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Prozess für Sicherheitsdatenblätter wird mühsam und bürokratisch
Auch wenn man die Formulierungen und Ausarbeitungen der erweiterten Sicherheitsdatenblätter richtig angeht, sind sie dennoch für die Experten mühsam. „Der Prozess zur Erstellung und Pflege der Sicherheitsdatenblätter ist extrem bürokratisch. Kurz gefasst hat Reach bislang nichts außer Aufwand gebracht, denn viele Sicherheitshinweise und Gefährdungsbeurteilungen waren schon vor Reach Pflicht“, erklärt Dr. Stephan Baumgärtel, Geschäftsführer VSI – Verband Schmierstoff-Industrie e.V. Dabei sollen sich insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen durch die Registrierung Vorteile ergeben. „KMU könnten viel von Reach profitieren, wenn entsprechende Stoff- und Verwendungsinformationen für einen sicheren Umgang genutzt werden, sie sind aber eben auch am meisten davon belastet, weil dafür weder die Expertise noch die Ressourcen bereit stehen“, sagt Knietsch weiter. Denn richtig angewendet soll Reach existenzsichernd wirken.
Ein weiteres wichtiges Instrument von Reach ist das Zulassungsverfahren, das die Verwendung von besonders besorgniserregenden Stoffen, die auf einer Kandidatenliste stehen, reguliert. Was mitunter von der Industrie nur schwer nachvollzogen werden kann.
Heute noch Innovationsstoff und morgen schon auf der Kandidatenliste
Der Stoff Galliumarsenid beispielsweise steht momentan in der Einstufung: Er steht in Verdacht, krebserregend zu sein, was bislang jedoch keine Studie beweisen konnte. „Jedes elektronische Gerät enthält Galliumarsenid, und zwar in einer Menge von ungefähr 1/10 von dem, was unter der Meldepflicht von Reach liegt“, erklärt Soßdorf. Der Stoff findet unter anderem in der Radartechnik und Photovoltaik Anwendung und hat im letzten Jahr den Bundespreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gewonnen für hochinnovative Photovoltaikzellen.
„Das ist genau das, worauf wir als Maschinen- und Anlagenbau hinauswollen: Auf der einen Seite müssen wir laut Gesetzgeber Ressourceneffizienz und Energieeffizienz erfüllen und auf der anderen Seite werden innovative Stoffe vom Markt genommen“, sagt Soßdorf weiter. Weil mit Galliumarsenid abgesehen vom Hersteller niemand in Verbindung kommt, plädiert der Reach-Experte dafür, nicht nur danach zu fragen, ob ein Stoff gefährlich ist, sondern auch danach: Wie gehe ich damit um und welches Risiko geht davon aus?
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