Ist es so? Synapticon-CEO hält deutsche Roboterkrise für hausgemacht

Quelle: Synapticon 4 min Lesedauer

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Der VDMA sagt, dass die deutschen Roboterhersteller etwa wegen der Chinesen nur noch um rund zwei Prozent gewachsen sind. Nikolai Ensslen betrachtet die Sachlage hier etwas differenzierter ...

Deutsche und europäische Roboterhersteller jammern über Druck aus Asien und zu viel Bürokratie. Laut Synapticon-CEO Nikolai Ensslen stimmt das zwar, aber die Konjunkturschlaffheit in der Robotik kann man nicht den Asiaten allein anlasten. Hier sein Statement dazu ...(Bild:  Synapticon)
Deutsche und europäische Roboterhersteller jammern über Druck aus Asien und zu viel Bürokratie. Laut Synapticon-CEO Nikolai Ensslen stimmt das zwar, aber die Konjunkturschlaffheit in der Robotik kann man nicht den Asiaten allein anlasten. Hier sein Statement dazu ...
(Bild: Synapticon)

„Asien allgemein löst zwar einerseits Druck auf die heimischen Roboter- und Maschinenhersteller aus, bietet andererseits aber auch Chancen für innovative deutsche Technologieanbieter, mit denen die Chinesen ihre Produkte auf ein höheres Level heben können“, meint Nikola Ensslen, CEO des Roboterspezialisten Synapticon. Insbesondere für den Export benötigten chinesische Roboter- und Maschinenbauer hochwertige und zertifizierte Komponenten, um in den internationalen Märkten überhaupt inhaltlich wettbewerbsfähig zu sein. Genau deshalb haben deutsche Hersteller laut Ensslen durchaus eine Chance, die chinesischen Produkte auf das erforderliche Level zu heben – beispielsweise wenn es um die anspruchsvolle Sicherheit von kollaborativen Robotern (Cobots) geht.

Chinesen brauchen immer noch europäische Technologie

Dass deutsche Robotikhersteller aktuell mehr Nachfrage aus dem Ausland als aus dem Inland bekommen, zeige schließlich, dass die Produkte zumindest in puncto Funktion, Leistung und Qualität noch konkurrenzfähig seien. Umgekehrt muss man nach Ansicht von Ensslen aber auch anerkennen, dass chinesische Hersteller inzwischen sehr attraktive und qualitativ hochwertige Produkte liefern – siehe Elektromobilität. Anders als bei Consumer-Produkten, komme es bei Investitionsgütern, zu denen auch Roboter gehörten, jedoch vor allem auch auf nachhaltige Zuverlässigkeit an. Und bei diesem Thema haben die Chinesen noch nicht bewiesen, dass sie es ganz ohne den Einsatz von Technologie aus Europa und den USA hinbekommen, wie Ensslen analysiert.

Chinesische Unternehmen riskieren einfach mehr

Chinesische Hersteller sind allerdings in der Regel schlichtweg schneller und auch wagemutiger – und nicht zuletzt werden sie finanziell stark gefördert, merkt Ensslen an. „Dabei geht es, entgegen der landläufigen Auffassung bei uns, nicht primär um Subventionen, die von der Zentralregierung kommen. Die Unternehmen sind vielmehr einem viel stärkeren Wettbewerb untereinander ausgesetzt, als wir dies im Westen kennen“, so der Experte zur Situation in China. Die Chinesen profitierten aber auch von einem sehr lebhaften und potenten Markt an privaten Investoren, die schneller bereit seien, ein größeres Risiko einzugehen und große Beträge zur Verfügung zu stellten. Außerdem, so Ensslen weiter, liefern sich die verschiedenen Regionen in China einen für die Unternehmen attraktiven Wettbewerb um die besten Standortbedingungen, die auch mit Subventionen beziehungsweise staatlichen Investments verknüpft sein können.

Unternehmen haben Geld! Doch es wird nicht investiert ...

Grundsätzlich hat der Robotikmarkt eine völlig andere Taktung als der klassische Maschinenbau und andere deutsche Traditionsindustrien, wie Ensslen klarstellt. In diesem Industriesektor gehe es Schlag auf Schlag. Ohne Innovationen sei man als Anbieter schnell abgeschlagen. Das aber kostet Geld. Und das ist meist Geld, das viele deutsche Unternehmen nicht investieren können oder wollen. „Rufe in Richtung deutsche Politik, um die Bürokratie zu reduzieren, kann ich nachvollziehen. Hier liegt noch viel vor uns, um als Standort wieder wettbewerbsfähiger zu werden“, wie der Synapticon-CEO befürchtet. Aber dieser Umstand sei nur ein Teil des Problems. Denn es fehle allgemein nicht an Geld in Deutschland und Europa. „Das vorhandene Kapital wird einfach nicht eingesetzt“, wunder sich Ensslen. Das einzige wirklich funktionierende Ladenetz, das vom früher fast bankrotten Start-up Tesla weltweit errichtet wurde (anstatt von der damals im Verhältnis reichen deutschen Automobilindustrie) ist für ihn ein beispielhaftes Mahnmal dafür. Wo in Europa größere Summen fließen würden, seien es eigentlich immer ausländische Investoren, die ein Risiko nicht scheuten.

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