Datenintegration

Virtuell abgebildete Prozesse verkürzen den Weg zum Produktionsstart

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Die Vorteile sind offensichtlich: Der OEM kann jetzt jederzeit die gesamte Rohbaulinie auf allen Ebenen in den verschiedenen Planungsphasen mit unterschiedlichem Detaillierungsgrad simulieren und bewerten. Somit lassen sich notwendige Änderungen einfach erkennen und davon lässt sich sofort ableiten, welche Auswirkungen diese Änderungen etwa auf die Fertigungslinie haben und welche Zulieferer davon betroffen sind.

Vorteile ergeben sich auch in der Zusammenarbeit der Automobilhersteller mit externen Zulieferern. Im Rohbau werden sowohl die Planung als auch der Aufbau der Fertigungslinien häufig an Zulieferer vergeben. Bei unterschiedlichen Datenformaten können Zulieferer und Hersteller die entsprechenden Daten nicht nahtlos austauschen und es besteht ein manueller Anpassungsaufwand, unter dem die Planungsqualität leidet.

Der Austausch der Planungsdaten ist notwendig, um die laufenden Planungen abzustimmen und zu überprüfen. Somit fügen sich die einzelnen Planungsaktivitäten der beteiligten Zulieferer zu einem Gesamtbild.

Damit besteht die Möglichkeit, den gesamten Rohbau-Prozess und seine Schnittstellen zu den Zulieferern sowie den anderen Fertigungslinien bereits zu einem frühen Planungszeitpunkt digital zu betrachten. Diese Simulation lässt viel früher Probleme erkennen.

Auf diese Weise ist der Hersteller in der Lage, die sonst üblichen Anlaufschwierigkeiten bei der späteren Produktion der Fahrzeuge auszuschließen oder zumindest erkennbar zu reduzieren. Die damit verbundene Kostenersparnis macht den Betrieb deutlich rentabler und frühere Markteinführungen erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller.

Den OEM unterstützt Delmia auch bei Ausschreibungen. So bewertet das System die Angebote der Zulieferer nach den jeweils möglichen Einsparungen bei den späteren Durchlaufzeiten und den laufenden Kosten. In der Angebotsphase kann der OEM somit eine Grobplanung mit Angaben zu Anlagen, Mengen und Abläufen erstellen. Er definiert dabei Arbeitsinhalte, welche Baugruppen auf welcher Fertigungslinie laufen und teilt oder fügt sie in unterschiedlichen Szenarien zusammen, um schließlich die Kosten verschiedener Anbieter vergleichen zu können. Der vom OEM grob definierte Planungsinhalt wird dann vom Zulieferer mit Hilfe der Software weiter detailliert.

Die digitale Fabrikplanung verkürzt Planungszyklen

Ein weiterer Vorteil der Delmia-Software ist die kinematische Beschreibung der Werkzeuge. Nicht nur bei der Geometrie, sondern auch bei der Kinematik, also der Beschreibung von Bewegungen, können diese Daten erfasst und simuliert werden. Die Software ist in der Lage, die Kinematik der Werkzeuge an den vermeintlichen Schnittstellen zu übernehmen, ohne sie wieder neu zu beschreiben.

Ein kinematisches Element, wie beispielsweise ein Spanner, wird nur einmal beschrieben, im Gegensatz zu früher, wo diese Beschreibungen in unterschiedlichen Systemen und damit mehrfach erstellt wurden. Gerade die genaue Beschreibung, wie sich die einzelnen Werkzeuge bewegen, ist besonders wichtig. Der Signalaustausch, zum Beispiel zwischen Robotern, den verschiedenen Vorrichtungen, Scannern, Schutzzäunen, Schutztüren, Fördertechnik, Logistik (Container), Materialfluss, zwischen Steuerelementen und Ventilen und nicht zuletzt die unterschiedlichen Funktionalitäten der Roboter müssen beschrieben werden, um sie schließlich auch bei der virtuellen Inbetriebnahme zu simulieren.

Durch den Einsatz der digitalen Fabrikplanung lassen sich wesenstlich schnellere Planungszyklen mit einer geringeren Anzahl an Personen abwickeln als mit konventionellen Lösungen. Die schnelle, schnittstellenlose Übertragung von Daten aus den unterschiedlichen Prozessabläufen sowie die gleichzeitige Simulation des gesam-ten Prozessablaufs dienen der Absicherung von Konstruktion, Planung und Funktion der Anlagen.

Christof Stadler ist R&D Domain Leader der Delmia GmbH in Fellbach, Rafael Haida ist Consultant im selben Unternehmen.

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