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Chinageschäft wird für deutsche Unternehmen schwieriger

| Autor/ Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Für die deutsche Wirtschaft geht es nicht ohne China, auch wenn die Geschäfte schlechter laufen und der Handelsstreit der Volksrepublik mit den USA viel Unsicherheit bringt. Dennoch bleiben die Geschäftschancen groß.

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Mehr Unsicherheit, weniger Wachstum – und doch bietet der chinesische Markt weiterhin Chancen.
Mehr Unsicherheit, weniger Wachstum – und doch bietet der chinesische Markt weiterhin Chancen.
(Bild: Bosch)

Die Deutsche Handelskammer in China (AHK China) hat in ihrer jüngsten Geschäftsklimaumfrage, die sie erstmals zusammen mit KPMG Deutschland erstellt hat, diese Ergebnisse ermittelt. Allerdings schränken Marktzugangsbarrieren und regulatorische Hindernisse das Wachstumspotenzial der deutschen Unternehmen in China ein, wie die Kammer mitteilt.

Handelskonflikt betrifft 83 % der deutschen Unternehmen in China

Das langsamere Wachstum der chinesischen Wirtschaft hat zusammen mit der Unsicherheit aufgrund des Handelsstreits seine Spuren hinterlassen. 83 % der deutschen Unternehmen in China fühlen sich von dem Handelsstreit betroffen. Das zeigt die Umfrage zum Geschäftsklima: Die Geschäftserwartungen sind auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken, nur 27% der befragten deutschen Unternehmen erwarten, dass sie ihre Geschäftsziele im Jahr 2019 erreichen oder übertreffen werden. Die Branchenprognosen für 2019, insbesondere für die traditionell starken deutschen Automobil- und Maschinenbau- beziehungsweise Industrieausrüstungssektoren, sind deutlich gesunken. Für das kommende Jahr berichten die befragten Unternehmen von vorläufigen Anzeichen einer Erholung mit einer leicht verbesserten Prognose für die Branchenentwicklung. „2020 wird sehr wahrscheinlich durch die vom Handelskonflikt und der Abschwächung des globalen sowie chinesischen Wirtschaftswachstums bedingten Unsicherheiten geprägt sein“, sagt Jens Hildebrandt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Beijing.

Die Regierung in Beijing hat laut Mitteilung der AHK China mit der Umsetzung von Reformen begonnen, die mehr Marktöffnung und Gleichbehandlung ausländischer Unternehmen auf dem chinesischen Markt versprechen. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen bestätigt dieses Engagement positiv. Von einer umfassenden, systematischen Marktöffnung auf allen Ebenen seien diese Fortschritte jedoch noch weit entfernt. Deutsche und chinesische Unternehmen würden sowohl von der Beseitigung insbesondere indirekter Marktzugangsbarrieren profitieren und so eine breitere Zusammenarbeit erreichen.

Laut der Umfrage berichten zwei von drei Befragten, dass sie mit Marktzugangsbeschränkungen konfrontiert sind. Implizite Marktzugangsbarrieren wie Lizenzerwerb, unverhältnismäßige Ausschreibungsverfahren, mangelnde Beteiligung an der Entwicklung von Industriestandards sowie zu kurze Vorlaufzeiten für neue Vorschriften stellen deutsche Unternehmen vor große Herausforderungen. Für etwa jeden zweiten Befragten sind Rechtsunsicherheit und unklare regulatorische Rahmenbedingungen sowie Anforderungen an den Technologietransfer die vorrangigen Hindernisse.

Chinas Markt bietet weiterhin große Chancen

Trotz dieser Marktzugangsbarrieren sehen die Unternehmen bedeutende Chancen auf dem chinesischen Markt. „Die Top-3-Chancen sind der wachsende Inlandsverbrauch, eine steigende Nachfrage nach ausländischen Marken und Qualität sowie die Teilnahme an Innovationen und digitalen Technologien“, sagt Andreas Glunz, Managing Partner International Business von KPMG Deutschland. Zwei von drei (67%) befragten Unternehmen beabsichtigen, in den nächsten zwei Jahren weiter in China zu investieren, und jedes zweite würde sogar wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich seine Investitionen in China erhöhen, wenn ein größerer Marktzugang gewährt würde. „Der Abschluss eines qualitativ hochwertigen Umfassenden Investitionsabkommens EU - China (CAI) im nächsten Jahr – mit einem Umfang, der über die übliche Dimension des Investitionschutzes hinausgeht und auch den fairen Marktzugang umfasst – würde neue Impulse setzen und die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen in eine neue Ära führen“, erwartet denn auch Hildebrandt.

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