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Aktion Plagiarius

Produktpiraterie: Originalhersteller bei Schäden in der Beweislast

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Wie reagieren die für den Preis nominierten Fälscher?

Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich. Manche melden sich gar nicht, was auch eine Form der Antwort ist. Wiederum andere bestreiten vehement das Plagiat. In ungefähr 10 % der Fälle können wir jedoch zu einer Einigung beitragen. Hier geben die Nachahmer dann aus Angst vor einer öffentlichen Blamage klein bei und nehmen etwa Restbestände vom Markt oder sind bereit, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Teilweise nennen sie uns außerdem ihre Lieferanten, an die man sonst nicht so leicht herankommen würde.

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Nehmen die Unternehmen den Produktschutz ernst oder besteht noch Nachholbedarf?

Es hat sich in den vergangenen Jahren schon sehr viel getan. Das Bewusstsein bei kleinen und mittelständischen Unternehmen etwa nimmt zu. Aber es ist noch Luft nach oben. Gerade hier hört man häufig noch: „Das kostet alles viel Geld und bringt nichts.“ Was aber immer relativ zu sehen ist. Natürlich entstehen Kosten für die Prävention und Abwehr von Plagiaten, aber ohne diese Maßnahmen hat man oft keine Chance, die Nachahmer zur Rechenschaft zu ziehen. Und die finanziellen Schäden durch nicht realisierte Umsätze und ungerechtfertigte Reputationsschäden sind enorm und teils sogar existenzbedrohend. Das sollte nicht unterschätzt werden.

Machen die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung im Zuge der Industrie 4.0 den Fälschern den Weg zum Diebstahl leichter?

Mit Sicherheit. Das hängt natürlich individuell davon ab, wie viele (IT-)Schutzmaßnahmen die Unternehmen ergreifen. Geht eine Firma eher sorglos mit dem Thema um, macht sie es den Fälschern leicht, sensible Daten und Know-how auf digitalem Weg abzugreifen. Gleichzeitig bieten Digitalisierung und das Internet den Fälschern enorme Möglichkeiten, ihre Produkte in hohen Stückzahlen weltweit zu vertreiben. Ein leichtes und lohnendes Geschäft für die Fälscher.

Leider haben nicht nur die Betrugsmöglichkeiten zugenommen, sondern auch die Verfolgung wird schwieriger, insbesondere im Internet. Das zeigt auch unser aktueller, erster Preisträger 2017 eindrücklich: Der Award ging an Fälschungen einer Roll-Hundeleine von Flexi. Produkt, Verpackung und Markenname wurden bis ins letzte Detail, 1:1, übernommen. Die Qualität ist aber katastrophal, der Aufrollmechanismus funktioniert nicht. Vertrieben werden die Fälschungen insbesondere über Amazon USA. Die Anbieter verstecken sich hinter Scheinidentitäten und wechseln teils täglich ihre sogenannten Drittanbieter-Accounts, so dass die Täter nur schwer zu ermitteln sind. Kundenbeschwerden in den USA häufen sich, Flexi sind also bereits jetzt nachweislich Reputationsschäden entstanden.

Was sagen Sie einem Unternehmen, das keine Schutzmaßnahmen ergreift?

Wenn ich als Unternehmen erfolgreiche, innovative Produkte fertige und keine gewerblichen Schutzrechte anmelde, dann unterliege ich im Prinzip der Nachahmungsfreiheit und muss Plagiate akzeptieren. Unsere dringende Empfehlung ist daher, gewerbliche Schutzrechte anzumelden, damit man zum Beispiel Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz hat. Neben einer eingetragenen Marke gehören auch Design- und Patentschutz dazu – und die Anmeldung sollte in allen relevanten Produktions- und Absatzländern erfolgen.

Wer eingetragene Schutzrechte hat, kann auch beim Zoll einen Antrag auf Grenzbeschlagnahme stellen und somit rechtswidrige Produkte – Plagiate ebenso wie Fälschungen – direkt aus dem Verkehr ziehen lassen. Beim Plagiat kopiert der Nachahmer das Design und/oder die Technik eines Produktes und verkauft dies dann unter seinem eigenen Namen. Bei der Fälschung übernimmt der Nachahmer zusätzlich den renommierten Markennamen des Originalherstellers, er beutet dessen guten Ruf aus und täuscht die Käufer.

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