Anbieter zum Thema
Schon die Logistik bereitet Kopfzerbrechen
Die Recyclingquote einer Windkraftanlage liegt, bezogen auf die Gesamtanlage, bei erfreulichen 80 bis 90 %. Weitgehend offen aber ist die Frage, was mit den Rotorblättern passiert, insbesondere wenn das Ziel eine stoffliche und hochwertige Verwendung des Materials ist. Das Gewicht eines Rotors kann außerdem bis zu 10 t betragen. Bei einer Länge von maximal 75 m ist das auch logistisch und prozesstechnisch eine Herausforderung. Das heißt, aus einem Windpark mit mehreren Hundert Turbinen entstehen sperrige, kunststoffhaltige Abfälle aus glasfaser- und/oder carbonfaserverstärkten Epoxidharzen.
Momentan werden ausgediente Rotorblätter meist grob zerkleinert, geschreddert und dann verbrannt – sozusagen thermisch verwertet. Gerade wenn der Kunststoffanteil zu einem hohen Prozentsatz aus Polyvinylchlorid (PVC) besteht, kann das auch zu Problemen führen, weil beim Verbrennungsprozess Chlorwasserstoff entsteht, ein ätzendes Gas, das mit Wasser zu Salzsäure reagiert.
Rotorblatt-Recycling im Fokus von Forschung und Industrie
An diesem Punkt setzt die Siemens Wind Power and Renewables Division am Produktionsstandort für Rotorblätter im dänischen Aalborg an. Claus Rose, Division Officer Environment, Health and Safety, blickt in die Zukunft und auf das zu erwartende Szenario, bei dem er für 2020 mit ungefähr 50.000 t Kunststoffabfall rechnet. Bis 2035 sollen es dann bereits 225.000 t sein, die es zu verwerten gilt. Die Siemens Division Wind Power and Renewables beteiligt sich deshalb an der dänischen Initiative namens Genvind, denn speziell in Dänemark werden viele Rotorblätter gefertigt und müssen irgendwann recycelt werden. Dahinter verbirgt sich ein branchenübergreifender Zusammenschluss aus Unternehmen und Forschungsinstituten, der sich auch mit dem Thema Rotorblattrecycling beschäftigt. Aus der Windkraftindustrie sind außer Siemens auch Unternehmen wie Vestas und LM beteiligt. Engagiert sind auch Hochschulen wie die University of Nottingham aus Großbritannien und die Aalborg University aus Dänemark.
(ID:43196144)