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Gebrauchsdauerprognose für Schmierstoffe
Werden die Antioxidantmessungen aus der Praxis mit der Abbaulinie der FE9-Prüfung bei 120 °C zur Deckung gebracht, dann entsprechen 180 h FE9-Laufzeit einer Laufleistung von 363.000 km. Auf Basis des Antioxidantzustandes können Aussagen zur weiteren Schmierstoff-Gebrauchsdauer gemacht werden. Nach 65 h FE9 oder 70.000 km in der Praxis besitzt der Schmierstoff noch 87 % Schmierpotential, nach 180 h oder 363.000 km Praxiseinsatz noch 64 %. So ist eine Umrechnung in Stunden beziehungsweise in Kilometerleistung bis zum Zeitpunkt des vollständigen Antioxidantabbaus möglich.
Diese Gebrauchsdauerprognose basiert ausschließlich auf der Abbaugeschwindigkeit des Antioxidanten bei Betriebstemperatur. Wie der Versuch bei 180 °C zeigt, verfügt das Grundöl jedoch auch nach Abbau des Antioxidanten über ein hohes Lebensdauerpotenzial.
Alterungsmechanismus verläuft in der Praxis und im Prüfstand analog
Die Untersuchungen bei Klüber lieferten den Nachweis, dass sich der Abbau des Antioxidanten in einer Praxisanwendung bei 120 °C genauso verhält wie im FE9-Prüfstand bei gleicher Temperatur. Der Alterungsmechanismus verläuft also in der Praxis und im Prüfstand analog und deshalb können die Prüfstandsergebnisse auf die Praxis übertragen werden. Über diesen Zusammenhang lassen sich die Versuchslaufzeiten mit Praxislaufzeiten vergleichen und Prognosen erstellen.
Neben den üblichen Ergebnissen mechanisch-dynamischer Prüfstände, die meist Werte zu Verschleiß, Reibmoment, Laufzeit oder maximaler Last ausgeben, ist diese Kombination zwischen Tribometrie und chemischer Analytik eine Möglichkeit, tieferen Einblick in die Funktion und die Zusammenhänge zwischen Schmierstoff und Maschinenelement zu bekommen. Dabei kann der Schmierstoff unter betriebsähnlichen Bedingungen betrieben werden und wird nicht entlang seiner Einsatzgrenzen überstrapaziert, nur um eine möglichst kurze Versuchszeit zu erreichen.
In Kenntnis des „Schmierstoff-Lebenslaufes“ können zukünftig Schmierstoffproben der Kunden von Klüber hinsichtlich der noch zu erwartenden Laufleistung interpretiert werden. So können Servicezeiten und mögliche Ausfälle der Lagerung inklusivr der damit verbundenen Reparaturkosten reduziert werden. MM
* Dr. Marius Kuhn ist tätig in der Abteilung Tribologie & Chemie/Tribologie Grundlagen und Beratung bei der Klüber Lubrication München SE & Co. KG in 81379 München
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