Gehäusetechnik Trotz dezentraler Automatisierung bleibt der Schaltschrank unverzichtbar
Glaubt man manchen Experten, so könnten dezentrale Automatisierungskonzepte die Zukunft gehören. Die Einsparung von Platz in den Schaltschränken ist außer dem geringeren Verdrahtungsaufwand einer der häufig genannten Vorteile. Doch die Schaltschränke werden nicht aussterben.
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Auch wenn dezentrale Automatisierungskonzepte unbestreitbare Vorteile haben, so lassen sich in vielen Anwendungen nicht alle Anforderungen zufriedenstellend damit lösen. Auf jeden Fall sind bei der Umstellung von Automatisierungslösungen auf dezentrale Konzepte verschiedene Aspekte zu beachten. Diese reichen von der Verfügbarkeit der benötigten Komponenten in der entsprechenden Schutzart über den Schutz der Komponenten vor den Umgebungseinflüssen bis hin zu den Kosten für Wartung und Instandhaltung.
Einsatz aufwändiger IP67-Komponenten relativiert den Kostenvorteil durch weniger Schaltschrankplatz
Automatisierungskonzepte sollen in aller Regel so gestaltet sein, dass sie eine möglichst wirtschaftliche Lösung für eine gegebene Anwendung darstellen. Werden dezentrale Automatisierungskonzepte geplant, so werden neben robuster Elektrotechnik auch sensible Elektronik und Steuerungstechnik in rauer Prozessumgebung platziert. Die eingesetzten Komponenten müssen häufig hohen mechanischen Belastungen, elektromagnetischen Störungen, Staub- und Ölnebel oder auch permanenter Feuchtigkeit widerstehen können. Hochwertige IP67-Komponenten, die diesen Bedingungen dauerhaft standhalten, sind heute am Markt deutlich teurer als Bausteine für den Schaltschrank. Dadurch relativiert sich der Kostenvorteil, der durch den geringeren Bedarf an Schaltschrankplatz entsteht.
Die Installations- und Verbindungstechnik muss bei solchen Konzepten ebenfalls mit entsprechend hoher Schutzart realisiert werden. Dazu sind in der Regel Systemlösungen eines Herstellers mit entsprechend vorbereiteten Komponenten erforderlich. Diese Abhängigkeit von einem Hersteller führt im Vergleich zu Lösungen, bei denen die jeweils günstigste Komponente gewählt werden kann, ebenfalls zu höheren Kosten. Wenn Unabhängigkeit vom Hersteller, Flexibilität und ein breites Spektrum an Geräten und Komponenten gefragt sind, stellt die Lösung in einem dezentralen Gehäuse weiterhin eine wettbewerbsfähige Alternative dar.
Trotz der Vorteile, die dezentrale Automatisierungskonzepte bieten, gibt es auch weiterhin Anwendungen, bei denen auf einen zentralen Schaltschrank nicht verzichtet werden kann. Dazu gehören beispielsweise Anwendungen im Bereich der Energieverteilung, die schon aus Sicherheitsgründen in entsprechenden Schaltschränken untergebracht werden müssen.
Der richtige Schutz für die Komponenten
Der Trend, mechatronische Funktionseinheiten aufzubauen und dabei unterschiedliche Komponenten von der Leistungselektronik über die elektrische und elektronische Steuerungstechnik bis zur SPS in einer Gesamtfunktion zu kombinieren, führt zu hohen Anforderungen an entsprechend optimierte Gehäusetechnik. Schutz vor elektromagnetischen Störeinflüssen, Staub und Öl lassen sich am effektivsten durch eine entsprechende Gehäusetechnik realisieren.
Bei der Auswahl der richtigen Gehäuse muss eine große Zahl von Kriterien beachtet werden. Neben dem bereits erwähnten Schutz vor Umgebungseinflüssen müssen zum Beispiel für Anwendungen in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie weitergehende hygienische Rahmenbedingungen erfüllt sein (Bild 1). Diese beziehen sich auf die verwendeten Werkstoffe und auf ein Design, das die Ablagerung von Verschmutzungen verhindert und die Reinigung vereinfacht.
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