2. VDMA-Kongress „Intelligenter Produzieren“

Zwischen Renaissance und neuer Bescheidenheit

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Wie Robert Bosch dank seiner international verteilten Entwicklungsarbeit den Ressourceneinsatz in der Produktion minimiert, zeigte Peter J. Marks, Mitglied der Geschäftsführung des Konzerns aus Gerlingen. Die Entwicklung eines neuen Produkts wird bei Bosch stets von einem Leitwerk in Deutschland gesteuert, die Modifikation in Varianten und die Anpassung an den Kundenbedarf geschehen in den weltweit verteilten Fertigungswerken.

Da gemäß dem Grundsatz „Local for local“ die einzelnen Produktionsstätten sowohl vor Ort ihre Komponenten beziehen wie ihre Produkte an Kunden in der Region verkaufen, werden auf diese Weise nicht nur die Lieferanten frühzeitig qualifiziert, sondern auch die Marktkenntnisse genutzt.

Dezentrale Entwicklung erhöht Koordinationsaufwand

Allerdings hat eine solche dezentrale Entwicklungsarbeit einen erhöhten Koordinationsaufwand zur Folge, warnte Marks. Deshalb vertraue Bosch dabei auf einen sehr strukturierten Planungsprozess. Die Zwischenschritte reichen vom Prämissen-Workshop über die Wertstrom- bis zur Feinplanung. Mit diesem Vorgehen konnten teilweise die Bestandszeiten um 30% und die Durchlaufzeiten um 50% gesenkt werden.

In eine ähnliche Richtung gingen die Strategieüberlegungen von Prof. Dr. Hermann Simon. Der renommierte Unternehmensberater und Autor des Managementklassikers „Hidden Champions“ postulierte: „Der natürliche Platz deutscher Produkte ist im oberen Teil der Preis- und Leistungsskala. Das ist kein Wunschdenken, sondern Faktum.“

Wettbewerbsvorsprung deutscher Unternehmen ist gestiegen

Denn der Markterfolg eines Unternehmens hänge weniger von den Preisen seiner Produkte ab als vom Wert, den die Kunden ihnen zumessen. Der Befund Simons lautete: Der Wettbewerbsvorsprung deutscher Unternehmen auf dem Weltmarkt ist in den vergangenen Jahren nicht etwa geschrumpft, sondern hat sich im Gegenteil weiter erhöht. Denn einerseits messen laut Simon die Kunden typisch deutschen Eigenschaften wie Qualität und Termintreue noch größere Bedeutung bei als bisher. Andererseits sei es den deutschen Betrieben gelungen, sich auf diesen Feldern noch stärker vom Wettbewerb abzusetzen. Simon zufolge haben die Unternehmen jedoch Defizite in der Preispolitik, um den angemessenen Gegenwert für ihre Marktstellung hereinzuholen.

Trotz der Erfolge im Hochpreissegment warnte Simon davor, jene 86% der Weltbevölkerung zu ignorieren, die mit einem jährlichen Haushaltseinkommen von weniger als 10 000 Dollar auskommen müssen. Als Produkt für dieses Marktsegment stellte Simon den Tata Nano vor, einen indischen Pkw mit einem Verkaufspreis von 2000 Dollar.

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