Zukunftsutopie

Smart Factory: Mehr Mut zur Utopie wagen

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Hintergrund und Experten

Ergänzendes zum Thema
Utopie statt Dystopie
Hintergrund zum Beitrag

Es ist schon eine fast schizophrene Situation, in der wir uns derzeit befinden: Auf der einen Seite bestimmt Technik unseren Alltag wie nie zuvor, auf der anderen Seite herrscht gerade in Deutschland ein gewisser Technik-Pessimismus. Hinter jeder Innovation und jedem neuen Produkt wird zunächst mal eine Gefahr vermutet. Datenklau, Arbeitsplatzverlust – irgendetwas Schlimmes wird der Erfinder schon im Kopf haben. Es gab aber einmal andere Zeiten, in denen wir der Technologie zugetraut haben, das Leben der Menschen besser zu machen. Und wenn wir die westliche Gesellschaft zum Maßstab nehmen, sind diese Hoffnungen auch in jedem Fall wahr geworden. Also warum nicht auch heute daran glauben, dass der technische Fortschritt nicht der Sargnagel der Menschheit wird, sondern Verbesserungen für uns alle bereit hält? Die Werkzeuge, die uns schon heute zur Verfügung stehen, bieten in jedem Fall das Potenzial – es geht nur darum, sie richtig einzusetzen.

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Die Zukunft liegt 33 Jahre entfernt –

Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke von der Frankfurt University of Applied Sciences.
Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke von der Frankfurt University of Applied Sciences.
( Bild: U. Wolf )

oder vielleicht geht die Digitalisierung doch viel schneller? In dem Beitrag werden verschiedene Entwicklungen skizziert. Es steht fest, dass diese Entwicklungen weder bei vielen noch bei signifikanten Unternehmen heute eingesetzt werden. Es steht aber auch fest, dass viele der Ideen schon heute einsetzbar wären: digitaler Zwilling, KI in der Fertigung, Flexibilität, sichere Daten – all das ist heute schon da und könnte eingesetzt werden. Der Nutzen ist den Unternehmen heute nicht bekannt und nicht bewusst. Die Dramatik der Situation in unserem Land hinsichtlich der Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen (2 Arbeitnehmer machen im Jahr 2030 die Arbeit von heute 3 Arbeitnehmern) und somit die Notwendigkeit der Umsetzung diverser Industrie- 4.0–Errungenschaften ist zu einfach dargestellt. Unternehmen im Jahr 2044 stehen in massivem Wettbewerb um Arbeitnehmer und müssen aus diesem Grund viele Tätigkeiten an Hilfsmittel weitergeben. Das Szenario wird somit von mir als sehr realistisch eingeschätzt. Die Optionen werden so kommen und müssen so kommen. Lediglich der Kampf der Roboter wird nicht passieren. Wir werden bis dahin ausreichend Sicherheitsmechanismen erfunden haben. Die Zukunft wird spannend – ich freue mich darauf!

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Der Beitrag zeichnet ein sehr motivierendes Bild:

Sven Hamann, Geschäftsführer von Bosch Connected Industry.
Sven Hamann, Geschäftsführer von Bosch Connected Industry.
( Bild: Bosch )

Genauso sieht auch Bosch die Fabrik der Zukunft: Nur der Boden, die Wände und die Decke sind fest verbaut. Alles weitere ist hochflexibel und mobil, passt sich den Kundenaufträgen in Sekundenschnelle an. Der Mensch bleibt im Mittelpunkt des Geschehens. Eine wichtige Rolle nimmt die Software ein: Sie macht aus Fertigung und Logistik erst ein zusammenhängendes System. Dabei wird dem digitalen Zwilling eine immer bedeutendere Aufgabe zukommen: Die Flut an Informationen muss in sinnvollen, semantischen Kontext übersetzt werden, mit dem Menschen gut arbeiten können. Damit dies im digitalen Wandel gelingt, braucht es Trainings, Qualifizierungs- und Begleitungsangebote. Wie viel Menschen bewirken können, zeigt sich beim Thema Klimawandel. Bosch wird bereits 2020 komplett CO 2 -neutral produzieren. Auch dabei ist die Software ausschlaggebend: Sie kann Energieverbräuche in der Fabrik gezielt reduzieren. Höhere Prozess- und Produktqualität führt automatisch zu geringerem Ausschuss. Durch effiziente logistische Planung reduziert sich die Anzahl an Leerfahrten in Intra- und Extralogistik. Vorausschauende Wartung verlängert die Maschinenlaufzeit. Dank Retrofitting können bestehende Anlagen weiter genutzt werden. Und das kommt wiederum nicht nur dem Klima und den Mitarbeitern zugute, sondern erhöht auch maßgeblich die Transparenz und Effizienz in der digitalen Fabrik.

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Die Vision hat Licht und Schatten:

Prof. Dr. Martin Ruskowski, Vorstandsvorsitzender von SmartFactory Kaiserslautern.
Prof. Dr. Martin Ruskowski, Vorstandsvorsitzender von SmartFactory Kaiserslautern.
( Bild: SmartFactory Kaiserslautern )

Ihre Vision der Integration von Menschen, IT und Maschinen als interagierende Teile der Produktion hat bei uns bereits einen Namen: Production Level 4. Dieses Leitbild der SmartFactory Kaiserslautern für die kommenden fünf Jahre stellt die optimale Unterstützung des Menschen in den Mittelpunkt, ohne ihn zu ersetzen, und wird schon 2025 den konkreten Weg in diese Richtung aufzeigen. 25 Jahre in die Zukunft sind ungefähr zwei bis drei Gerätegenerationen der Automatisierungstechnik. Die heute modernsten Konzepte sind dann zwar historisch, doch schauen wir in die heute reale Produktion sehen wir durchaus Maschinen aus einer ebenso alten Vergangenheit. Von daher dürfen wir nicht davon ausgehen, dass alles so wunderbar neu wird, wie die Vision uns vorspiegelt. Wir werden eine Koexistenz neuer Produktionsleitsysteme mit alten Maschinen vorfinden und an vielen Stelle werden leistungsfähige Rechner eine Brücke zwischen neuer und alter Welt bilden. Arbeitsstationen werden universeller einsetzbar, aber Mechanik ist immer starr und zweckgebunden. Nur der Nachweis, dass die Verfahren des maschinellen Lernens in der prädiktiven Instandhaltung so durchgängig erfolgreich sind, ist nach aktuellem Stand anzu- zweifeln. Kurz gesagt: Die Konzepte werden bereits deutlich früher verfügbar sein, aber die Umsetzung hängt letztlich an den notwendigen Investitionen und der Bereitschaft, auch über Firmengrenzen hinweg, zusammenzuarbeiten. Wir in der SmartFactory-KL arbeiten daran, die Fiktion im positivsten Sinne Realität werden zu lassen.

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