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Was es beim Einkauf von 3D gedruckten Teilen zu beachten gilt
In Europa hat sich ein lebhafter Dienstleistermarkt mit mehreren hundert Anbietern entwickelt, die 3D gedruckte Teile im Auftrag fertigen. Beispielsweise wurde die Schlauchverbindung in Bild 1 von der BSF Bünter AG in der Schweiz durch Laser Melting in Edelstahl gefertigt. Beim Kauf von additiv gefertigten Teilen sind zwei Punkte zu beachten:
- die Auswahl des richtigen Verfahrens und
- die Auswahl des richtigen Dienstleisters.
Ein Bauteil kann mit verschiedenen additiven Fertigungsverfahren hergestellt werden. Dienstleister haben meist nur eines oder einige wenige davon im Haus. Häufig versuchen sie, das vorliegende Problem dennoch mit der ihnen zur Verfügung stehenden Technik zu lösen. Das muss aber für den Käufer nicht immer die beste Option sein. Es ist daher empfehlenswert, sich zuerst vor Augen zu führen, welche Verfahren überhaupt infrage kommen. Hierbei können Übersichten hilfreich sein.
Sind die möglichen Verfahren eingegrenzt worden, geht es um die Auswahl des richtigen Dienstleisters. Dies ist zentral, um ein gutes Resultat zu einem vernünftigen Preis zu erzielen. Momentan gibt es Dienstleister mit sehr unterschiedlichen Geschäftsmodellen, die an unterschiedlichen Aufträgen interessiert sind. Das spiegelt sich in großen Preisunterschieden für ein und dasselbe Teil wider. In einem Benchmark wurden Angebote für das Referenzteil in Bild 3 von 22 Dienstleistern im gleichen Material (PA12) und im gleichen Verfahren (Lasersintern) eingeholt. Das preiswerteste Angebot war 12,50 Euro, das teuerste 340 Euro.
Immer mehrere Angebote für ein Bauteil einholen
Dies bedeutet nicht, dass die Dienstleister auf der linken Seite der Abbildung grundsätzlich teuer sind, sondern dass sie an genau diesem Auftrag (kleines Bauteil in Stückzahl eins) nicht interessiert sind. Bei anderen Aufträgen können sie sehr wohl wettbewerbsfähig sein. Daher sollten immer mehrere Angebote eingeholt werden, wenn Teile benötigt werden.
Zusammenfassend ist die Wahl des richtigen Verfahrens und des richtigen Dienstleisters über den Erfolg beim Einkauf von additiv gefertigten Teilen entscheidend. Diese Auswahl ist aber nicht einfach zu treffen. Einerseits fehlt häufig das benötigte Know-how über die verschiedenen 3D-Druck-Verfahren, um eine sinnvolle Eingrenzung zu machen. Andererseits ist die benötigte Zeit oft nicht vorhanden, um mögliche Dienstleister zu identifizieren, Angebote einzuholen und eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Onlineplattform als Auswahlhilfe und holt Angebote von Dienstleistern ein
Es gibt daher Bestrebungen, diesen Prozess zu verbessern. An der ETH Zürich wird beispielsweise mit Additively.com, einem Spin-off der Hochschule, eine Onlineplattform für additive Fertigung und professionellen 3D-Druck entwickelt, die bei diesen Entscheidungen helfen soll. Dort können Ingenieure die Teile, die sie benötigen, innerhalb weniger Minuten auf der Plattform spezifizieren. Diese hilft das richtige Verfahren auszuwählen, und holt Angebote von geeigneten Dienstleistern ein. Der Ingenieur vergleicht dann die Angebote und bestellt die Teile. Dies reduziert den benötigten Zeitaufwand stark, führt zu niedrigeren Preisen und kürzeren Leadtimes und ermöglicht den Zugriff auf alle Verfahren an einem Ort.
Durch solche Werkzeuge werden die Hürden, additiv gefertigte Bauteile von Dienstleistern zu bestellen, weiter gesenkt. Für viele Firmen ermöglicht dies einen optimalen Einstieg in die Welt der additive Fertigung. MM
* Matthias Baldinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Betriebswissenschaftlichen Zentrum (BWI) der ETH Zürich in 8092 Zürich (Schweiz)
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