Glasfaserverstärkte Kunststoffe

Das aktuelle Bild des GFK-Marktes 2018 in Europa

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Auch wenn der Eindruck in der aktuellen medialen Berichterstattung sowie auf vielen Kongressen und Messen ein anderer ist, bleiben GFK in der Compositeindustrie weiterhin die mit Abstand größte Materialgruppe. Die Verstärkungsfasern sind in über 95 % der Compositegesamtmenge Glasfasern (Kurz- und Langfasern, Rovings, Gewebe, Gelege etc.).

Der europäische Markt für thermoplastische, glasfaserverstärkte Compounds war mit etwa 1470 Kilotonnen im Jahr 2017 (Quelle: AMAC) deutlich größer als der betrachtete GFK-Markt (duroplastische Materialien plus GMT/LFT) im gleichen Zeitraum. Das Wachstum lag 2017 bei 8 %. Auch das Gesamtwachstum hat im Vergleich zu den Vorjahren nochmals deutlich zugenommen. Anwendungen finden sich primär im Automobilbereich, aber auch im Elektrik-/ Elektronik-Bereich sowie bei Konsumwaren.

Der weltweite Bedarf an carbonfaserverstärkten Kunststoffen (CFK) betrug im Jahr 2018 geschätzte 128.000 t. Auf Europa entfielen davon 128.000 t. Somit haben die CFK einen Mengenanteil von 1 bis 2 % am Markt der faserverstärkten Kunststoffe (FVK).

Das erwarten die GFK-Branchenexperten für die Zukunft

Trotz der schwierigen Voraussagbarkeit künftiger Entwicklungen gibt es Strömungen, die Einfluss auf die weitere Marktentwicklung auch im GFK-Markt haben könnten:

Der Automotive-Bereich befindet sich derzeit sehr stark im Umbruch. Neben gestiegenen Anforderungen an Abgas- und Emissionswerte sind beispielsweise das autonome Fahren, zunehmende Probleme im innerstädtischen Autoverkehr (auch in Ballungsgebieten), ein steigender Vernetzungsgrad mit digitalen Systemen, die Erfassung entsprechender Fahrzeugdaten und nicht zuletzt neue Antriebskonzepte die Themen der Branche. Diese Entwicklungen bedeuten eine massive Umstrukturierung der Branche.

In einer Zeit der Veränderung besteht aber auch die Möglichkeit für neue Materialentscheidungen. GFK weist neben dem Leichtbau viele förderliche Eigenschaften für viele Segmente des Transportbereiches auf, aber auch für die Elektromobilität. Das geringere Gewicht senkt den Verbrauch, die Materialien sind sehr langlebig und wartungsarm, sie leiten weder Strom noch behindern sie die Datenübertragung und haben ein hervorragendes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Außer etablierten Serienmaterialien wie SMC und BMC und den thermoplastischen Materialien rücken auch die etablierten kontinuierlichen Verfahren, Pultrusion, wieder verstärkt in den Fokus.

Composites müssen noch stärker in Erwägung gezogen werden

Die Verschärfung von gesetzlichen Regelungen bei einzelnen chemischen Stoffe, etwa Styrol, Cobaltoktoat oder Titandioxid, haben Einfluss auf das Verarbeiten der Stoffe. Hier muss abgewartet werden, welche Auswirkungen sich hieraus ergeben.

Weitere Entwicklungen lassen auf eine Zunahme der GFK-Produktion hoffen, so beispielsweise im Bereich der Digitalisierung. Hier können GFK im Antennenbau oder bei Hausverkleidung eine immer größere Rolle spielen. Im Bereich der wachsenden Luftfahrtbranche spielen Composites innerhalb der Leichtbaukonzepte bereits heute eine wichtige Rolle. Weiter ist der Energiesektor ein wachsender Sektor, der in den vergangenen Jahren immer wichtiger wurde und auch weiter zunehmen wird.

Insgesamt kann man feststellen, dass GFK und andere Composites generell aufgrund ihrer Vielfältigkeit und der außergewöhnlichen Kombinationsmöglichkeiten über enormes Einsatzpotenzial in vielen Anwendungsbereichen verfügen. Die Materialien sind aber oft zu wenig bekannt beziehungsweise werden nicht in Materialentscheidungen einbezogen. Hier muss ein Umdenken einsetzen, denn Composites sind eine gute, wenn nicht sogar die bessere Wahl – nicht nur in Sachen Leichtbauziele. Findet ein Umdenken statt und Composites ihren Einzug in Normen und Standards, dann ist das Marktwachstum (auch über die bisherige, kontinuierliche Entwicklung hinaus) die kommenden Jahre gesichert.

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