Kunststoff Netzwerk Franken (KNF)

Treffpunkt Kunststoff 2015: Alles über Oberflächentechnik

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Schreibgeräte mit Stil

Der Vortrag von Ralf Lehnhardt, A.W. Faber-Castell Vertrieb GmbH, in Geroldsgrün befasste sich mit dem Thema „Schreibgeräte-Oberflächen, von der Limited Edition bis zur Großserie“. Die Firma Faber-Castell produziert Schreibgeräte mit den unterschiedlichsten Oberflächentechnologien. Es wird häufig unterschätzt, welch hohe Anforderungen an die Kunststoffoberflächen von Schreibgeräten gestellt werden. Insbesondere der Kontakt mit Handschweiß stellt die Verarbeiter vor große Herausforderungen. Die Umsetzung der Oberflächen muss sowohl in Handarbeit als auch in Großserie machbar sein. In der Folge stellte Lehnhardt verschiedene Oberflächenkombinationen auf Schreibgeräten vor, wobei in manchen Bereichen die Grenze des Machbaren bereits nahezu erreicht ist. Gerade im Kunststoffbereich kommt es darauf an, das eigene Design und die Corporate Identity des Unternehmens wider zu spiegeln. Günter Hofmann, Hofmann Werkzeugbau GmbH aus Lichtenfels, sprach über die „Herstellung hochwertiger Oberflächen direkt aus dem Spritzgussprozess“. Auch aus seiner Sicht zählen im Interieur „piano white / black“, lackierte und galvanisierte Oberflächen zu den Trends. Lichtleiter für Lichtinszenierungen oder glasartige Oberflächen sind ebenfalls ein Thema. Gerade hier könne die richtige Werkzeugtechnik die verschiedensten dieser Oberflächen in hochwertiger Qualität bereits aus dem Werkzeug heraus realisieren. So können mit der variothermen Werkzeugtechnik sichtbare Bindenähte vermieden werden, die Abbildung von Hochglanz- und Strukturoberflächen verbessert sowie eine Reduzierung der Eigenspannungen und kürzere Zykluszeiten realisiert werden, wie Hofmann erläuterte.

Haftfestigkeits-Faktoren im Blick

Als zweites Verfahren stellte er das Skinform / Colorformverfahren vor. Hierbei erfolgt der Spritzguss- und Beschichtungsprozess direkt im Werkzeug, wobei das Trägermaterial ein Thermoplast und die Beschichtung ein Polyurethan darstellt. Aus dem Werkzeug selber fällt ein fertiges Bauteil. Während der variotherme Spritzguss bereits einige Serienanwendungen im Automotivbereich hat, stellt das Skinform Verfahren ein hohes Potential für den automotiven Bereich dar, wartet jedoch noch auf den großen Durchbruch in die Serie.

Um Oberflächen zu beschichten muss zunächst die Frage der Haftung an der Oberfläche geklärt werden. Diesem Thema nahm sich Simone Fischer, Ingenieurbüro Fischer in Lauterbach, in ihrem Vortrag „Blickfest oder haftfest? – Bedingungen an die Haftfestigkeit“ an. Die Referentin stellte die Faktoren vor, welche letztendlich über die Haftfestigkeit entscheiden. Sie wies darauf hin, dass im Fertigungsprozess äußere Kontaminatoren zu vermeiden, bei der Handhabung saubere Handschuhe, silikonfreie Sauger usw. zu nutzen sind und bei der Verpackung der Teile auf PE Beutel oder Noppenfolie zu verzichten ist. Wichtig ist, dass die Benetzbarkeit der Oberfläche mit dem Beschichtungsstoff gegeben ist, was jedoch noch keine Garantie für dessen Haftfestigkeit darstellt. Fischer stellte weiterhin verschiedene Möglichkeiten zur Oberflächenreinigung vor. Ziel müsse es ein, die Teile so sauber wie nötig, nicht so sauber wie möglich zu haben. Abschließend erläuterte sie noch die verschiedenen Methoden zur Oberflächenaktivierung.

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