Bestandsoptimierung Wenn die Lieferbereitschaft zu viel Geld kostet

Autor / Redakteur: Christian Kämmerer / Robert Horn

Ist die eigene Ware nicht verfügbar, greift der Kunde zum Produkt des Wettbewerbers. Eine nachhaltige Bestandskostenoptimierung kann helfen, das Umlaufvermögen dauerhaft zu senken und die Verfügbarkeit zu steigern.

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Lieferbereitschaft bindet viel Kapital, das an anderer Stelle meist dringend gebraucht wird.
Lieferbereitschaft bindet viel Kapital, das an anderer Stelle meist dringend gebraucht wird.
(Bild: © Traumbild/Fotolia.com)

Die Zyklen der Hochs und Tiefs in der Wirtschaft werden immer kürzer. Logistiker und Bestandsverantwortliche sind daher gut beraten, ihre Bestände mit innovativen Lösungen dauerhaft in den Griff zu bekommen. Nicht nur in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen ist es daher logisch, dass sämtliche Fertigwaren- und Produktionsbestände sofort auf dem Prüfstein stehen. Interessanterweise lassen sich hier insbesondere zwei Phänomene beobachten:

  • Das Thema „Bestände“ steht nicht bei allen Unternehmen auf der Agenda.
  • Bestandsoptimierungen werden, wenn überhaupt, dann meist finanz- und kostengetrieben angegangen und nicht wertorientiert.

Ein Thema mit viel Potenzial

Dass Bestandsoptimierung ein aktuelles Thema mit großen Potenzialen ist, haben die Ergebnisse einer gemeinsamen Umfrage unter Logistikern deutlich gezeigt. Veränderungen bei den Beständen sind nach wie vor ein Stiefkind in Firmen. Knapp drei Viertel aller Unternehmen haben bisher überhaupt erst ein Projekt zum Bestandsmanagement durchgeführt – nur 37 % gehen dabei systematisch vor. Gerade in der jetzigen Situation ist allerdings ein systematisches, wertorientiertes Bestandsmanagement schon allein aus Finanz- und Cash-Flow-Gründen Pflicht und sollte ein ganz wichtiges Thema für 2016 und darüber hinaus sein.

Angst vor zu viel Kapitalbindung

Das noch junge Institut für Bestandsoptimierung beschäftigt sich schon länger mit diesem Thema, unter anderem forschte man im Rahmen einer Doktorarbeit am Lehrstuhl für BWL der Universität Würzburg „hautnah“ an den Beständen eines weltweit führenden Automobil- und Industriezulieferers.

Der Anlass für die Arbeit war einfach wie nachvollziehbar: Von einem Typenspektrum, dessen Nachfrage nur schwer vorhersehbar war, war selten ausreichend Bestand in den verschiedenen Distributionszentren vorrätig, obwohl an dem Produkt ordentlich verdient wurde und die Kosten auf der Kundenseite – etwa durch Bandstillstand – um ein Vielfaches höher als der Kaufpreis für diese Typen waren. Man hätte sich also ausreichend Bestand „leisten“ können, jedoch wurde eine Bestandserhöhung stets mit dem Hinweis auf die Lagerhaltungs- und vor allem die Kosten der Kapitalbindung abgelehnt.

Diese fokussierte Sichtweise auf die Bestandskosten greift aber auf Dauer zu kurz und ignoriert, dass es auch vielfältige Kosten auf Anbieterseite gibt, wenn dieser nicht oder nicht ausreichend gegenüber seinen Kunden lieferfähig ist, obwohl ein gewisser Servicegrad seitens der Marktteilnehmer erwartet werden kann.

Solche kalkulatorischen Kosten nennt man „Fehlmengenkosten“ und einer Quantifizierung derselben ist man – nicht nur in der wissenschaftlichen Diskussion – meist mit dem Hinweis auf den immensen Ermittlungsaufwand gerne aus dem Weg gegangen. Dieses Problem der Quantifizierung von Fehlmengenkosten und deren Ausprägungen ist aber nun gelöst, nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht.

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