Roboter-Zukunftsvision Teil 1

Wenn Roboter denken, fühlen und selbstständig werden

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Expertenmeinungen

Dr. Karin Röhricht Redakteurin Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

„In meinen Augen sind viele Aspekte des Szenarios durchaus so vorstellbar. Einige der genannten Themen wie künstliche neuronale Netze, selbstlernende Systeme und bionische Robotik sind bereits heute Forschungsthemen oder in Anwendungen angelangt. Die Rechenleistung hat sich in den vergangenen Jahren so deutlich weiterentwickelt, dass zum Beispiel maschinelle Lernverfahren, die seit den 1990er-Jahren bekannt sind, jetzt ihr Potenzial voll ausspielen können. Diese Entwicklung, verbunden mit dem Entstehen neuer intelligenter Technologien, wird sich mit Sicherheit rasant fortsetzen und vieles aus dem Szenario möglich machen. Auch im Umgang mit Menschen kann der Roboter mithilfe von Simulationen Fähigkeiten entwickeln, die ihn menschenähnlich wirken lassen. Zweifel habe ich jedoch bei Themen wie einem eigenen Willen, Bewusstsein für Roboter und seinem Status als soziales Wesen oder Subjekt, das dem Menschen ebenbürtig ist. Dafür halte ich die Frage, was den Menschen zum Menschen macht, noch für zu ungeklärt und ich sehe auch noch keine Technologien, die den Roboter derart erheben könnten. Nicht zuletzt halte ich eine solche Rolle des Roboters auch nicht für erstrebenswert. Der Mensch sollte den Roboter als seinen „Diener“ nutzen und auch seine Grenzen definieren. Dazu gehört für mich, dass er ein – gerne sehr fortschrittliches – maschinelles Wesen im Arbeits- oder Dienstleistungsumfeld bleibt.“

Helmut Schmid Regional Sales Director/GM – WEE & Scandinavia Universal Robots (Germany) GmbH

„Meiner persönlichen Einschätzung nach, wird sich in 100 Jahren die Arbeitswelt tatsächlich geändert haben und der Einsatz von Robotern, Humanoiden und Androiden, in den unterschiedlichsten Bereichen zum Bestandteil unserer Gesellschaft werden. Die herkömmliche Industrierobotik wird sich weiterentwickeln und durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu selbstlernenden und um zusätzliche Funktionalitäten erweiterten Systemen werden. Sie wird jedoch im höheren Lastbereich, bei schwierigen Arbeitsbedingungen und Gegebenheiten und vor allem aus Kostengründen noch stärker als heute im industriellen Umfeld im Einsatz sein. Insbesondere im Service- und Dienstleistungsbereich werden jedoch humanoide und androide Roboter Einzug halten und den Arbeitsalltag bereichern. Die Entwicklung eines eigenen sozialen Lebens sehe ich jedoch nicht. Es wird eine gesellschaftspolitische Herausforderung sein, hier klare Trennungen und Verantwortlichkeiten zu definieren, um nicht in der Zukunft plötzlich fremdbestimmt zu sein. Dies ist und sollte eine der Hauptdomänen menschlichen Lebens sein und bleiben. Ein Roboter ist und bleibt eine Maschine, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Dr. Rainer Bischoff Vice President Corporate Research bei Kuka

(Bild: Kuka)

„Heute klingt die Geschichte nach Science-Fiction. Aber wer weiß schon, wie die Produktion im Jahr 2120 aussehen wird? Wenn wir betrachten, welche rasante technologische Entwicklung die Welt in den vergangenen 100 Jahren erlebt hat, speziell im Bereich der Robotik, ist es schwer, etwas kategorisch auszuschließen. In der Hardware sind die Fortschritte aber erfahrungsgemäß langsamer als im Softwarebereich. Hier ist der Mensch mit seinen sensomotorischen Fähigkeiten auch in Zukunft überlegen. Künstliche Intelligenz wird dabei helfen, dass Roboter Aufgaben und Probleme eigenständig lösen können. Eigenschaften wie Improvisation, Emotionen oder ein eigener Wille bleiben meines Erachtens aber dem Menschen vorbehalten – auch im Jahr 2120.“

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Über den Autor

Mag. Victoria Sonnenberg

Mag. Victoria Sonnenberg

Redakteurin MM MaschinenMarkt, MM MaschinenMarkt