Krisenjahresbilanz

Bosch blickt trotz Krisenjahr zufrieden auf das Ergebnis

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Die Automobilisten brauchen den gleitenden Strukturwandel

Mit Blick auf den Strukturwandel und die kommende Euro7-Regulierung sieht der Bosch-Chef die Automobilbranche in einer anspruchsvollen Übergangsphase. „Die Elektromobilität kommt, und Bosch treibt diesen Wandel seit Jahren aktiv voran“, so Denner. Aber die nötigen Vorleistungen müssten aus dem bestehenden Antriebsgeschäft finanziert werden. Um möglichst viele Beschäftigte im Wandel mitzunehmen, brauchten alle Beteiligten auch einen tragfähigen, sanften Übergang. „So wie Elektroautos mit regenerativem Strom CO₂-neutral unterwegs sein können, können das auch Diesel und Benziner mit synthetischen Kraftstoffen. Wir sollten diese Chance für den Klimaschutz bei der anstehenden Euro7-Regulierung nicht vertun“, mahnt Denner. Schon jetzt belasten moderne Diesel und Benziner die Luftqualität in den Städten so gut wie nicht mehr. „Was wirtschaftlich und sozial richtig ist, wird damit ökologisch nicht falsch“, gibt Denner zu bedenken. Man müsse im Dreieck aus ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten die Balance halten. Den Wandel in der Automobilindustrie hin zu einer Mobilität ohne negative Klima- und Umweltfolgen zu ermöglichen und zugleich Beschäftigung zu sichern – das muss das Ziel sein.

Nach ihrer Vernetzung werden Produkte bald auch intelligent

Durch das Zusammenspiel von KI und dem IoT will Bosch die Weichen zu einem Milliardenmarkt stellen und mit innovativen KIoT-Lösungen Mehrwert schaffen – und zwar durch weniger Energiekosten, mehr Komfort und Sicherheit. Das aus der Vernetzung generierte Wissen über die Verwendung seiner Produkte soll künftig etwa deren Nutzung durch Software-Updates verbessern oder neue Funktionen und Services ermöglichen. Die technischen Voraussetzungen habe Bosch in den vergangenen Jahren geschaffen: Eine IoT-Suite verbindet dazu Geräte, Sensoren und Gateways, während eine Cloud-Infrastruktur die Daten prozessiert. Mithilfe einer KI-Plattform sollen sich Anwendungen der KI dann zügig skalieren lassen.

„Im nächsten Schritt wollen wir aus der technischen Kompetenz Geschäft machen“, sagt Denner. Bosch hat nun bereits rund zehn Millionen vernetzbare Elektrowerkzeuge, Hausgeräte und Heizsysteme verkauft. Und die Zahl der aktiven Nutzer steige. Um bestehende Kompetenzen im Bereich Künstlicher Intelligenz auszubauen, hat das Unternehmen Anfang 2017 das Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) gegründet. Man sieht sich damit gut aufgestellt. Bereits im dritten Jahr zahlen sich die Investitionen in das BCAI aus – der positive Ergebnisbeitrag liegt inzwischen bei rund 300 Mio. Euro. Und im BCAI sind derzeit rund 270 KI-Spezialisten an mehr als 180 Projekten aus den Bereichen Mobilität, Produktion, Smart Home und Landwirtschaft beschäftigt.

Das soll die Verquickung aus KI und IoT bringen

Einen wichtigen Beitrag für Bosch auf dem Weg zum KIoT-Unternehmen soll auch der neue Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions mit seinen rund 17.000 Mitarbeitern leisten. „Diese Einheit bündelt die Hard- und Software-Entwicklung für neue Elektronikarchitekturen im Fahrzeug“, erklärt Denner. „Damit will man sich einen Markt öffnen, der auf der zunehmend im Auto bereitgestellten Intelligenz basiert. Für seine Fahrzeugrechner akquirierte Bosch allein im zweiten Halbjahr 2020 Aufträge im Wert von rund 2,5 Mrd. Euro. Weitere Abschlüsse in Milliardenhöhe stünden an.

So erschließt sich Bosch über alle Unternehmensbereiche hinweg neue KIoT-Anwendungen: Die videobasierte Branderkennung Aviotec erkennt mittels Künstlicher Intelligenz bei bloßer Infrarotbeleuchtung Rauch und Flammen. Eine Applikationsplattform für die Inspektion von Werkstücken weist mit KI unscheinbare Kratzer in der Oberfläche nach. Ein neuer selbstlernender Sensor mit „Edge AI“ für Fitness-Tracker minimiert Latenzzeiten und Stromverbrauch – die Intelligenz liegt dabei im Sensor selbst.

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