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Instandhaltung Damit alles rund läuft: Späne sicher entsorgen

| Autor / Redakteur: Nick von Nagel / Beate Christmann

Bei Zügen zählen die Räder zu den sicherheitsrelevantesten Bauteilen. Bei deren Wartung wird eine Menge von Metallspänen produziert. Die Rhätische Bahn in der Schweiz hat sich für ein neues Späneentsorgungskonzept entschieden.

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Der Radsatz ist eines der am stärksten belasteten Bauteile von Zügen – bei deren Reprofilierung jedesmal entsprechend viel Metallspäne anfallen.
Der Radsatz ist eines der am stärksten belasteten Bauteile von Zügen – bei deren Reprofilierung jedesmal entsprechend viel Metallspäne anfallen.
(Bild: Mayfran)

Als 1889 die erste Bahn von Landquart nach Klosters fuhr, konnte noch keiner ahnen, wie weltberühmt die Rhätische Bahn einst werden würde. Rund 10 Mio. Fahrgäste wählen jedes Jahr den Weg auf den Schienen durch die schweizerische Bergwelt. Um ihren sicheren Transport gewährleisten zu können, gilt es, die Eisenbahnfahrzeuge regelmäßig zu warten. Dies geschieht in Landquart, wo sich der Knotenpunkt für das Streckennetz der Rhätischen Bahn befindet. In den Werkstätten dreht sich alles um die Neubeschaffungen sowie den Unterhalt von Lokomotiven und Bahnwagen.

Hohe Belastungen für Radsätze

Der Radsatz ist eines der sicherheitsrelevantesten Bauteile von Zügen, denn er führt das Fahrzeug in der Schiene. Doch gerade die anspruchsvollen Alpenstrecken, auf denen die Rhätische Bahn unterwegs ist, mit ihren engen Gleisradien und den starken Gefällen belasten die Räder enorm: Es entstehen Flachstellen und Materialausbrüche. Eine erhöhte Lärmbelastung, ein unruhiger Lauf und ein hoher Verschleiß sind die Folgen.

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Die regelmäßige Wartung und Instandhaltung der Räder fällt bei der Rhätischen Bahn in den Aufgabenbereich der Werkstattabteilung KC-Anhängerfahrzeuge. Sie betreut die Unterflur-Drehanlage des Werkzeugmaschinenherstellers Hegenscheidt MFD. Dort werden alle Räder beziehungsweise Radreifen der Schienenfahrzeuge überholt. Dieser Vorgang wird als Reprofilierung bezeichnet.

Wartung ohne Ausbau des Radsatzes

Die Waggons und Anhängerfahrzeuge werden mit einem Rangierfahrzeug über die Unterflur-Radsatz-Drehmaschine gefahren. So lassen sie sich ohne Ausbau der Radsätze aufbereiten. Nach dem Einspannen des Radsatzes wird zunächst der Istzustand des Profils mit einer elektronischen Messeinrichtung auf Spurmaß, Durchmesser und Profilform geprüft. Dann wird der zu bearbeitende Radsatz über vier Antriebsrollen (zwei pro Rad) angetrieben und im eigenen Lager zentriert, um eine optimale Rundlaufgenauigkeit zu erreichen. So werden die Radsätze dann bearbeitet, Rad für Rad in mehreren Drehprozessen.

Bei diesem Vorgang fällt eine große Menge an Metallspänen an. Um sie zu entsorgen, hat sich die Rhätische Bahn 2015 im Zuge einer Generalüberholung der Unterflur-Radsatz-Drehmaschine für ein Konzept des Anlagenbauers Mayfran entschieden.

Spänezerkleinerung reduziert Entsorgungskosten

Die Späne fallen dabei direkt in einen unterhalb der Radsatzmaschine platzierten Zweiwellenbrecher vom Typ TA-4. Dieser ist mit einem beidseitigen Schneidwerk ausgestattet und zerkleinert die Späne zu etwa 3 cm langen Resten. Eine elastische Kupplung soll dabei den Verschleiß des Antriebs des Spänebrechers reduzieren. Dieser Typ Spänebrecher hat ein breites Anwendungsspektrum: Beispielsweise wird er bei vollautomatischen Anlagen in Pumpstationen eingebaut, um die Späne mit dem Kühlschmierstoff direkt aus der Werkzeugmaschine zu verpumpen oder bei reinen Späneabsauganlagen, wo sie direkt verpumpt werden. Über drei Scharnierbandförderer des Typs CT-2 werden die zerkleinerten Späne dann aus dem Kellergewölbe unterhalb der Radsatzdrehmaschine in einen außerhalb der Halle stehenden Container abgeführt.

György Jávorka, Leiter der Abteilung KC-Anhängefahrzeuge bei der Rhätischen Bahn, bewertet die Zuverlässigkeit der im Oktober 2015 in Betrieb genommenen Anlage positiv: „Es hat sich bis zum heutigen Zeitpunkt noch keinerlei Betriebsunterbrechung ereignet. Durch die Volumenreduktion der Späne konnte der Containerbedarf um 80 % reduziert werden, was Handlingkosten einspart.“

Ein Video zum Artikel ist auf der Website von Mayfran zu sehen.

* Nick von Nagel ist Pressereferent bei der Mayfran GmbH in 52070 Aachen, Tel. (02 41) 9 38 72 21, nvonnagel@mayfran.eu

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