Leichtbau

Verschiedene Diätmaßnahmen führen zu abgespeckten Greifern

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Achim Mebert, Produktmanager Handling Units bei der Festo AG & Co. KG, sieht die Diskussion um Material oder Konstruktion pragmatisch: „Der Greifer ist immer am Front End – und da gilt es, möglichst wenig Masse zu haben.“ Was dort eingespart werde, schlage sich in kleineren Antrieben nieder, die nicht nur selbst geringere Massen haben, sondern auch niedrigere Kosten in Anschaffung und Betrieb bedeuten. Und noch aus einem weiteren Grund sieht Mebert im Einsatz leichterer Materialien größeres Entwicklungspotenzial: „Eine aufwendige Kinematik ist immer auch störungsanfällig.“

Stahl kann auch im Leichtbau für Greifer eine Alternative sein

Also doch die Suche nach dem idealen Werkstoff? Leichtbau ist jedoch nicht immer die Steigerung entlang der Werkstoffkette Stahl, Aluminium, CFK. Aluminium ist schon lange der Standardwerkstoff im Greiferbau. Doch auch im Leichtbau kann Stahl eine Alternative sein. Denn hochfeste Stähle haben eine um den Faktor drei höhere Zugfestigkeit. Poguntke dämpft jedoch die Erwartungen: „Bei hochfesten Stählen haben wir zwar ein besseres Verhältnis von Festigkeit zur Materialdichte. Wir haben aber konstruktiv einen hohen Aufwand.“

Kompromisse sind auch in der Technik nicht die schlechteste Entscheidung. Denn Schunk kombiniert aus Gründen der Festigkeit bei einem Leichtbaugreifer CFK mit Teilen aus Stahl. Ein Wermutstropfen bleibt. Die beiden Werkstoffe reagieren unterschiedlich, vor allem auf thermische Belastungen. Für die Praxis müssen enge Einsatzgrenzen gesetzt werden.

Stephan Eifler, Produktmanager Greif- und Vakuumtechnik bei der Fipa GmbH, kommentiert die Werkstoffwahl erst einmal mit einem lockeren Spruch der Branche: „Wer Kunststoff kennt, nimmt Metall.“ Und erweitert ihn sogleich aufgrund der gemachten Praxiserfahrungen: „Wer Metall kennt, kombiniert es mit anderen Materialien, etwa speziellen Kunststoffen, wo es sinnvoll ist.“

Es gilt, die Dynamik des Greifersystems und damit die Produktivität zu erhöhen

Schaut man in den Fipa-Baukasten, findet sich ein bunter Materialmix. Eifler: „Wir nehmen das Beste aus zwei Welten.“ Immer stehen für ihn zwei Aspekte im Vordergrund: Was braucht der Kunde? Und wie lässt sich das mit dem Fipa-Baukasten umsetzen? Triebfeder, so Eifler, ist es, die Dynamik des Systems und damit die Produktivität zu erhöhen. Eine Möglichkeit sei es beispielsweise, Greif- oder Trägerstrukturen auszutauschen, die klassisch aus Aluminium gefertigt werden, und durch Komponenten aus Spezialkunststoffen zu ersetzen.

Die geringe Akzeptanz gegenüber Kunststoff bei Greiferanwendern ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, wie nicht nur Marc Zingg feststellt: „Wir spüren da eine gewisse Zurückhaltung.“ Wer Montageanlagen in alle Welt liefert, weit weg vom nächsten Servicestützpunkt, oder Anlagen für Millionenstückzahlen baut, vertraut offenbar lieber Aluminium oder Stahl.

(ID:35215420)