Trennverfahren

Compositebearbeitung mit dem Wasserstrahl

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Die innere Linie aber war das eigentliche Endmaß. Auf Anfrage, warum man nicht gleich mit der Wasserstrahlanlage auf Endmaß schneide, erklärte der Auftraggeber, dass mit dem Wasserstrahl nicht die gewünschte Präzision zu erreichen sei. Was der Wasserstrahl selbst nicht erreicht, vermag jedoch die Software in der Flow-Anlage auszugleichen, weil sie die Lage des Schneidkopfes entsprechend nachregeln kann, damit trotz nichtlinearen Verhaltens des Wasserstrahls dennoch saubere Schnittkanten entstehen. Weil der Wasserstrahlexperte Seid seine Technik kannte, schnitt er das Material auf eigenes Risiko direkt auf Endmaß. Das Ergebnis: Sein Auftraggeber wurde von der Möglichkeit überzeugt und lässt seither alle Produkte auf die gleiche Weise bei Seid zuschneiden, weil er so die kosten- und materialintensive Nachbearbeitung einsparen kann.

Ausgleichstechnik erzielt exakt zylindrische Bohrlöcher

Schon sehr früh hat sich Seid auf die Bearbeitung von Verbundwerkstoffen spezialisiert. Heute machen Aufträge mit diesem Werkstoff circa 70 % der Auslastung aus. Die Spezialisierung hat sich gelohnt: Bereits nach einem Jahr hat sich das Unternehmen etwa in der Luftfahrtbranche den Ruf erworben, sehr hohe Qualität zu liefern. Mit der Anbohrhilfe sind Bohrlöcher möglich, ohne dass Risse an der Materialoberfläche rund um das Bohrloch entstehen. Speziell bei Verbundwerkstoffen haben andere Verfahren oder Wasserstrahlanlagen ohne Anbohrhilfe hier große Schwierigkeiten, wie Seid aus der Praxis heraus bestätigen kann.

Da die Dynamic-Waterjet-Technik viele störende Effekte sicher ausgleicht, werden außerdem exakt zylindrische Bohrlöcher erzielt ohne die konisch zulaufende Lochform, wie sie mit vielen herkömmlichen Wasserstrahlschneidsystemen entsteht. So können etwa Löcher gebohrt und direkt im Anschluss mit dem Gewinde versehen werden, ohne werkzeug-, zeit- und kostenintensive Zwischenschritte zur Nachbearbeitung der Bohrung. Extrem sind die Anforderungen in der Flugzeugindustrie. Flugzeugrümpfe werden aus speziell beschichteten Compositewerkstoffen hergestellt und anschließend die einzelnen Teile miteinander vernietet. Dazu müssen mehrere Hundert Nietlöcher auf einer Werkstoffplatte äußerst präzise positioniert werden. Problematisch ist dabei, dass die Verbundwerkstoffe bei üblichen, zerspanenden Bearbeitungsverfahren an der Oberfläche leicht ausreißen. Mit der genutzten Flow-Technik und einiger Erfahrung konnte Seid das jedoch vermeiden und sehr präzise Ergebnisse liefern.

Wenige Jahre nach Anschaffung der ersten Flow war Seid mehr als ausgelastet, sodass die Beschaffung der zweiten Maschine notwendig wurde. Diemal entschied sich Seid für eine Schneidanlage mit 3D-Kopf, ebenfalls ausgestattet mit aktiver Toleranzkontrolle zum Ausgleich von Winkelfehler und Strahlnachlauf. Mit Dynamic Waterjet XD kann der Wasserstrahlexperte nun auch dreidimensionale Fasen und Winkel bis maximal 57° präzise schneiden. ■

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