aus eigener Erfahrung kennen wir die zentralen Herausforderungen für heutige fertigende Betriebe: Es werden Aufträge mit immer geringeren Stückzahlen platziert, oft geht es sogar um individualisierte Einzelprodukte. Das bedeutet: Es müssen viele kleine statt wenige große Aufträge geplant werden. Und das wiederum bedeutet: Die Planungs-, Bestell- und Lieferzeiten müssen kürzer werden, damit sich die Arbeit noch lohnt. Im Moment ist es so, dass wertschöpfende Tätigkeiten den kleinsten Anteil am Produktionsprozess darstellen. Auf eine Stunde Bearbeitungszeit kommen rund vier Stunden indirekte Tätigkeiten. Gleichzeitig fehlt sehr vielen Betrieben Transparenz bei der Fertigungsplanung und Intralogistik – und genau hier liegen die Stärken der digitalen Vernetzung. Sie zielt voll auf die indirekten Prozesse, in denen 80 % des Optimierungspotenzials in der Fertigung schlummern.

(ID:44077570)