Anbieter zum Thema
Rotorblätter wandern in die Zementindustrie
Eine Alternative, die auch van der Woude und der Branchenverband AVK erwähnen, ist die Verwandlung der ausgedienten Rotorblätter in Zementbeimischungen. Im Rahmen dieser Idee wird das Material zerkleinert und vorbehandelt. Durch die Zugabe weiterer Recyclingmaterialien werden wichtige Parameter wie Brennwert, Feuchte- und Aschegehalt beeinflussbar. Das so gewonnene Produkt wird in der Zementindustrie als Roh- und Brennstoffsubstitut im energieintensiven Zementklinker-Herstellungsprozess eingesetzt.
Zerkleinerung und logistischer Aufwand fordern Recycler heraus
Bei dem technisch ausgereiften Verfahren werden etwa ein Drittel des eingesetzten Materials als Brennstoff und der Rest als Rohstoff genutzt. Die Compositerotoren werden also zu 100 % thermisch und stofflich verwertet. Die Vorteile des Verfahrens liegen im unbegrenzten Markt und den günstigen Ökobilanzen. Schwierigkeiten finden sich eher bei der komplexen Logistik, denn die Rotorblattgiganten müssen dafür in 25 mm kleine Partikel verwandelt werden. Darauf hat sich die Zajons Zerkleinerungs GmbH aus Melbeck spezialisiert. Großbauteile aus glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) werden vor Ort zersägt, in kleinere Stücke zerlegt und ins Werk transportiert. Dort erfolgt ein trockenmechanisches Behandeln zur Herstellung des Zementersatzstoffes.
Die Pyrolyse trennt Glasfasern von der organischen Matrix
Verfahren mit hoher sozialer Akzeptanz sind Techniken, die auf eine Rückgewinnung der Fasern abzielen, meint der Glasfaserexperte van der Woude. Bei der Pyrolyse, also einer Erwärmung ohne Luft auf etwa 800 C°, entsteht Pyrolyseöl, das entweder chemisch nutzbar ist oder zur Energiegewinnung taugt. Dabei wird die organische Verbindung der Faser vom thermisch resitenten Siliziumdioxid abgespalten und kann wieder verwendet werden. Jedoch handele es sich um ein energie- und kostenintensives Verfahren, das sich nur bei thermoresistenten, teuren Fasern lohne. Auch sei die Auswirkung auf die Ökobilanz schwierig zu beurteilen, so van der Woude.
(ID:43196144)