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Automobillogistik

„Stillstand ist der Tod“

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Gerade auf Dienstleister, an die große Teile des Materialflusses in der Automobilindustrie ausgelagert sind, wirkt sich diese Entwicklung deutlich spürbar aus. So steigen die Anforderungen an ihren Service und die Einhaltung der Zeitfenster deutlich an, wie Alexander Schuon, Geschäftsführer des Speditions- und Logistikunternehmens Alfred Schuon, betont: „Zur Versorgung der Produktionslinien werden künftig beispielsweise deutlich mehr unterschiedliche Spezialladungsträger erforderlich sein. Dies wiederum führt zu einer höheren Komplexität der logistischen Abläufe sowohl in der Lagerhaltung als auch beim Leergutmanagement, welchem eine immer größere Bedeutung zukommt. Denn höhere Anforderungen an die Qualität der Ladungsträger erfordern auch neue Konzepte hinsichtlich Wartung, Austausch, Reinigung und dergleichen.“

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Bindeglied zwischen den Systemen

Das alles hat auch eine weiter fortschreitende Integration der Wertschöpfungskette in die Lieferkette und dadurch eine noch engere Verzahnung mit der Produktion der Autobauer und der Zulieferer zur Folge. Gerade darin sehen viele Logistikunternehmen auch eine Chance für das eigene Geschäft. „Das erfordert aber eine wesentlich höhere Prozess- und Systemkenntnis entlang der kompletten Supply Chain, bis hin zur Funktion des Systemintegrators zwischen OEM und Zulieferer“, so Andreas Wagner, COO der Schnellecke Group.

Aufgrund dieser Entwicklung gehen viele Experten davon aus, dass die Logistiker in Zukunft als eine Art Datenmanager nicht nur für den Materialfluss, sondern auch für große Teile des Datenflusses zuständig sein werden. Sie werden somit eine flexible Schnittstelle zwischen den zwei automatisierten und damit zumeist unflexiblen Systemen der Autobauer und ihrer Zulieferer darstellen, wie es Schuon ausdrückt.

Die Entwicklung der E-Mobilität bleibt ein Unsicherheitsfaktor

Zu den sich immer wandelnden Anforderungen an die Logistik, auf die Zernechel einging, gehört aktuell auch der Umgang mit Elektroautos und Fahrzeugen mit anderen alternativen Antrieben. Momentan noch ein Nischenmarkt, werden die „Stromer“ in Zukunft immer mehr Platz in den Fabriken einnehmen. Für die Logistiker bedeutet das zunächst eine Erhöhung der Variantenzahl und der Lieferanten bei gleichzeitig sinkender Anzahl der zu liefernden Teile. „Speziell in der Kombination mit der Produktion von konventionellen Fahrzeugen erhöht das die Komplexität der Lieferkette“, führt Wagner aus. Dazu tragen auch individuelle Verpackungen, Ladungsträger und kundenspezifische Anforderungen, wie temperaturgeführte Lager- und Transportketten, bei.

Besonders die Lithium-Ionen-Batterien sind hier ein sensibles Thema, da es sich faktisch um Gefahrgut handelt. Da LI-Batterien jedoch noch relativ neue Produkte sind, gibt es erst wenige Vorschriften zum Umgang mit ihnen. Sie gehören zur Gefahrgutklasse 9 (verschiedene gefährliche Stoffe). „Dass es hier nur wenige generelle Vorschriften gibt, sorgt dafür, dass eine Vielzahl an individuellen Vorgaben seitens der Kunden, Versicherer, VdS, örtlichen Behörden und anderen in Einklang gebracht werden muss. Neben individuellen Mitarbeiterqualifizierungen und kundenspezifischen Anforderungen ist das sicher eine der großen Herausforderungen“, führt Schuon aus.

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M. A. Benedikt Hofmann

M. A. Benedikt Hofmann

Chefredakteur, MM MaschinenMarkt