Porträt Zwischen Welten und Wandel

Autor / Redakteur: Angela Kanders / Udo Schnell

Dr.-Ing. Joachim Hümmler ist eine ehrliche Haut. Einer, zu dem man schnell Vertrauen fasst. Er ist im Sauerland geboren, in Attendorn zur Schule gegangen. Aufrichtigkeit zeichnet die Menschen dieser Region von jeher aus. Bodenständigkeit auch. Hümmler ist deshalb keiner, der abgehoben in seinem Elfenbeinturm sitzt und den großen Boss mimt. Obwohl er natürlich Chef ist.

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Dr.-Ing. Joachim Hümmler, Geschäftsführer der Röhm-Unternehmensgruppe.
Dr.-Ing. Joachim Hümmler, Geschäftsführer der Röhm-Unternehmensgruppe.
(Bild: Röhm)

Seit Juli 2015 leitet er als Geschäftsführer die Geschicke des Spannmittelherstellers Röhm in Sontheim/Brenz, am Rande der Schwäbischen Alb. Seine Bürotür steht meist offen, jeder kann hereinkommen und mit ihm sprechen, ihn etwas fragen. Die Wände des Büros sind verglast. Transparenz ist ihm wichtig. Ein bis zwei Mal am Tag streift er durch das Hauptwerk, schaut genau hin, diskutiert mit dem Werksleiter und spricht Mitarbeiter direkt an, wenn ihm etwas auffällt. Auch im Zweitwerk in Dillingen lässt sich Hümmler häufig blicken. Er möchte Tuchfühlung, aber bitte auf Augenhöhe. Jeder habe Respekt und Wertschätzung verdient, egal welche Position und Aufgabe sie oder er im Unternehmen innehabe. Doch das bedeutet nicht, dass er Everybody's Darling sein will. Wer mit Problemen zu ihm kommt, darf nicht nur klagen, sondern muss auch eine Lösung mitbringen. Es müsse nicht gleich der goldene Weg sein, stellt er klar, aber eine Möglichkeit. Manchmal muss er natürlich auch harte Entscheidungen treffen.

„Mir ist es aber wichtig, dass diese objektiv nachvollziehbar sind. Wenn ich Entschlüsse vernünftig begründen und erklären kann, dann sind meine Mitarbeiter auch bereit, diese Wege mitzugehen, auch wenn sie für den einen oder anderen unangenehm sind.“ Er wolle Mitarbeiter fördern, aber auch fordern. Sie sollen intrinsisch motiviert sein, ihren Teil dazu beitragen, das Unternehmen stetig zu verbessern. Sein Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit sind also auch ein Gebot für andere. Ganz nach seinem Wahlspruch „Nicht ärgern, sondern ändern“.

Gern zu Hause wie in der Fremde

Dass er dabei einer ist, der die Technik sozusagen schon als Kind eingeatmet hat, dürfte ihm dabei helfen. Schleifen, bohren, Maschinen und Motoren auseinanderbauen waren bereits als Kind und Jugendlicher sein Faible. In den Ferien jobbte er außerdem im elterlichen Maschinenbauunternehmen und besserte damit sein Taschengeld auf. So war es wohl nur ein logischer Schritt, dass er nach dem Abitur 1984 Maschinenbau an der RWTH in Aachen studierte. Während des Studiums arbeitete er als Hiwi am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie, wo er später auch promovierte und es als Oberingenieur bis zur Gruppenleitung schaffte. Begeistert wirkt er, wenn er daran zurückdenkt, wie sie Produkte für die Herstellung von Maschinenbauteilen aus Faserverbundtechnik entwickelt haben. Das war damals der Ansatz.

Während der Promotion erhielt er den Spitznamen μ-Ing. statt Dipl.-Ing. „Weil ich so genau und penibel bin.“ Trotzdem sei er auch pragmatisch. „Ich habe gelernt, dass es nicht immer 100 % sein müssen, sondern dass 98 % meist ausreichen“, sagt er. Schon im Studium zog es ihn ins Ausland: Seine erste Station war Delaware/USA für eine Studienarbeit im Bereich Faserverbundtechnik. Eine weitere wichtige Station war auch die Firma WMF. 2004 fragte ihn sein damaliger Chef, ob er ein Produktionswerk in China leiten wolle. Das habe ihn und seine Frau einige schlaflose Nächte gekostet, aber nach einem Look-and-see-Trip sei die Entscheidung gefallen. Ein Gespräch mit einem damaligen Bosch-Manager gab den Ausschlag. Dieser sagte zu ihm: „Was überlegen Sie denn noch? Sie machen hier einige Jahre, kommen dann nach Deutschland zurück und es hat sich nichts verändert.“ So folgten sechs „superspannende“ Jahre. Der Anfang war nicht leicht. In der chinesischen Provinz Guangdong im Süden fuhr man damals locker mal drei Stunden für eine Tüte Milch herum. Englisch wurde eher selten gesprochen. „Man konnte nichts lesen, eine völlig fremde Kultur, mit exotischen Sitten und Gebräuchen.“ Dann fanden seine Frau und er so langsam in den Rhythmus, das Leben im fremden Land wurde zum Alltag. Und schließlich kam der Erfolg. Das Werk, das der ambitionierte Techniker leitete, schrieb anfangs rote Zahlen. „Doch am Ende erzielten wir knapp 20 % Ebit“, sagt er nicht ohne Stolz.

Klare Haltung, klare Ziele

Doch zurück in Deutschland zog es Hümmler bald weg von WMF. Ein Investor stieg ein, der alles sehr stark amerikanisierte und auf extremen Profit auslegte. „Ohne die Seele von WMF zu berücksichtigen“, sagt der Ingenieur. Diesen Weg wollte er nicht mitgehen, da hatte er eine klare Haltung. „Mir fehlte die Nachhaltigkeit.“ Für Röhm hat er ebenfalls klare Ziele vor Augen. Langsam und organisch profitabel wachsen. Er will das Unternehmen zum Weltmarktführer für die Spanntechnik machen. Dies sei man in einigen Bereichen schon heute, aber eben nicht in allen. Auch Röhm sei von der Finanzkrise getroffen worden. Jetzt will Hümmler die Firma weiterentwickeln. Dazu müsse man überall präsent sein.

Schon heute macht das Unternehmen 50 % seines Umsatzes im Ausland. „Das wollen wir verstärken“, sagt Hümmler und meint damit sowohl die Produktion als auch den Vertrieb und die Errichtung von Servicehubs. Mit Letzterem will er Wartung, Instandhaltung und Ersatzteilservice für seine Kunden vor Ort sicherstellen. Sein Ziel sei es aber nicht, alles nach China oder sonst wohin zu verlegen. Im Gegenteil, der Geschäftsführer weiß sehr genau, wo die Stärken und Schwächen der Asiaten liegen. Eine noch bessere Qualität, sich mit Innovationen abzuheben, schwebt ihm stattdessen vor. „Das können wir in Deutschland sehr gut vorantreiben.“ An dieser Stelle sei man mit der Forschungslandschaft und den Instituten den Asiaten voraus und für das Thema Industrie 4.0 beispielsweise gut gerüstet.

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