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Das betrifft Ihr Produkt, die Motorspindel. Welche Projekte zur Digitalisierung verwirklichen Sie in Ihrer Produktion?
Moser: Seit den Krisenjahren 2009 und 2010 haben wir unser Unternehmen nahezu komplett neu aufgestellt. Wir haben sehr viel in Gebäude, Maschinen, Prozesse und Personalentwicklung investiert. Das kommt uns jetzt zugute. Denn Industrie 4.0 benötigt nicht nur Software und Datenschnittstellen an einzelnen Maschinen, sondern auch kompetente und innovative Menschen. Um aus der Digitalisierung wirklich einen Nutzen zu ziehen, muss man das gesamte Umfeld verändern. Das beginnt beim Gebäude, betrifft aber auch Fertigungsabläufe und die Organisation. So haben wir vorgesehen, unsere internen Abläufe ganz im Sinne von Industrie 4.0 weitgehend zu digitalisieren. Das sichert uns Flexibilität und höchste Transparenz. Unsere Kunden werden von kürzeren, konkret zu bezeichnenden und letztlich eingehaltenen Lieferterminen profitieren. Selbst bei kleinsten Losgrößen wollen wir das gewährleisten können.
Diese Projekte wollen wir zielgerichtet, aber schrittweise vorantreiben. Geht man zu forsch vor, kann man schnell den eigentlichen Sinn und Nutzen aus den Augen verlieren und sich in eventuell unnötige oder teure Projekte verrennen. Da berufen wir uns ganz auf Schweizer Tugenden in unserem Familienunternehmen. Mit Demut und Respekt herangehen, und dann beharrlich an den besten Lösungen arbeiten. Wir wollen die Sache voranbringen, die Welt bewegen, aber dabei realistisch bleiben. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche und die messbaren Effekte.
Sie sprechen hier Schweizer Tugenden an. Welche weiteren Gründe sprechen dafür, dass die Schweiz als doch eher kleines Land auch künftig weltweit Führungspositionen beanspruchen und innehaben wird?
Moser: Die Schweiz bietet beste Voraussetzungen für eine solide Entwicklung. Wir haben stabile politische Verhältnisse und können uns auf eine friedvolle Gesellschaft berufen. Unsere Wirtschaft hat immer wieder bewiesen, wie standfest sie ist. Selbst in Krisen haben wir im gesellschaftlichen Zusammenhalt immer wieder gute Lösungen gefunden und uns entsprechend neu erfunden. Speziell der gesellschaftliche Konsens beruht darauf, dass wir schon immer mehrere Kulturen in unserem Land vereint haben. So sind wir einerseits tolerant genug, um andere Meinungen und Lebensentwürfe zu akzeptieren, andererseits aber auch hinreichend dem gesellschaftlichen Zusammenhalt verpflichtet. Das sind alles Vorteile, die man derart ausgeprägt und mit einer langen Geschichte wohl speziell in der Schweiz vorfindet.
Welche Rolle spielen die Fachkräfte in Ihrer Unternehmensentwicklung?
Moser: Ganz wichtig ist, die Beschäftigten in der beschleunigten Entwicklung mitzunehmen. Ohne sie ist die beste Digitalisierung wertlos. Ich sehe die Generation der heute über 50-Jährigen als fachlich und sozial erfahrene Fachkräfte mit den «Digital Natives» in einem Team. Die Zusammenarbeit und das soziale Miteinander in einem Unternehmen erfordern auch in Zukunft bewährte Verhaltens- und Denkweisen. Nicht alles lässt sich grundlegend infrage stellen und völlig neu ausrichten. Aus meiner Sicht bringt uns die richtige Mischung aus einerseits erfahrenen und abwägenden, andererseits jungen, forschen und innovativen Mitarbeitenden voran. Dabei achten wir auf den wechselseitigen Respekt. Vor allem aber müssen alle Beteiligten offen sein für Veränderungen und sich der wandelnden Situation stellen. Wir versuchen, stets nach den individuellen Fähigkeiten die Arbeiten und die Verantwortung für Projekte zu vergeben. Nach meiner Ansicht spielt die direkte Kommunikation zwischen den Mitarbeitenden speziell in der Digitalisierung eine herausragende Rolle. Wir müssen trotz oder gerade wegen der Digitalisierung viel mehr miteinander reden.
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