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Aktion Plagiarius

Produktpiraterie: Originalhersteller bei Schäden in der Beweislast

| Redakteur: Rebecca Vogt

Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius e.V.
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Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius e.V. (Bild: Lacroix)

Jährlich wird der Negativpreis „Plagiarius“ an Hersteller und Händler von Piraterieprodukten vergeben. Im Interview spricht Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius über dreiste Fälschungen, Reaktionen der für den Preis nominierten Fälscher, mögliche Schutzkonzepte und kostengünstige Maßnahmen.

Was war die dreisteste Fälschung, auf die Sie bisher gestoßen sind?

Wir haben sehr viele dreiste Fälle. Was ich persönlich aber besonders schlimm finde: Wenn nicht nur ein finanzieller Schaden für den Originalhersteller entsteht, sondern auch die Verbraucher geschädigt werden. Wir sind zum Beispiel schon auf gefälschte Autofelgen oder Notfallbeatmungsgeräte gestoßen, die funktionsuntüchtig waren. Wenn Billigkopien gesundheitsschädigend oder gar lebensbedrohlich sind, dann ist das extrem skrupellos. Das Perfide ist, dass viele Fälschungen auf den ersten Blick gut aussehen und die mangelhafte Funktionalität und Sicherheit erst beim Anwenden sichtbar wird.

Sind alle Nachahmungen „Made in China“?

Die jährlichen Statistiken des Zolls zeigen zwar, dass viele Fälschungen nach wie vor aus China kommen, aber auch in Deutschland und Europa gibt es zahlreiche Firmen, die Plagiate entweder selbst herstellen, in Auftrag geben oder aber zum Beispiel in Südostasien oder Osteuropa einkaufen, um diese dann gewinnbringend weiter zu verkaufen.

Auch bei unseren Plagiarius-Preisverleihungen stehen oft deutsche und europäische Firmen am Pranger. Mitgliederbefragungen beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bestätigen ebenfalls, dass knapp ein Viertel aller Plagiate aus Deutschland kommt. Mit Pauschalverurteilungen, dass die Chinesen alles plump abkupfern, sollten wir vorsichtig sein, auch hierzulande gibt es ideenarme, skrupellose Mitbewerber.

Wie oft kommt es vor, dass Fälscher die Identität eines Unternehmens vollständig kopieren?

Genaue Zahlen dazu gibt es nicht. Zu den Extremfällen gehören mit Sicherheit die komplett nachgemachten Apple-Stores und dm-Drogeriemärkte, die in China entdeckt wurden. Die Fake-Stores sehen inklusive Logo und Einrichtungskonzept 1:1 aus wie die Originalläden – verkauft werden ausschließlich Fälschungen. Grundsätzlich ist es so, dass die Fälscher es sich gerne leicht machen. Sie kupfern plump alles ab, was bereits in guter Qualität vorhanden ist: erfolgreiche Produkte, teils ganze Produktfamilien, Fotos, Werbebroschüren, Websites, etc.

Wird von den Nachahmern auch der renommierte Markenname des Originalherstellers gefälscht, dann ist der Identitätsklau perfekt. Das Nachsehen haben die Markenhersteller und die getäuschten Verbraucher. Die Täterstruktur der Nachahmer reicht dabei vom einfallslosen Mitbewerber, über Kleinkriminelle bis hin zur organisierten Kriminalität und jüngst nachweislich auch hin zu Terrorgruppierungen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit der Vergabe des Plagiarius Awards?

Unser Hauptziel ist, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Das fängt an bei den betroffenen Unternehmen, die wir unter anderem von der Wirksamkeit gewerblicher Schutzrechte überzeugen möchten. Gleichzeitig möchten wir die Täter abschrecken und zu mehr Fair Play aufrufen. Und natürlich wollen wir die Verbraucher erreichen. Die dürfen sich nicht blauäugig der Illusion hingeben, dass gleiches Aussehen automatisch auch die gleiche Qualität, Funktionalität, Präzision und Sicherheit bedeutet. Denn Original und Plagiat sind nur auf den ersten Blick täuschend ähnlich. Nicht zuletzt wollen wir Politik und Gesetzgeber ansprechen, die ja für die Rahmenbedingungen verantwortlich sind – also dafür, dass Originalhersteller ihre Rechte auch durchsetzen können.

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