Solartechnik-Produktion

Waferhersteller ringen um Balance zwischen Kosten, Know-how und Wettbewerb

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Ein weiterer Punkt sind die sich anschließenden handwerklichen Tätigkeiten. Bei der Montage einer Photovoltaikanlage auf einem Dach oder einer Grünfläche müssen natürlich auch physikalische Dinge berücksichtigt werden, beispielsweise die Ausrichtung der Zellen und Module. Dem Grunde nach entspricht die Qualifikation in vielen Punkten jedoch der des Dachdeckers.

Solarbranche hat zwei Möglichkeiten für die Ausbildung

„Es gibt zwei Möglichkeiten, die Ausbildung für den Solarbereich umzusetzen“, strukturiert Karl-Heinz Pfündner, ebenfalls Geschäftsführer des BWAW und für den Bereich Bildung zuständig, die derzeitigen Unsicherheiten. „Entweder, wir nehmen die gestandenen Berufe, die es gibt, und schaffen eine Zusatzqualifikation, die speziell auf die Photovoltaik ausgerichtet ist. So wird es derzeit praktiziert. Die zweite denkbare Möglichkeit: Man nimmt den Kernberuf Mikrotechnologe, der derzeit mit zwei Fachrichtungen existiert und den die meisten der Solarunternehmen auch nutzen, und schafft für die Photovoltaik eine dritte Fachrichtung. Damit hätte man eine präzisere Ausrichtung.“

Voraussetzung für Möglichkeit zwei ist allerdings ein Verordnungsverfahren des Bundes, welches mit sozialtarifrechtlichen Konsequenzen verbunden ist. „So ein Ordnungsprozess würde mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen. Eine Firma, die jetzt aufbaut und Leute braucht, wartet nicht so lange“, weiß Pfündner. Und so deckt man in Deutschland momentan den Fachkräftebedarf über Zusatzqualifikationen ab.

Solarindustrie Vorreiter bei neuen Berufsbildern

Dass die Thüringer in puncto neues Berufsbild schon einmal Vorreiter waren, zeigt der Ausbildungsberuf Mikrotechnologe/Mikrotechnologin. Im Jahr 1998 hat das BWAW gemeinsam mit der X-Fab AG diesen Beruf eingeführt.

Im Entstehen und der Umsetzung gab es gemeinsam mit dem Waferhersteller X-Fab vielfältige Aktivitäten. Höhepunkt war 2002 der neue Reinraum, welcher im BWAW gebaut worden ist, um eine praxisnahe Ausbildung leisten zu können.

BWAW-Reinraum unterstützt Ausbildung von Mikrotechnologen

„Dieser hat ganz wesentlich dazu beigetragen, die Ausbildung im Beruf des Mikrotechnologen breiter zu fächern. Mehr und mehr Unternehmen beteiligten sich an der Erstausbildung oder an der Weiterbildung von Mitarbeitern“, blickt Bernd Eckert zurück. „Wir haben damals mit einem Unternehmen angefangen und heute haben wir 30 Unternehmen, die in diesem Beruf ausbilden. Ich glaube es gibt keinen Thüringer Auszubildenden im Bereich des Berufes Mikrotechnologe, der nicht in bestimmten Bereichen im unserem Haus ausgebildet wird.“

Für den Reinraum wurden 1,5 Mio. Euro investiert. Das Thüringer Wirtschaftsministerium steuerte 75% der Summe bei, vom BWAW kamen 25%. Das Besondere aber war, dass die Anlagentechnik von den Unternehmen selbst kam. Begonnen hatten 6 Unternehmen, heute sind es 15 und einige mehr haben ihr Interesse bekundet, Maschinen bereitzustellen.

Solarbranche will gut ausbilden trotz Konkurrenzgedanken

Ein Gedanke schwingt jedoch bereits in der frühen Ausbildung der Fachkräfte mit, der Konkurrenzgedanke. Dann nämlich, wenn das kostbare Wissen einer Gruppe junger Leute aus verschiedenen Unternehmen gleichzeitig vermittelt wird. Schließlich ist Wissen Macht und genau diese Macht am Markt möchten die Unternehmen natürlich frühzeitig für sich und ihre Auszubildenden sichern. Dessen sind sich Bernd Eckert und Karl-Heinz Pfündner bewusst und haben so ein System entwickelt, welches sowohl der Ausbildung als auch den unternehmensspezifischen Überlegungen gerecht wird.

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