Interviewreihe Energieeffizienz „Bei den Energiepreisen rechne ich mit einer weiteren Verschärfung“

Von Melanie Krauß

Noch ist Hawe Hydraulik nicht von den steigenden Energiepreisen betroffen. Mittelfristig könnte sich das jedoch ändern. Wie sich das Unternehmen vorbereitet, verrät Andreas Gilnhammer im Interview.

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Andreas Gilnhammer ist Head of Sustainability & Real Estate bei Hawe Hydraulik.
Andreas Gilnhammer ist Head of Sustainability & Real Estate bei Hawe Hydraulik.
(Bild: Hawe Hydraulik SE / Mario Cuic)

Welche Energie nutzen Sie bei Hawe Hydraulik?

Unsere Hauptenergiequellen sind Strom und Gas. Grundsätzlich versuchen wir – wo möglich – auf erneuerbare Energien zu setzen. So sind beispielsweise alle Dächer unserer Werke mit Photovoltaik belegt. In Kaufbeuren werden wir bis Jahresende ein Viertel des Strombedarfs mit PV-Energie erzeugen können. Hier haben wir zudem ein Blockheizkraftwerk (BHKW) im Einsatz. In den anderen Standorten haben wir Gas für die Heizung wie auch für verschiedene Prozesse im Einsatz. Beim Strombezug setzen wir an mehreren Standorten 100 Prozent auf Grünstrom und den Gasverbrauch kompensieren wir über Zertifikate.

Wie stark ist Hawe Hydraulik von den Preiserhöhungen bei Energie betroffen?

Wir haben längerfristige Verträge für Strom und Gas. Von daher sind wir zumindest kurzfristig nicht von den Preiserhöhungen betroffen. Sollten die Preise allerdings weiter steigen oder auf dem derzeitig hohen Niveau verbleiben, werden wir mittelfristig deutlich höhere Ausgaben für Strom und Gas haben.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie bereits, um Energie im Unternehmen effizient zu nutzen oder einzusparen?

Wir betreiben seit 2010 Energiemanagement aktiv an den Standorten und sind hier unter anderem nach der ISO 50001 zertifiziert. In diesem Zeitraum konnten bereits mehr als 140 Effizienzmaßnahmen umgesetzt werden. Mit diesen erreichen wir eine Vermeidung von knapp 12.000 Tonnen CO2 pro Jahr und eine Reduktion der direkten und indirekten Emissionen um mehr als 70 Prozent. Zusätzlich werden durch den reduzierten Energieverbrauch auch die jährlichen Energiekosten gesenkt.

Größere Projekte hierzu waren in den letzten Jahren zum Beispiel ein möglichst energieeffizienter Neubau in Kaufbeuren, bei dem wir die damals gültige Energiesparverordnung um knapp 40 Prozent unterschritten haben. In Sachsenkam haben wir beispielsweise die Produktion auf LED-Beleuchtung umgerüstet. Auch der Einbau von Wärmerückgewinnungsanlagen bei unseren Druckluftkompressoren hat mit über 1.200 Tonnen jährlich deutlich zur Reduzierung der Emissionen beigetragen.

Haben die aktuellen Entwicklungen dazu geführt, dass Hawe Hydraulik neue Maßnahmen ergreift oder bestehende Maßnahmen auf den Prüfstand stellt?

Ja und nein. Ich würde sagen, die aktuellen Entwicklungen haben die Umsetzung der Maßnahmen beschleunigt. Durch die ISO 50001 und durch unsere gesetzten Klimaziele arbeiten wir stetig an Maßnahmen, um die Energieeffizienz zu steigern. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.

Die bereits in Deutschland etablierte, werksübergreifende Klimastrategie wird in den kommenden Jahren in die Standorte der Hawe-Gruppe weltweit ausgerollt. Das definierte Ziel ist, im Jahr 2029 gruppenweit klimaneutral in Scope 1 und 2 zu sein. Als erster Standort im Ausland wurde im Dezember 2020 Hawe Hydraulik Slovenija zertifiziert nach den drei ISO-Normen:

  • Umweltmanagement (ISO 14001),
  • Arbeitsschutzmanagement (ISO 45001) und
  • Energiemanagement (ISO 50001).

Blicken wir einmal fünf Jahre in die Zukunft: Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie bis dahin beim Thema Energie und wie stellen Sie sich die Energieversorgung für Hawe Hydraulik ganz konkret vor?

In fünf Jahren hoffen wir natürlich den Ausbau der Eigenstromerzeugung weiter deutlich vorangetrieben zu haben. Zudem möchten wir bis dahin auch die überschüssige Sonnenenergie speichern können. Für den Gasbedarf sowohl für die Gebäudeversorgung wie auch für die Produktionsprozesse hoffen wir auf lokale regenerative Möglichkeiten. Bei den Energiepreisen rechne ich mit einer weiteren Verschärfung und Verknappung, sodass wir bis dahin auch viele weitere Effizienzmaßnahmen umsetzen möchten, um optimal aufgestellt zu sein.

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