Toolmanagement Part I

Werkzeugmanagement ist keine Frage der Größe

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Prozesse sichten, vereinheitlichen und standardisieren

Als weiteres großes Kernproblem nennt Kratzer die ineffizienten sich ständig wiederholenden Prozesse. Bei immer wiederkehrenden Fertigungsprogrammen muss das Rad nicht jedes Mal neu erfunden werden. Zudem kommen bei einer genaueren Analyse Prozesse auf den Tisch, an die auf den ersten Blick kein Mensch gedacht hätte. Diese Prozesse müssen gesichtet, vereinheitlicht und standardisiert werden. „Der Effekt: wiederkehrende Teile werden kostengünstiger gefertigt. Es gibt immer mehr Kunden, welche diese Notwendigkeit erkennen und auf diesen Zug aufspringen. Ansonsten werden sie vom Wettbewerb eingeholt und überholt“, ergänzt Andreas Kratzer, Leiter TMS Toolmanagement Solutions bei Zoller.

Dabei ist es die größte Herausforderung, werkzeugbezogene Daten, die an allen Stellen der Fertigung benötigt werden, zu sichten und an einem zentralen Ort zusammenzubringen. Die Toolmanagement-Software von Zoller fungiert an dieser Stelle als eine Art „Zwischen-Software“, die zahlreiche Anknüpfungspunkte zu Partnersystemen mitbringt: zu Lagersystemen, zu zahlreichen CAM-Systemen, MES und ERP-Systemen, Anbindung an Maschinensteuerungen, Datenrückflüsse von der Maschine zur Datenbank. „Alles muss miteinander verknüpft sein – sonst ist man nicht digital. Wenn ich nur eine Insel habe, funktioniert der ganze Prozess nicht“, so Kratzer weiter.

Kleine Unternehmen sind schnell überfordert

Insbesondere bei kleinen Unternehmen kann einen das Thema der Digitalisierung schnell überfordern. „Wir hören oft von Kunden, dass jeder zwar von Digitalisierung spricht, sich aber viele unsicher sind, wie konkrete Handlungsschritte aussehen sollen“, sagt Andreas Kastner, Head Digital Products bei der Hoffmann Group. Der Werkzeughändler und -hersteller hat erstmals zur letzten EMO Hannover 2019 sein KMU- taugliches Toolmanagementsystem vorgestellt. Sozusagen eine Lösung für Kleinstunternehmen und den Mittelstand. Ein übersichtliches Gesamtpaket, das auf Module wie eine Shopfloor-Navigation oder zeitgenaue Werkzeugbereitstellung verzichtet und sich auf wenige Elemente konzentriert. „Wir haben Kunden, für die TMS noch komplett Neuland sind, und Kunden, die sich mit dem Thema bereits intensiv beschäftigt haben und immer die gleichen Fragen stellen. Zum Beispiel will man wissen, wo sich die Werkzeuge befinden, aber auch Werkzeugtracking und die sichere Übertragung von Werkzeugdaten ist für sie interessant. Ideal durch den Shopfloor navigieren und zeitgenau auf die Minute etwas bereitstellen lassen, das ist oft nicht deren Anspruch“, so Kastner weiter.

„Insbesondere kleine Unternehmen sind unter enormen Zeitdruck und können sich Maschinenausfälle nicht leisten. Deshalb brauchen sie ein TMS, das sich schnell adaptieren lässt, ohne die Fertigung zu blockieren.“ Andreas Kastner, Head Digital Products bei der Hoffmann Group
„Insbesondere kleine Unternehmen sind unter enormen Zeitdruck und können sich Maschinenausfälle nicht leisten. Deshalb brauchen sie ein TMS, das sich schnell adaptieren lässt, ohne die Fertigung zu blockieren.“ Andreas Kastner, Head Digital Products bei der Hoffmann Group
(Bild: Hoffmann Group)

Die Hoffmann Group hat sich auf die Fahne geschrieben, sich auf die Kernprobleme in der Fertigung zu konzentrieren, das heißt auf die Organisation rund um die Fertigung. „Wir stellen dem Kunden nur das zur Verfügung, was ihn wirklich interessiert, und ermöglichen so eine Leichtigkeit im Umgang mit dem System“, fährt Kastner fort. So ist man an das System herangegangen: Es sollte einfach und schnell zu verstehen sein, zudem erschwinglich, insbesondere für KMU, leichter zu bedienen und Kernprobleme abdecken. Grundvoraussetzung dabei ist, dass gewisse Schnittstellen vorherrschen. Die Hoffmann Group strebt dabei einen ganzheitlichen Ansatz und keine Insellösung an, das heißt, dass die Fertigung vernetzt wird; dazu gehören Maschinensteuerungen genauso wie Voreinstellgeräte oder CAM-Systeme – bis hin zum Werkzeugautomaten. Bereits ab dem ersten Tag der Inbetriebnahme soll der Anwender Effizienzgewinne haben. „Wir haben ein Standardsystem und machen kein Customizing für jeden Kunden. Unser Anspruch ist der, dass das Produkt ganzheitlich für KMU passt“, so Kastner weiter.

KMU im Blick

Kleine und mittelständische Unternehmen hatte auch Gühring mit seinem logistischen Tool Management im Blick. Bei diesem Dienstleistungstyp ist Gühring für die Disposition und Beschaffung aller erforderlichen Werkzeuge, auch von Drittanbietern, verantwortlich und stellt diese dem Kunden über die TM-Werkzeugautomaten in Konsignation zur Verfügung. Man bezahlt die Werkzeuge erst, wenn sie aus dem Automaten entnommen werden.

„Der Kunde hat hier das alleinige Recht, festzulegen, welche Werkzeuge in seiner Produktion eingesetzt werden. Dieses Modell kommt vorwiegend bei KMU zum Einsatz, die über Einzel- oder Kleinserien verfügen“, erklärt Dr. Steffen Lang, Geschäftsbereichsleiter Dienstleistung, Gühring KG. Für die Großserienproduktion bietet der Hersteller das technologische Tool Management an. Hier übernimmt Gühring die komplette Werkzeugverwaltung des Kunden – von der Disposition und Beschaffung über die Lagerung, Montage und das Voreinstellen der Werkzeuge bis hin zur Anlieferung der einsatzbereiten Werkzeuge in der Fertigung. „Verbrauchte Werkzeuge werden in der Fertigung abgeholt, demontiert und mit neuen Schneiden bestückt. Des Weiteren ist Gühring auch für die Optimierung von Werkzeugen und Zerspanungsprozessen verantwortlich“, so Lang weiter.

Mut und Wille zur Veränderung

Diesen Vorteilen stehen oft nicht nur Vorurteile im Weg, sondern oftmals auch der Kunde selbst, der bereit sein muss, einen Teil der Prozesse „loslassen“ zu können. „Hier erleben wir immer wieder, dass Kunden enorme Einsparungen erwarten, aber weder die Prozesse in der Zerspanung noch die eingesetzte Technologie auch nur geringfügig ändern wollen“, so Marcus Schur, Manager Global Tool Management Services bei der Walter AG. Auch die Offenheit des Kunden bezüglich der aktuellen Situation sei eine wichtige Voraussetzung.

„Als Tool-Management-Anbieter müssen wir wissen, wie der Kunde heute arbeitet und welche Technologien er einsetzt, um eine realistische Potenzialabschätzung machen zu können. Wenn diese Offenheit nicht gegeben ist, wird es sehr schwierig, dem Kunden ein vernünftiges und umfassendes Tool-Management-Konzept vorzustellen“, spricht Schur aus Erfahrung. Grundsätzlich könne man aber sagen: „Je manueller und ,papierlastiger‘ Kunden heute arbeiten, umso höher wird der Nutzen eines Toolmanagements von Walter sein.“

Für welches System Sie sich letzten Endes entscheiden, sei Ihnen überlassen. Die Beispiele zeigen allerdings, dass es durchaus Sinn macht, sich mit diesem Thema zu befassen. Sei es, um teure Verzögerungen in der Fertigung zu verhindern, sei es, um indirekten Werkzeugkosten entgegenzuwirken. Hinzu kommt die Ungewissheit über sogenannte Schwarzbestände oder über mögliche Unterbestände. Versorgungssicherheit und Transparenz erreichen Sie nur, indem Sie Herr über Ihre Werkzeuge bleiben, und das schaffen Sie nur über ein Toolmanagement.

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