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Auslandsgeschäfte China macht Ernst beim Umweltschutz

| Autor: Stéphane Itasse

Importverbote für Abfälle, eine neue Umweltsteuer seit Jahresbeginn und Smogvermeidung in der Stromproduktion – die chinesische Regierung geht die Umweltprobleme des Landes an. Auch deutsche Firmen profitieren, etwa durch die Lieferung von Anlagen.

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Chinas Umwelttechnikmarkt hat viele Facetten: Von Müllentsorgung über Stromerzeugung bis zur Übertragung erneuerbarer Energien.
Chinas Umwelttechnikmarkt hat viele Facetten: Von Müllentsorgung über Stromerzeugung bis zur Übertragung erneuerbarer Energien.
(Bild: ABB)

Mit der Wirtschaft sind in China in den vergangenen Jahren auch die Abfälle gewachsen. Welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen, zeigt das Beispiel der Steinmüller Babcock Environment GmbH mit Sitz in Gummersbach. Das Unternehmen ist laut eigener Mitteilung Lieferant von Technik und Schlüsselkomponenten beim Neubau von Müllverbrennungslinien für die thermische Abfallverwertungsanlage Feixi. Die Stadt gehört zu Hefei, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Anhui mit 960.000 Einwohnern.

Das Projekt ist für die Region aufgrund des rasant steigenden Müllaufkommens von besonderer Bedeutung, wie das deutsche Unternehmen weiter mitteilt. Der Kunde ist Zhejiang Feida Science & Technology Development im Auftrag der China Energy Conservation und Environmental Protection Company (Cecep).

Deutscher Anbieter kann auf gute Referenzen in China verweisen

Wegen der guten Erfahrungen in anderen Projekten habe sich Cecep für die Rosttechnik von Steinmüller Babcock Environment sowie dessen lokalen Partner entschieden. In den Jahren 2011 und 2013 wurde bereits je ein Auftrag für zwei Müllverbrennungsanlagen mit jeweils 500 t Abfalldurchsatz pro Tag in der Stadt Hefei an das deutsche Unternehmen vergeben. Die neue Anlage in Feixi wird ebenfalls für einen Abfalldurchsatz von 4 × 500 t ausgelegt sein.

Auch umweltfreundliche Energie ist in China gefragt. Der deutsche Anlagenbauer Envitec Biogas profitiert davon und hat mit dem Bau seiner fünften Biogasanlage in der Volksrepublik begonnen. Der Spatenstich für die Biogasanlage in der Provinz Shanxi, 500 km südwestlich von Beijing, fand im Februar statt.

Der Kunde Shanxi Shenmu New Energy Co. Ltd. will die Anlage nach geplanter Fertigstellung Ende 2018 in Eigenregie betreiben, auch die Bauarbeiten werden kundenseitig verantwortet. „Natürlich stehen wir dem Kunden mit unserer Expertise zur Seite und stellen sowohl Projekt- als auch Bauleiter und Leitmonteure, die den Bauablauf organisieren und vor Ort anleiten“, sagt Envitec-CFO Jörg Fischer.

Das Engineering der Anlage stammt dabei aus dem Wissenspool der Envitec-Experten, „wobei die Hauptkomponenten der Einbringtechnik und die Biogasanlage von uns geliefert werden und die Gasverwertung vom Kunden selber gebaut wird“, berichtet Fischer weiter. Nach Inbetriebnahme soll das erzeugte Biogas zu Bio-CNG (Compressed Natural Gas) verdichtet und am Anlagenstandort vermarktet werden. Der CNG-Markt in China wächst laut Anlagenbauer stetig.

Marktpotenzial in China bleibt enorm – aber Wettbewerb steigt

„Auch in naher Zukunft bietet China ein enormes Marktpotenzial für uns – allerdings wird der Wettbewerb im wachsenden Markt steigen“, gibt Fischer zu bedenken. Als Allrounder mit langer internationaler Expertise sieht sich Envitec jedoch aufgestellt für weitere Bauvorhaben und Kooperationen auf dem Biogasmarkt Chinas.

Bei einem weiteren Energieprojekt hat sich ABB engagiert. Die UHGÜ-Transformatoren (Ultrahochspannungs-Gleichstromübertragung) für ±1100 kV, die die Schweizer zusammen mit der State Grid Corporation of China (SGCC) entwickelt und hergestellt haben, haben mehrere Typprüfungen erfolgreich absolviert. Dieser Durchbruch ebnet den Weg für die Umsetzung der mehr als 3200 km langen UHGÜ-Verbindung zwischen Changji und Guquan, die Strom aus der nordwestlichen Region Xinjiang in die Provinz Anhui im Osten Chinas übertragen soll, wie ABB mitteilt. Die Verbindung wird bis zu 12.000 MW übertragen können, im Vergleich zu den bislang gebräuchlichen 800-kV-Verbindungen liegt die Kapazität um 50% höher. Die Übertragungsdistanz wird sich von rund 2000 auf mehr als 3000 km erhöhen, wodurch die Integration und Übertragung von abgelegenen erneuerbaren Energiequellen in einem größeren Ausmaß möglich wird. Nach der Inbetriebnahme wird die UHGÜ-Verbindung acht 500-kV-Leitungen und zwei 1000-kV-Wechselstromleitungen versorgen. Mit dieser Entwicklung können außerdem erstmals ±1100-kVDC- und 750-kVAC-Leitungen miteinander verbunden werden.

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 Stéphane Itasse

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MM MaschinenMarkt