Rückführ- und Recyclingverfahren

Weniger Chemieeinsatz in der Galvanotechnik

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Reduzierte Verschleppung senkt Wasserverbrauch enorm

Zu einem deutlich geringeren Wasserverbrauch beim Reinigen der Teile führt auch eine Veränderung im Ablauf: Die Trommel mit Teilen wird aus dem Galvanisierbad nicht gleich ins Reinigungsbad geführt, sondern über dem Galvanisierbecken mit Luft und Wasser bedarfsorientiert über eine Steuerung abgeblasen. Der Elektrolyt tropft aus der Trommel aus, es wird weniger verschleppt. „Wegen dieser deutlichen Reduzierung der Verschleppung haben wir gut zwei Drittel weniger Wasserverbrauch“, stellt Benner fest und erklärt: „Bei der Verschleppung haben wir auch das Problem, dass unterschiedliche Teile zu einer unterschiedlichen Verschleppung führen.“

Als Beispiel nennt er topfförmige Teile, die viel Elektrolyt ausschleppen. Zur Erfassung dieser Verschleppung haben sich die Galvaniseure etwas einfallen lassen: Über einen hochdynamischen Wiegeprozess wird das Gewicht der Trommel mit trockenen Teilen erfasst. Wenn die Trommel später aus dem Bad herausgefahren wird, wird wieder das Gewicht erfasst. Die Differenz zur ersten Wägung ergibt die verschleppte Menge. Es dauerte zwei Jahre, bis der Wiegeprozess so eingefahren war, dass er ein sehr genaues Ergebnis lieferte. Mit dem Wiegeprozess konnte auch die Grundverschleppung einer leeren Trommel erfasst und durch entsprechende Wartungsintervalle minimiert werden. Zurzeit wird der Wiegeprozess in die Anlagensteuerung eingearbeitet. Die sonst übliche Ausschleppung von etwa 60 % ins Reinigungsbad kann dadurch verringert werden.

Rückführung stabilisiert die Badzusammensetzung

Die Rückführung reduziert nicht nur den Chemieeinsatz, sondern stabilisiert die Badzusammensetzung und führt zu einer höheren Oberflächenbeschichtungsqualität der Teile. Auch eine bessere Prozessführung senkt den Chemieeinsatz: Vorher gab es eine untere und eine obere Grenze, innerhalb deren die Badkonzentration durch Zuführung von Elektrolyt gehalten wurde, nun wird auf Linie gefahren. „Bei der Prozessoptimierung haben wir einen Gesamtzuführungswert ermittelt, der für uns optimal ist, optimal zwischen Verschleppung und optimalen Abscheidebedingungen“, so Benner.

So konnte der Verbrauch von Natronlauge um etwa ein Drittel und von Salzsäure um rund zwei Drittel reduziert werden. Die Abwasserkosten sanken um 40 %. „Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften sind ein Unternehmensziel“, betont Geschäftsführer Stefan Ruhl und fügt hinzu: „Wir arbeiten permanent daran, unsere Prozesse effizienter zu machen und den Ressourcenverbrauch zu minimieren. Zurzeit entwickeln wir Korrosionsschutzschichten, die auf bestimmte Chemikalien verzichten können, ohne die Schutzwirkung negativ zu beeinflussen.“

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