Nachgehakt WAS IST EIGENTLICH MIT …?
... der „Fraktalen Fabrik“, einem Organisationskonzept, das der damalige Fraunhofer-IPA-Chef Hans-Jürgen Warnecke vor über 20 Jahren vorgestellt hat. Wir fragten bei dem heutigen IPA-Leiter Thomas Bauernhansl nach.
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Wie wurde das Konzept der fraktalen Fabrik damals aufgenommen?
Das schlug damals ein wie eine Bombe. Der Begriff war in aller Munde, ähnlich wie heute Industrie 4.0. Was allerdings das Produktionskonzept dahinter angeht, nämlich Computer Integrated Manufacturing, das kam dann zum Glück nicht: die menschenleere Fabrik. Noch heute schauen wir in der Bionik nach natürlichen Systemen als Vorbild für technische Systeme. Die smarte Fabrik besteht ja aus dezentralen Einheiten, die miteinander kommunizieren. Das ist nichts anders als die Fraktale, wie Warnecke sie verstanden hat: autonome, dynamische und selbstähnliche Gebilde, die nach dem Prinzip der Selbstorganisation und Selbstoptimierung als eigenständige Einheiten agieren.
Gibt es heute noch Unternehmen, die nach diesem Konzept organisiert sind?
Ja, zum Beispiel Wittenstein in Igersheim hat sich damals sehr für eine fraktale Produktion eingesetzt und heute steht in Fellbach ein Werk, das nach Prinzipien von Industrie 4.0 produziert, eine konsequente Weiterentwicklung. Auch der Mischkonzern Freudenberg ist diesen Weg gegangen und geht ihn noch heute. Seit 15 Jahren ist dort Organisation dezentralisiert, Verantwortung wird entlang des Wertstroms an autonome Geschäftseinheiten delegiert. Die Firma stellt den Mitarbeiter als Unternehmer im Unternehmen in den Mittelpunkt, etwa auch mit der unternehmenseigenen Weiterbildungsakademie – all dies ist Gedankengut der fraktalen Fabrik.
Wie hängen die fraktale Fabrik und Industrie 4.0 für Sie zusammen?
Tatsächlich ist die fraktale Fabrik die notwendige organisatorische Grundlage für Industrie 4.0. Von ihr hat sich die Fabrik durch den Einsatz von Software in die digitale Fabrik und nun durch die Vernetzung in Echtzeit in die smarte Fabrik im Rahmen von Industrie 4.0 fortentwickelt. Die cyberphysischen Systeme, also Maschinen, Werkzeuge, aber auch Aufträge und logistische Komponenten, kommunizieren miteinander und mit der Umgebung. Sie konfigurieren sich selbst und speichern Informationen. Am Ende organisieren sie sich als soziotechnische Arbeitssysteme dezentral selbst.
MM
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