Rückführ- und Recyclingverfahren

Weniger Chemieeinsatz in der Galvanotechnik

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Der neue Härteofen ist so gekapselt, dass er nicht die Halle aufheizt, sondern nur die Bauteile, die schnell in die Folgeprozesse geführt werden sollten. Dazu müssen die Teile, die beim Vergüten eine Temperatur von 550 °C haben sollen, schnell gekühlt werden. „Wir haben deshalb eine Kühlanlage einbauen lassen, die die Umgebungsluft zur Kühlung nutzt“, erklärt Benner. Nun kam die Frage auf, was tun mit der warmen Luft? Einfach nach außen ableiten? Das kam nicht infrage, betont Benner: „Wir nutzen die 120 °C warme Abluft, um die zu härtenden Teile vorzuwärmen. Ein 1,25-kW-Lüftungsmotor leitet diese warme Luft zu den vorzuwärmenden Teilen. Das spart uns etwa 70 kW Heizleistung die Stunde.“ Eine beträchtliche Energiemenge, wenn man bedenkt, dass der Härteofen an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr in Betrieb ist.

Heizsystem der Halle nutzt Abwärme der Kühlanlagen

Damit war aber mit der Wärmerückführung noch lang nicht Schluss, wie Geschäftsführer Stefan Ruhl erklärt: „Weil das Öl zum Abschrecken durch die vom Härteofen aufgeheizten Teile allmählich warm wird, muss es entsprechend gekühlt werden. Bisher standen die Kühlanlagen außerhalb der Halle, nun stehen sie in der Halle. Die Abwärme speisen wir in das Heizsystem der Halle ein, mit einem entsprechenden Wärmepuffer. Dadurch brauchen wir zum Heizen der neuen, 2800 m² großen Halle nicht mehr Heizenergie als ein übliches Einfamilienhaus.“

Einsparpotenzial schlummerte auch in der Abwasseranlage. Um beispielsweise ein Galvanisierbecken zu leeren, pumpte eine Druckluftpumpe rund 1,5 h. Eine neue elektrische Pumpe schafft das in 10 min bei deutlich weniger Energieverbrauch. Dadurch, dass die Abwasseranlage leicht modifiziert wurde, konnte auch effizienter gearbeitet werden. Früher war es so, dass die Abwasseranlage anderthalbschichtig betrieben werden musste, jetzt läuft sie durchschnittlich nur 5 bis 6 h für die Aufbereitung. Der Mitarbeiter kann dann während seiner Schicht andere Tätigkeiten übernehmen. Und weil das Wasser eine ganz andere Zusammensetzung hat, kann es viel besser und schneller aufbereitet werden.

In der Regel sind die zu galvanisierenden Teile der Kunden ungereinigt und werden deshalb im Reinigungsbad mit Entfettungslösung von Öl, Fett, Abrieb und Schmutz gereinigt. Weil der Ölabscheider die verschmutzte Entfettungslösung nicht gut genug reinigte, wurde er durch eine Zentrifuge ersetzt. Die Feststoffe haften am Zentrifugenumfang und das eingetragene Öl wird abgeschöpft. Die so gereinigte Entfettungslösung kann ins Bad zurückgeführt werden. Früher mussten dem Reinigungsbad innerhalb von zwei Monaten rund 60 kg Entfettungsmittel zugesetzt werden, dann wurde das Reinigungsbad ganz neu angesetzt. „Jetzt werden im gleichen Zeitraum aufgrund der Rückführung nur 20 kg zugesetzt und die einmal angesetzte Entfettungslösung wird bereits über ein Jahr genutzt“, so Benner. Weil die Lösung sauberer ist und sich nur langsam aufkonzentriert, ist die Standzeit länger und die nachfolgenden Prozesse werden nicht mehr so verschmutzt.

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