Finanzkrise Das richtige Rüstzeug für erfolgreiche Kreditverhandlungen

Autor / Redakteur: Carl-Dietrich Sander / Peter Steinmüller

Das Versorgen mit ausreichenden Kreditmitteln ist in der Rezession eine der wichtigsten Aufgaben der Unternehmensleitung. Umso wichtiger ist es, der Bank überzeugend darlegen, wie das eigene Unternehmen seine Finanzen im Griff hat.

Anbieter zum Thema

Um die Position der Gegenseite bei Kreditverhandlungen besser verstehen zu können, sind einige Hintergrundinformationen nötig: Die Bankenaufsicht verlangt in den „Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute“ (Ma-Risk), dass die Bank vor jeder Kreditentscheidung den Kunden einer Risikoklassifizierung unterzieht. Das verwendete Verfahren ist in den allermeisten Kreditinstituten das sogenannte Rating.

Das Ziel dieses Verfahrens ist ein nachvollziehbarer Zusammenhang zwischen dem Ergebnis des Verfahrens und den Kreditkonditionen. Je schlechter das Ergebnis, desto höher sollen die Zinssätze ausfallen (risiko-adäquate Bepreisung).

Einschätzung verschlechtern sich trotz unveränderter Unternehmenssituation

Die Banken müssen diese Systeme im Backtesting genannten Verfahren einmal im Jahr darauf überprüfen, ob die verwendeten Kennzahlen und Fragen noch statistisch aussagefähig („trennscharf“ im Bankenjargon) sind. Es ist ein offenes Geheimnis, dass diese Überprüfungen im Jahr 2008 bei vielen Kreditinstituten dazu geführt haben, dass die Einschätzungen sich selbst bei unveränderter Unternehmenssituation verschlechterten. Die aktuelle Rezession wird also voraussichtlich bei der Überprüfung im Jahr 2009 die kritische Einschätzung noch weiter verstärken.

Im Rating gibt es vier Themenfelder, die bewertet werden:

  • quantitative Analyse: Bewertung der letzten drei Jahresabschlüsse inklusive der aktuellen betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA).
  • qualitative Analyse: Beurteilung der Unternehmensperspektiven anhand eines Fragenkataloges zur kaufmännischen Unternehmensführung.
  • Warnsignale: Analyse des Geschäftsgirokontos hinsichtlich Liquiditätsengpässen.
  • Bonitätseinflüsse von verbundenen Unternehmen.

Die Ergebnisse werden in einem mathematisch-statistischen Verfahren zu einer Rating-Note zusammengefasst. Dabei existieren keine absoluten Werte für die Einstufung. Vielmehr lauten die Nummerierungen von Bank zu Bank unterschiedlich: bei den Sparkassen etwa von 1 bis 18, bei den Genossenschaftsbanken von 1a bis 4e. Wichtig: Diese Note ist keinesfalls gleichzusetzen mit der Kreditentscheidung. Diese wird unverändert von Menschen getroffen. Dies macht deutlich, dass es wichtig ist, über das Rating einen offenen Dialog zu führen (siehe Checkliste 1).

(ID:283420)