Servicerobotik Roboter-Helfer brauchen zwingend die Akzeptanz der Nutzer

Redakteur: Jürgen Schreier

Da angesichts der demografischen Entwicklung und der Fortschritte in der Medizin irgendwann die Jüngeren fehlen werden, um die Älteren zu betreuen, wird intensiv an Service- oder Pflegerobotern gearbeitet. Die Technik ist aber nur die eine Seite der Medaille, die Akzeptanz dieser maschinellen Helfer seitens der Gesellschaft die andere.

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Der kleine Kolja, der im Mai in einer Kölner Klinik geboren wurde, hat eine Lebenserwartung von hundert Jahren. Schon heute liegt die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland bei über 80 Jahren und damit um ein Viertel höher als nach dem Ende des letzten Krieges. Möglich ist das geworden durch die insgesamt verbesserten Lebensumstände, aber auch durch die Erfolge der Medizin. Das heißt aber nicht, dass alle älteren und alten Menschen fit und gesund sind. Viele leben eingeschränkt und brauchen Unterstützung. Unsere demographische Entwicklung bringt es indes mit sich, dass nicht genügend Jüngere da sind, um die Älteren hinreichend zu pflegen.

Maschinen unterstützen das Pflegepersonal

Diese Situation ist in fast allen westlichen Industriegesellschaften ähnlich. Auf der Suche nach Auswegen liegt die technische Unterstützung des Pflegepersonals durch Maschinen fast auf der Hand. In den USA, in Japan und natürlich auch in Deutschland setzten die Forscher zunehmend auf Roboter. Roboter sind programmierbare Maschinen, die sich frei im Raum bewegen. Schon heute könnten diese Geräte Erstaunliches leisten. Als Gehhilfen, zum Beispiel. „Darf ich bitten“, summt da etwa die sonore Computerstimme des Service-Roboters Care-O-Bot und bietet einer unsicher auf den Beinen stehenden Frau seinen eingeknickten Plastikarm wie zur Aufforderung zum Tanz an. Daran kann sie sich festhalten und entweder Gehübungen machen oder auch ein fest gelegtes Ziel ansteuern.

Doch die Vorbehalte gegen Roboter sind hier zu Lande noch vergleichsweise groß. Größer jedenfalls als in Japan, wo Service-Roboter in der Pflege schon einen festen Platz haben. „Das spiegelt kulturelle Unterschiede“, sagt Henrik A. Schunk, dessen Unternehmen im schwäbischen Lauffen den Greifarm des vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung entwickelten Care-O-Bot ausgetüftelt hat. „Japaner empfinden es als anstößig, anderen zur Last zu fallen. Entsprechend groß ist die Bereitschaft, sich Maschinen zu bedienen.“

Noch ist die menschliche Hand technisch unerreicht

Das alteingesessene Familienunternehmen Schunk fertigt hochmoderne Greifer für die Robotikindustrie, mechanische Hände, sozusagen. Die von ihren Ingenieuren entwickelte SDH-Hand hat in ihren drei Fingern sogar so etwas wie „Gefühl“. Der Tastsinn wird schon recht gut simuliert. Die SDH-Sensoren erkennen die angefassten Gegenstände, können sie nach Bedarf mal fester, mal vorsichtiger, aber immer sicher anfassen. Und sie sind so programmiert, dass sie selbständig auf veränderte Bedingungen und Umgebungen reagieren. „Eine Glühlampe fasst unsere künstliche Hand anders an als eine volle Kanne Kaffee“, erläutert Schunk. Dennoch räumt er ein: „Die menschliche Hand ist bislang technisch unerreicht. In ihrer Simulation sind wir heute so weit, wie die Autoindustrie in Sachen Sicherheit in den 1970-er Jahren.“

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