HGÜ ABB gelingt Durchbruch für Stromnetze der Zukunft

Redakteur: Stéphane Itasse

ABB hat eine bahnbrechende Entwicklung in der Schaltung von Gleichströmen bekannt gegeben. Damit löst das Unternehmen laut eigener Mitteilung ein 100 Jahre altes Rätsel der Elektrotechnik und ebnet den Weg für ein effizienteres Übertragungsnnetz.

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Im Jahr 2010 verband ABB das Xiangjiaba-Wasserkraftwerk in Südwestchina mit Shanghai durch eine HGÜ-Stromleitung. Die Geschichte reicht aber weiter zurück.
Im Jahr 2010 verband ABB das Xiangjiaba-Wasserkraftwerk in Südwestchina mit Shanghai durch eine HGÜ-Stromleitung. Die Geschichte reicht aber weiter zurück.
(Bild: ABB)

In mehrjähriger Forschung hat ABB den weltweit ersten Leistungsschalter für die Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) entwickelt, heißt es. Der Schalter kombiniere schnelle Mechanik mit Leistungselektronik. Er soll in nur 5 ms – dreißigmal schneller als ein Wimpernschlag – Gleichstrom unterbrechen können, der der Leistung eines Großkraftwerks entspricht.

Leistungsschalter macht Weg für umfassende HGÜ-Netze frei

Damit entfalle eine seit 100 Jahren bestehende Hürde für die Entwicklung von Gleichstromübertragungsnetzen, die eine effiziente Integration von erneuerbaren Energien über große Entfernungen ermöglichen. Darüber hinaus würden Gleichstromnetze (DC) die Stabilität der bestehenden Wechselstromnetze (AC) verbessern. ABB führe derzeit Gespräche mit Übertragungsnetzbetreibern, um Pilotprojekte für das neue Produkt zu vereinbaren.

„ABB hat ein neues Kapitel in der Geschichte der Elektrotechnik aufgeschlagen“, sagt Joe Hogan, Vorsitzender der Konzernleitung von ABB. „Dieser historische Durchbruch macht es möglich, das Netz der Zukunft zu errichten. Gleichstrom-Overlaynetze werden effizient und stabil Länder und Kontinente miteinander verbinden und die bestehenden Wechselstrom-Übertragungsnetze stärken.“

ABB sieht sich als führend bei HGÜ

Die Entwicklung des HGÜ-Hybridschalters zählt laut Unternehmensmitteilung zu den Vorzeige-Forschungsprojekten von ABB, das jährlich über 1 Mrd. US-Dollar in die Forschungs- und Entwicklungsarbeit investiere. Das Portfolio des Unternehmens und der Vorteil, sowohl Leistungshalbleiter, Stromrichter und Hochspannungskabel (Schlüsselkomponenten eines HGÜ-Systems) im eigenen Haus zu fertigen, seien bei dieser Neuentwicklung entscheidend gewesen.

HGÜ-Technik ermögliche den Ferntransport von Strom von entlegenen Wasserkraftwerken, die Anbindung von Offshore-Windparks, die Entwicklung visionärer Solarprojekte und die Verbindung verschiedener Stromnetze mit unterschiedlichen Frequenzen. ABB hat nach eigenen Angaben die HGÜ-Technologie vor fast 60 Jahren in Pionierarbeit entwickelt und sieht sich auch heute noch als Technologie- und Marktführer in diesem Bereich. Das Unternehmen habe über 70 HGÜ-Projekte mit einer installierten Leistung von insgesamt über 60.000 MW ausgeführt und sei damit für die Hälfte der weltweit installierten Systeme verantwortlich.

Punkt-zu-Punkt-HGÜ-Verbindungen sollen zu Netzen werden

Der Einsatz der HGÜ-Technik habe in verschiedenen Teilen der Welt zu einer wachsenden Zahl von Punkt-zu-Punkt-Verbindungen geführt. Der nächste Schritt bestehe nun darin, die Leitungen zu verbinden und das Netz zu optimieren. ABB arbeitet nach eigenen Angaben bereits am Bau von Multi-Terminal-Systemen, und der neue DC-Schalter markiere einen bedeutenden Schritt in der Entwicklung von HGÜ-Netzen. Parallel zur Arbeit am neuen Hybrid-Schalter habe ABB ein HGÜ-Netzsimulationszentrum errichtet, das Lösungen für den Betrieb zukünftiger DC-Overlaynetze konzipiert.

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