Reach

Reach steht für Unsicherheit, Substitutionsdruck und Bürokratie

Seite: 2/4

Anbieter zum Thema

Am 1. Juni 2007 trat die EU-Verordnung Reach in Kraft, die seitdem die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe in drei Phasen regelt. Die auch darauf hinweist, dass sich alle Hersteller und Verarbeiter von Chemikalien Gedanken über die zukünftige Verfügbarkeit ihrer Roh- und Hilfsstoffe machen sollen.

Reach macht Schwächen beispielsweise beim Sicherheitsblatt sichtbar

Die Vorregistrierung lief im Dezember 2008 ab. In der ersten Phase mussten hochvolumige Stoffe ab 1000 t/a bis zum 30. November 2010 und in der zweiten Phase Stoffe ab 100 t/a bis zum 1. Juni 2013 registriert werden. Die bis dahin schon bekannten Sicherheitsdatenblätter fielen nun auch in den Geltungsbereich von Reach. Was bedeutet, dass sich die Anforderungen im Laufe der Umsetzung von Reach immer wieder erweitern, was auch eine kontinuierliche Fortschreibung der Sicherheitsblätter erforderlich macht.

Wie der Reach-Helpdesk berichtet, ist ein besonderer Schwerpunkt das Sicherheitsblatt. „Ein Effekt von Reach ist, dass die Aufmerksamkeit auf das Sicherheitsdatenblatt erhöht wurde. Dies wird dadurch deutlich, dass nicht nur die unter Reach neuen Anforderungen bei den Unternehmen für Probleme sorgen. In den Anfragen an den Helpdesk werden oft auch Fragen zu Themen aufgeworfen, die unter Reach nicht neu sind“, sagt Dr. Anja Knietsch, Mitarbeiterin des Reach-Helpdesk. Am 18. September 2006 wurde der Reach-Helpdesk gegründet, und zwar offiziell, weil es eine Verpflichtung in der Reach-Verordnung gibt, die besagt, dass Unternehmen insbesondere bei der Registrierung Anspruch auf Unterstützung haben.

Der Behörden-Helpdesk wurde in der Bundesstelle für Chemikalien bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) eingerichtet und arbeitet in einem Netzwerk mit dem Umweltbundesamt, dem Bundesinstitut für Risikobewertung, der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung und auch Baua-intern mit Experten für Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten zusammen. Die Internetplattform des Reach-Helpdesk wird bis zu 7 Mio. Mal im Jahr besucht und etwa 5000 Anfragen werden jährlich direkt an den Helpdesk gestellt.

Die Sicherheitsdatenblätter bringen noch viel Unsicherheit

Mit Reach kommt aber nicht nur die Sicherheit sondern auch die Unsicherheit. Eine wesentliche Neuerung im Rahmen von Reach ist, dass man an Sicherheitsdatenblätter sogenannte Expositionsszenarien anhängt. Das bedeutet, verwendet man gefährliche Stoffe, die gemäß Reach registriert sind, müssen die Lieferanten dem Kunden in den meisten Fällen jetzt ein neues, erweitertes Sicherheitsdatenblatt mit Expositionsszenarien zusenden.

Waren Sicherheitsdatenblätter in der Zeit vor Reach kaum 15 Seiten lang, so können sie heutzutage mit Reach bis zu 500 Seiten lang werden. „Inzwischen spricht man schon von Sicherheitsdatenbüchern, weil alle Expositionsszenarien teilweise sinnlos angehängt werden, einfach um auf der sicheren Seite zu sein – was in Bezug auf Reach nicht zielführend ist“, erklärt Knietsch.

(ID:42325373)