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Dieses Problem sieht auch Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer GKV – Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V.: „Ein bloßes Abstellen auf die Gefährlichkeit eines Stoffes oder eine einseitige Auslegung des Vorsorgeprinzips sind weder sachgerecht noch tragen sie zu einer ausgewogenen und sachorientierten Diskussion oder mehr Verbraucherschutz bei.“ Wenngleich ein langfristig stabiles und EU-weit einheitliches Chemikalienrecht notwendig ist, geht der Nutzen schnell in der damit verbundenen Bürokratie unter. So auch in der Kühlschmiermittelindustrie. „Entwickler sind seit einiger Zeit vorwiegend damit beschäftigt, Schmierstoffbestandteile, die wegfallen, zu ersetzen. Dabei schauen schon viele auf die nächste Frist im Jahr 2018, wenn viele KSS-Rohstoffe zur Registrierung anstehen“, erklärt Baumgärtel weiter. Im Jahr 2018 endet nämlich die Übergangsfrist für Stoffe mit Herstellung/Importvolumen größer als 1 t/a.
No Data – no Market, so das Motto von Reach
Wenn ein Stoff jedoch nicht mehr registriert wird, hat das zur Konsequenz, dass er auf dem europäischen Markt auch nicht mehr vermarktet wird, was zur Folge hat, dass sich die nachgeschalteten Anwender nach Alternativen umschauen müssen. Was sich als vermeintliche Option, gar als Möglichkeit tarnt, nach neuen innovativen Stoffen zu suchen, sieht in der Realität anders aus und mündet in einem zeit- und kostenintensiven Substitutionsdruck. „In der BASF-Gruppe fallen bis 2018 jährlich Kosten in Höhe von etwa 50 Mio. Euro an“, erklärt Giorgio Greening, Leiter der globalen Geschäftseinheit Schaumstoffe BASF.
Dass Reach außer dem finanziellen und administrativen Aufwand dennoch genau die richtigen Ziele hat, bestätigt auch Soßdorf. „Wir stehen voll dahinter und praktizieren Umwelttechnik seit Jahrzehnten, aber wir stellen dennoch in Frage, ob mit den Instrumenten überhaupt die richtigen Ziele erreicht werden. Wenn man Stoffe wegnimmt, um Innovationen voranzutreiben, ist das falsch“, heißt es weiter.
Aber dass sich durch Reach auch tatsächlich Innovationen hervorbringen lassen, die auf dem Markt zu Differenzierungen führen können, bestätigt die BASF-Gruppe. Seit Anfang des Jahres stellt das Unternehmen das bisherige Flammschutzmittel HBCD auf das neue Flammschutzmittel Polymer FR um – mit verbesserten Umwelteigenschaften, aber mit gleich gebliebener Flammschutzwirkung.
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