Fahrzeugsicherheit

Testzentrum an der TH Ingolstadt eingeweiht

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Live-Tests unter Realbedingungen

Einen Vorgeschmack auf die Testmethoden von morgen erhielten die Anwesenden zudem in einer Live-Vorführung. Demonstriert wurde ein neuartiger Brems-Lenk-Versuch mit einem autonom fahrenden Testfahrzeug und einem Fußgängerdummy. Auf einer Anlaufstrecke von 60 m beschleunigt das Fahrzeug in der radar- und lidartauglichen Halle auf 40 km/h. Der Niederschlag aus der hauseigenen Regenanlage behindert die Sicht der vorausschauenden Sensoren, wie auch in der Realität die des Menschen. Von rechts kreuzt plötzlich der eigens entwickelter Fußgängerdummy, der mit seinen lebensnahen Bewegungen von Sicherheitssystemen zweifelsfrei als Passant erkannt werden muss. Zusätzlich erhöht die Feuchtigkeit den Bremsweg aufgrund des gesenkten Reibwerts der Reifen.

Zur bestmöglichen Unfallvermeidung wird deshalb nicht nur wie heute üblich in die Bremse eingegriffen, sondern aktiv vom ungeschützten Verkehrsteilnehmer weggelenkt. Das Fahrzeug reagiert in unter einer Sekunde bis zum eigentlichen Impact und die Kollision wird somit effektiv vermieden. Die reproduzierbaren Bedingungen in der Halle ermöglichen es, solche Eingriffe in die Fahrdynamik verlässlich zu validieren. Die Komplexität der Szenarien lässt sich langfristig beliebig steigern. Die eingebaute Positionierungsanlage ermöglicht eine hohe örtliche und zeitliche Präzision. Denkbar wären beispielsweise Tests mit mehreren Verkehrsteilnehmern wie Fahrradfahrern, Skateboardern oder Segway-Touristen.

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Unfallfolgemindernden Technologien: Tests mit Airbags

In zwei weiteren Tests zeigten die Automotive-Experten von Carissma, wie auch unfallfolgemindernde Technologien im Realversuch mit hoher Crashschwere überprüft werden können. In der passiven Sicherheit geht es darum, die Insassen bei einem unvermeidbaren Aufprall optimal zu schützen. Irreversible Aktoren wie beispielsweise ein Airbag können basierend auf vorausschauenden Sensoren bereits vor einem Aufprall ausgelöst werden, um die Sicherheit weiter zu steigern. Für eine Zündung vor der Kollision müssen allerdings absolut belastbare Voraussagen über den Fahrverlauf getroffen werden.

Im ersten Crashversuch mit eine komplett abrüstbaren Crashblock fährt ein PKW mit 35 km/h mittig gegen einen Pfahl, in der zweiten Variante kommt eine Barriere mit einem Offset von 40 % zum Einsatz, um den in der Realität häufiger vorkommenden versetzten Aufprall zu simulieren. Das Sicherheitssystem erkennt im Test die bevorstehende Kollision und reagiert bereits 100-200 msec vor dem eigentlichen Zusammenstoß. Aus Sicherheitsgründen wurden beide Demonstrationen vorab per Video aufgezeichnet.

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