Interview „Wartungspläne sind die Königsdisziplin“

Redakteur: M.A. Frauke Finus

Schlechte Maschinenleistungen und ungeplante Maschinenausfälle sind ein Zeichen dafür, dass bei Inspektion und Wartung etwas verbessert werden muss. Der Aufbau einer prozessorientierten Inspektion und zustandsorientierten Wartung kann helfen.

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„Die prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung braucht eine neue Arbeitskultur“, erklärt Helmut Winkler, Geschäftsfüher der TMM Technik & Marketing München.
„Die prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung braucht eine neue Arbeitskultur“, erklärt Helmut Winkler, Geschäftsfüher der TMM Technik & Marketing München.
(Bild: TMM)

Eine kalenderorientierte Wartung und Inspektion ist nicht mehr zeitgemäß, viel mehr hilft eine prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung Kosten zu sparen und die Effizienz zu steigern. Wie eine Umstellung der Instandhaltungsstrategie erfolgreich ablaufen kann, erklärt Helmut Winkler, Geschäftsfüher der TMM Technik & Marketing München, im Gespräch mit MM-Redakteurin Frauke Finus.

Miesepeter Nummer eins in der Instandhaltung sind die ungeplanten Maschinenstillstände. Was kann man tun, um diese zu vermeiden?

Ungeplante Maschinenausfälle haben immer mit gravierenden Systemfehlern zu tun. Das beginnt schon bei der Maschinenbestellung. Schlechte oder billige Konstruktionen fallen nicht nur früher sondern auch unkontrollierbarer aus. Der nächste Fehler ist Kollegen aus der Instandhaltung bei der Maschinenabnahme nicht mit einzubeziehen. Würde die Maschinenabnahme gemeinsam mit Instandhaltern erfolgen, könnten diese gravierende Konstruktionsfehler erkennen und durch Messungen und Diagnosen der „Gutzustand“ einer Maschine feststellen. Während der Maschinennutzung könnten viele ungeplante Stillstände durch eine prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung verhindert werden. Es ist also ein ganzes Bündel von Maßnahmen, das zu weniger ungeplanten Maschinenausfällen führt.

Was bedeutet denn prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung?

Inspektion und Wartung sind oft das „Niemandsland“ der Instandhaltung. Die Inspektionspläne sind oft viel zu weich formuliert. Bei Wartungsplänen werden häufig die Angaben der Hersteller übernommen, ohne dass man sich damit auseinander setzt, für welche Betriebsbedingungen die Herstellerangaben gemacht wurden. In der Praxis trifft man auch immer wieder viel zu alte Wartungspläne. Eine Anpassung an den aktuellen Maschinenzustand und an das Maschinenalter wird häufig versäumt. Wir gehen davon aus, dass heute Information und Wissen die Basis für alle Instandhaltungsmaßnahmen sein sollten. Die prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung setzt genau an dieser Stelle an. Die Inspektion wird nicht mehr aus dem Blickwinkel der Maschine gemacht. Wir fragen zum Beispiel welche Maschineneigenschaften sind für den Prozess entscheidend oder welche Veränderungen der Maschine haben welchen Einfluss auf die Maschinenleistung und die Produktqualität? Anhand der gesammelten Daten wird dann die Inspektion festgelegt. Die Ergebnisse der Inspektion sind dann die Basis für die Festlegung der Wartung und der Wartungsintervalle. Inspektion und Wartung erfolgt also nicht mehr in einmal festgelegten Perioden, egal was die Maschine produziert oder wie alt sie ist, sondern dem jeweiligen Bedarf angepasst, was Kosten senkt und Effizienz steigert.

Wie geht man als Unternehmen die Umstellung auf eine und zustandsorientierte Wartung an?

Die prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung braucht eine neue Arbeitskultur. Der erste Schritt ist, in einer Analyse festzustellen, ob das Unternehmen und die Mitarbeiter reif dafür sind. Die Geschäftsführung muss diese Methode als Chance erkennen. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Mitarbeiter die prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung ebenfalls schnell als Chance erkennen. Das ist wichtig, denn ohne Akzeptanz der operativen Mitarbeiter würde eine Einführung scheitern. Ich möchte nicht unterschlagen, dass während der Einführung einer prozessorientierten Inspektion und zustandsorientierten Wartung Mehrarbeit auf die Instandhalter zukommt.

Wie können Sie als Technik & Marketing München in diesem Zusammenhang helfen?

TMM Technik & Marketing München berät seit vielen Jahren Unternehmen beim Aufbaue einer prozessorientierten Inspektion und zustandsorientierten Wartung. Wir bieten dafür verschiedene Module. Einstieg kann zum Beispiel ein unverbindlicher Beratungstag im Unternehmen sein. Bei positiver Entscheidung fungieren wir als Berater und sind dann meistens einmal pro Monat im Unternehmen um den Forstschritt und die nächsten Arbeitsschritte zu besprechen. Parallel zu den Projektsitzungen laufen Mitarbeiterschulungen, um das notwendige Wissen aufzubauen. Wir veranstalten zum Thema prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung auch offene, von Unternehmen losgelöste Seminare.

Was sind denn die Inhalte Ihrer Seminare?

Unser offenes Seminar zur„prozessorientierte Inspektion und zustandsorientierte Wartung wurde für die Führungsebene der Instandhaltungsabteilung entwickelt. Den Entscheidern werden die Schwachstellen der bisherigen Arbeitsweise und das bisher ungenutzte Potenzial aufgezeigt. Weiterhin lernen die Teilnehmer auch den Gesamtkontext kennen. Zum Beispiel, wie die Inspektion auch für Reparaturarbeiten oder Modernisierungen eingesetzt werden sollte. Wir sprechen im Seminar außerdem über Arbeitsmethodik. Jeder Mitarbeiter muss sich selbst organisieren und ist für ein gutes Ergebnis verantwortlich. Voraussetzung hierfür ist, dass die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. So muss zum Beispiel darüber gesprochen werden, wie Inspektions- und Wartungspläne aufgebaut sein sollten. Die Pläne sind auch nach jedem Maschinenausfall neu zu überarbeiten. Ein Schaden ist der klare Hinweis darauf, dass etwas falsch gelaufen ist. Inspektions- und Wartungspläne wurden in der Vergangenheit als Nebensache angesehen. Dieser Blickwinkel muss korrigiert werden. Es sind die beiden Königsdisziplinen einer erfolgreichen Instandhaltung.

Das Interview führte MM-Redakteurin Frauke Finus.

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